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29.01.2018

Life-Science-Gründer berichteten von ihren Erfahrungen


(v.li.) Prof. Dr. Wolfram-Hubertus Zimmermann, Dr. Jens-Peter Horst, Dr. Dirk Kautz, Christina Qaim und Dr. Lothar Germeroth.

zum Abschluss der SNIC-Ringveranstaltung „Innovation und Wissenschaft“ am 25. Januar

...SNIC

Göttingen. „Wie lassen sich wissenschaftliche Erkenntnisse in der Praxis umsetzen?“ – dieser Frage widmete sich der SüdniedersachsenInnovationsCampus (SNIC) am Donnerstagabend zum Abschluss seiner dreiteiligen Ringveranstaltung „Innovation und Wissenschaft“ im Oeconomicum der Universität Göttingen. Eine mögliche Antwort gab Moderatorin Christina Qaim (SNIC/Universität Göttingen) gleich selbst:

„Ein Weg läuft über Ausgründungen.“ Und von diesen wurden am Donnerstag gleich zwei hochkarätige vorgestellt. Prof. Dr. Wolfram-Hubertus Zimmermann (Leiter des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie an der Universitätsmedizin Göttingen) und Dr. Lothar Germeroth (Managing Director bei Juno Therapeutics) haben 2014 gemeinsam die Repairon GmbH gegründet. Das Biotech-Unternehmen entwickelt künstliches Herzgewebe aus Stammzellen. Ein sogenanntes Herzpflaster soll durch einen Herzinfarkt vernarbtes Herzgewebe reaktivieren und so der Volkskrankheit Herzmuskelschwäche erfolgreich entgegenwirken.

Darüber hinaus stellte Dr. Dirk Kautz (Projektleiter des SNIC-Accelerators und Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation) das in der Gründung befindliche medizintechnische Start-up „cardioLEAP“ vor, das einen implantierbaren Defibrillator zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen entwickelt. Was die Erfolgsfaktoren für Life-Science-Start-ups angeht, waren sich die Gründer einig: eine gute Idee, langer Atem und vor allem die richtigen Partner.

„Es reicht nicht aus, gute Ideen im Labor zu haben – davon haben wir täglich viele“, betonte Prof. Zimmermann. Die meisten kämen jedoch nie zur Anwendung. Denn dafür brauche es starke Partner. „Erst die richtigen Partner und Förderprogramme machen aus einer Idee ein Projekt“, bestätigte auch Dr. Kautz. cardioLeap etwa profitiert von einer millionenschweren Go-Bio-Förderung des Bundesforschungsministeriums.

Ohne Industriekontakte ließen sich bio- und medizin-technische Innovationen jedoch nicht auf den Markt bringen, betonte Dr. Kautz. Diesbezüglich hat Repairon bereits einen großen Schritt getan. 2017 hat das Unternehmen eine erste Finanzierungsrunde erfolgreich abgeschlossen und dabei unter anderem die Sar-torius AG als Partner gewinnen können. Um sich nachhaltig zu entwickeln, brauche Repairon jedoch Zugang zum US-Kapitalmarkt, ist Dr. Germeroth überzeugt.

Er warnt: „Wir dürfen in Deutschland keine Nabelschau betreiben.“ Der Gründer und Biotech-Unternehmer blickt auf langjährige Erfahrung zurück. Die von ihm mitbegründete Stage Cell GmbH beispielsweise wurde 2015 vom US-Konzern Juno Therapeutics übernommen. Geschätzter Kostenpunkt: mehr als 200 Millionen Euro. Am Montag wiederum wurde Juno Therapeutics an den amerikanischen Biotech-Konzern Celgene verkauft - für 11 Milliarden US-Dollar. Diese Dimensionen scheinen auch für Repairon und cardioLEAP nicht utopisch.

Mit Blick auf den implantierbaren Defibrillator sprach Dr. Kautz von einem „10-Milliarden-Dollar-Markt“, und Zimmermann rechnete vor, dass bei weltweit 23 Millionen Patienten pro Jahr lediglich 4.000 Herztransplantationen durchgeführt werden. Der Kostenpunkt für eine Transplantation bezifferte Zimmermann mit 500.000 Euro. Das Herzpflaster soll diese obsolet machen.

Neben den Fragen der Finanzierung gingen die Gründer auch auf die lange Zeit von der Idee bis zur Marktreife ein. cardioLEAPS etwa geht auf eine „bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnis“ im Jahr 2011 zurück. Das erste IP-Recht für die künstliche Entwicklung von Herzgewebe stammt sogar aus dem Jahr 2003, die Repairon-Gründung erfolgte im Jahr 2014. 2019 und 2020 sind die Aufnahme klinischer Studien in Deutschland respektive den USA geplant. Dr. Germeroth und Prof. Zimmermann zeigten sich zuversichtlich, dass sie mit ihrem Produkt als erste auf den Markt kommen werden.

Welche Rolle Patente im globalen Wettlauf um Life-Science-Innovationen spielen, verdeutlichte im Anschluss Dr. Jens-Peter Horst. Der Geschäftsführer der Patentverwertungsagentur MBM Science Bridge GmbH stellte unterschiedliche Schutzrechte vor und ging insbesondere auf die Tücken ein, die wissenschaftliche Veröffentlichungen im Patentierungsprozess nach sich ziehen. „Jede Veröffentlichung ist kritisch“, betonte Horst. Denn: Sobald eine Erkenntnis öffentlich gemacht wurde – sei es auf einer Konferenz oder in einem Abstract – sei das Wissen in der Welt und somit nicht mehr exklusiv schützbar.

 

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