Panorama

10.04.2018

Eye of the Tiger


Circus Probst präsentierte am Wochenende Tiere und faszinierende Akrobatik

von Christian Dolle

Die Raubtiernummer ist nur einer von vielen Programmpunkten, die der Circus Probst am vergangenen Wochenende in Osterode präsentierte. Doch sie ist für die meisten Zuschauer die mit Abstand spektakulärste und für andere der Grund, die Vorstellung gar nicht erst zu besuchen. Die Diskussion um Tierdressur im Zirkus ist nicht neu, doch sie ist leider auch viel komplexer als beide Seiten – Zirkusleute wie auch Tierschützer – es immer wieder darstellen.

„Wenn es allen Kindern in Deutschland so gut ginge, wie unseren Tieren, dann wäre schon viel gewonnen“, sagte Direktor Reinhard Probst gegenüber dem Eseltreiber bei einem früheren Gastspiel in Osterode. Von seinen Tiere werde nichts Artuntypisches verlangt, beteuert er, vielmehr würden sie im Gegensatz zu anderen Tieren in Gefangenschaft immer wieder geistig gefördert.

Die Show des Circus Probst beginnt mit einer Pferdedressur von Stephanie Probst, bei der die Tiere durch die Manege galoppieren und ein kleines Pony auf den Hinterläufen steht. Auch die Nummer von Reinhard Probst selbst, an der Kamele, Lamas, Zebras, Watussi-Rinder und ein Emu beteiligt sind, scheint den Tieren nichts abzuverlangen, was diese nicht wollen. Tierschützer sehen das in der Regel anders, beklagen auch immer wieder die Haltung von Zirkustieren.

Strenge Kontrollen

In diesem Zusammenhang verweist Probst auf die strengen Kontrollen durch Amtstierärzte und lädt seine Besucher in der Pause dazu ein, einen Blick hinter das Zirkuszelt zu werfen und sich selbst ein Bild von der Unterbringung der Tiere zu machen. Tatsächlich attackieren sich hier zwei Zebras, so dass sie in verschiedenen Boxen untergebracht werden müssen, die anderen Tiere scheinen allerdings an Menschen gewöhnt und die Esel und Ziegen lassen sich von Kindern auch geduldig streicheln.

Allein die Käfige für die weißen Löwen, Tiger und Liger, die mit auf Tournee gehen, erscheinen beengt und bieten den Tieren kaum Möglichkeiten, sich den Blicken der Menschen zu entziehen. Tierlehrer Tom Dieck sagte einst in einem Pressegespräch mit der FAZ, dass seine Tiere keine Wildtiere mehr seien, da ihre Vorfahren schon seit vielen Generationen in der Obhut von Menschen lebten. Natürlich ist eine Auswilderung dieser Raubkatzen faktisch unmöglich, da sie in der Wildnis nicht überleben könnten. Dennoch bleibt die Frage, ob sich mit diesen Argumenten Raubtierdressuren rechtfertigen lassen.

Keine Subventionen

In der Show sind neben Clowns und Jonglage auch großartige Nummern am Trapez und weitere faszinierende Akrobatik zu sehen, so dass durchaus gefragt werden kann, ob ein Zirkus die Tiernummern überhaupt braucht, um zu beeindrucken. Für Reinhard Probst gehören die Tiere aber zur Familie und eine Vorstellung ohne sie ist für ihn nicht denkbar. Vielmehr beklagt er, dass Zirkusse in Deutschland im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern nicht subventioniert werden und sich vollkommen selbst finanzieren müssen, da sie hierzulande leider nicht als Kulturgut anerkannt würden. Andererseits sind Wildtiere im Zirkus in vielen Ländern Europas auch grundsätzlich verboten.

Im Circus Probst springen die Raubkatzen in der Manege auf Podeste, balancieren auf einem metallenen Rad und machen Männchen. Für den Laien machen sie dabei einen nicht eben glücklichen Eindruck, doch es ist nun einmal schwer, im Auge des Tigers seine Gemütslage abzulesen. Bleibt eigentlich nur noch die Frage, warum der Mensch überhaupt so fasziniert davon ist, wilde Tiere zu beherrschen. Geht es darum, ihren Willen zu brechen? Zu zeigen, dass wir die Stärkeren sind? Aber haben wir auf dieser Welt nicht längst bewiesen, dass keine andere Art in der Lage ist, unseren Planeten so grundlegend zu verändern wie wir das insbesondere in den letzten Jahrzehnten getan haben? Und haben wir es dann heute wirklich noch nötig, unsere Dominanz über Tiere in Zirkussen unter Beweis zu stellen?





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