Panorama

10.01.2019

Plötzlich war wirklich Weihnachten


Aktion Löwenmama beschenkte auch erstmals Kinder im Eichsfeld Klinikum

von Christian Dolle

Jedes Jahr zur Weihnachtszeit verteilt Susanne Saage Geschenke an Kinder, die die Feiertage in einem Krankenhaus verbringen müssen. Diesmal war sie auch erstmals im Eichsfeld Klinikum in Heiligenstadt, wo sich der Flur der Kinderklinik an einem Nachmittag plötzlich in ein beinahe surreal wirkendes Geschenkeparadies verwandelte.

Kinder wie auch Eltern, die vorbeikamen, durften sich nach Herzenslaune etwas aussuchen, anschließend ging Susanne dann in jedes Zimmer, damit auch diejenigen etwas bekamen, die wegen ihrer Krankheit im Bett bleiben mussten. Viele Eltern mochten es zunächst nicht glauben, waren vollkommen überrascht, doch die Augen ihrer Kinder begannen zu leuchten, wenn sie auch einen ihrer Herzenswünsche unter den vielen Geschenken entdeckten. „Warum machen Sie das? Was hat es damit auf sich?“, wurde sie immer wieder gefragt.

Persönlicher Schicksalsschlag

Tatsächlich hat die Aktion Löwenmama einen ernsten Hintergrund, denn auch Susanne Saage verbrachte vor einigen Jahren das Weihnachtsfest mit ihrem an Krebs erkrankten Sohn in einer Klinik. Obwohl sie ihr Kind behalten durfte, war diese Erfahrung für sie so einschneidend, dass sie kurzerhand ihre Aktion Löwenmama ins Leben rief und beschloss, Kindern, die genau das erleben müssen und auch ihren Geschwistern, die ja häufig ebenso hilflos daneben sitzen, eine Freude zu machen.

Nach inzwischen 17 Jahren hat die engagierte Mutter es geschafft, Geschäfte in ganz Deutschland einzubinden, die sie bei ihrer Mission unterstützen. Dazu gehört beispielsweise der Spielzeugladen in Osterode, in dem Simone Kruse seit einigen Jahren jene Geschenke ihren Kunden zum Kauf anbietet, die sich Kinder in Kliniken gezielt wünschen und darüber hinaus noch einige mehr für eben jene Krankenhäuser wie in Heiligenstadt, in denen die jungen Patienten überrascht werden.

Von Osterode ins Eichsfeld

In diesem Fall hat die Einzelhändlerin die Geschenke nicht nur verkauft, verpackt und bis kurz vorm Fest gelagert, sondern sie gemeinsam mit ihrer Tochter auch noch persönlich ins Eichsfeld Klinikum gefahren. Dort wurde sie von Susanne Saage schon sehnsüchtig erwartet. Sofort begann sie mit dem Ausbreiten im Flur, denn sowohl vorher als auch anschließend musste sie noch weiter zu anderen Stationen mit schwer erkrankten Kindern. 45 Kliniken bundesweit hat sie inzwischen in ihre Aktion Löwenmama eingebunden, von denen sie jedes Jahr etwa 25 persönlich besucht.

„Mein Antrieb ist das große Geschenk, dass mein Kind gesund wurde“, sagt sie, „und wenn ich dann das Glück in den Augen der Kinder hier sehe, dann weiß ich, dass es sich lohnt.“ Tatsächlich dauert es nicht lange bis alle Kinder irgendetwas entdeckt haben, was ihnen die Wartezeit bis zur Genesung verkürzt. Geschäftsinhaberin Simone Kruse freundet sich in der Zeit mit einem kleinen Jungen aus Angola an, der hier in Deutschland fernab seiner Familie behandelt wird und der sich ansteckend über ein Fahrzeug aus Lego freut, das er jetzt mit nur ganz wenig Hilfe zusammenbauen darf.

Auch die Schwestern, die an diesem Tag Dienst haben, und vor allem die Eltern können ihre Rührung kaum verbergen, weil hier plötzlich tatsächlich Weihnachten ist. Alles andere ist für einen Moment vergessen, alle stehen gemeinsam auf dem Flur um den Weihnachtsbaum herum und es fühlt sich an als seien hier nicht nur Geschenke, sondern auch Hoffnung verteilt worden.




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