Kultur

10.10.2019

Renate Bergmann ist Fake


Autor Torsten Rohde und Schauspielerin Anke Siefken zu Gast in Bad Lauterberg

von Christian Dolle

Auf Twitter wurde Renate Bergmann zum Internet-Phänomen. Nachdem sie dort ihren ersten Tweet absetzte, entdeckte sie die Welt im Internet – und die Welt vor den Monitoren entdeckte sie. Schnell gab es ein Angebot für ein Buch und dass inzwischen bereits elf weitere folgten, zeigt eindeutig, dass die Online-Omi auch den Weg in die wirkliche Welt gefunden hat.

Am vergangenen Dienstag fand Renate Bergmann auch den Weg nach Bad Lauterberg, nur erschien dort eben keine rüstige 82-jährige Dame, die dank eines Handy vom Großneffen die moderne Welt entdeckt, sondern Autor Torsten Rohde und Schauspielerin Anke Siefken. Renate Bergmann ist nämlich Fake!

Allerdings nicht Fake im Sinne Donald Trumps etc. (sie ist deutlich unterhaltsamer, wenn vermutlich auch ebenso unberechenbar), sondern eine eigentlich fiktive Figur, mit der Torsten Rohde ursprünglich jene entfernt verwandten Tanten auf die Schippe nehmen wollte, die bei Familienfeiern immer die gleichen Geschichten erzählen. Dank Schauspielerin Anke Siefken, die er an einem kleinen Theater für die Rolle entdeckte und die die Rentnerin nun bei Lesungen verkörpert, wurde Renate Bergmann an diesem Abend allerdings doch irgendwie sehr lebendig.

Herausforderungen, die im Rückblick zur humorvollen Geschichte werden

Bevor es jedoch so weit war, gab es noch eine jener unerwarteten Herausforderungen, die im Rückblick überhaupt erst für die humorvollen Geschichten des Lebens sorgen. Eigentlich war die Lesung nämlich in der Königshütte geplant und dort war auch alles vorbereitet. Nun kam jedoch das Harzer Wetter dazwischen und der Autor und die Schauspielerin erklärten die wunderschöne, aber zugige Location für viel zu kalt, so dass sie um eine Verlegung baten. „Wir sind gerade auf Lesereise und können uns keine Erkältung leisten“, begründete Torsten Rohde, „ich hoffe, das Bad Lauterberger Publikum hat dafür Verständnis.“

Zum Teil, so muss man wohl sagen, denn der hektische Umzug in die Buchhandlung stieß bei einigen Gästen nicht auf spontane Begeisterung. Dennoch wurde diese Hürde letztlich gemeistert und vermutlich wird diese Geschichte schon bald auf der einen oder anderen Familienfeier zum Besten gegeben.

Renate Bergmann, also Anke Siefken, erzählte dann erst einmal von ihren vier inzwischen verschiedenen Ehemännern. „Franz war meine dritte standesamtliche Zuteilung und ein Fehlgriff ins Gattenregal“, erläuterte sie nonchalant, doch natürlich werde auch er „genauso bepflanzt, beharkt und begossen wie die drei anderen Männer auch.“

Den alltäglichen Irrsinn des modernen Lebens aufs Korn genommen

Anschließend bekamen auch die Kinder und der Rest der Familie ihr Fett weg, vor allem aber kam sie immer wieder auf den alltäglichen Irrsinn des modernen Lebens zu sprechen, den sie ja auch auf Twitter und „Fäßbock“ aufs Korn nimmt. So ging es um Yoga für Katzen, um Bauanträge, die ewig nicht bewilligt werden, weil sie nicht mit schwarzer, sondern mit blauer Tinte unterschrieben werden müssen, um Rentner im Straßenverkehr, um einen zweckentfremdeten Thermomix und vieles mehr.

Den jüngeren Generationen mag es ja normal erscheinen, wenn Softwareumstellungen alles lahmlegen, doch Renate Bergmann kann es nun einmal nicht lassen, solchen Unsinn unserer Zeit zu kommentieren und auch zu boykottieren. Ebenso diese jungen Leute, die als Tiertherapeuten arbeiten oder das berühmte „Irgendwas mit Medien“ studieren. „Das ist im Prinzip wie arbeitslos, nur dass die Eltern stolz sind“, kommentierte sie.

Zugegeben, manche Gags waren auch ähnlich alt wie Renate Bergmann selbst, doch durch geschicktes Einbinden in alltägliche – nur ganz wenig überspitzte – Geschichten und vor allem durch Anke Siefkens Schauspieltalent brachten auch die das Publikum durchgehend zum Lachen, so dass am Ende alle mehr als versöhnt waren, was den holprigen Start des Abends anging.



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