Kultur

04.11.2017

Bitterböse Kurzkrimis zum Fest der Liebe


Roland Lange, Corina Klengel, Hans-Joachim Wildner und Uwe Grießmann lasen Harzer Weihnachts-Krimigeschichten

von Christian Dolle 

„Hexentrank und Halleluja“ heißt die neue Anthologie von Roland Lange. Wie schon im vergangenen Jahr bat er einige befreundete Autoren um eine Harzer Weihnachts-Krimigeschichte und wie schon im vergangenen Jahr kamen durchaus namhafte Kollegen seinem Wunsch nach. Darunter beispielsweise Corina Klengel, Hans-Joachim Wildner und Uwe Grießmann, mit denen Lange das Buch am vergangenen Mittwoch in der Tilman-Riemenschneider-Buchhandlung in Osterode vorstellte.

Zur Lesung gab es Wurstspezialitäten der Fleischerei Koithahn und Glühwein vom Osteroder Weinkontor. „Das ist der Hexentrunk und das ist dann wohl das Halleluja“ begrüßten der Herausgeber und Buchhändler Andreas Krohn ihre Gäste, die allerdings nicht nur aus lukullischen, sondern auch aus literarischen Gründen kamen. Und auch in dieser Hinsicht bekamen sie einiges serviert.

Humor und Spannung mit der passenden Musik

Den Anfang machte Uwe Grießmann, der von einem gartenzwerghassenden Koch berichtete, der auf einer Weihnachtsfeier einen ebensolchen bekommt. Das tödliche Ende der Feier hat allerdings weniger damit, sondern vielmehr mit dem geheimen Rezept eines Harzer Regionalgerichts zu tun. Die humorvoll spannende Geschichte war auch dank des Vortrags mit sympathischem fränkischen Einschlag weit mehr als eine Vorspeise. Noch dazu sorgte Grießmann zwischen den einzelnen „Gängen“ für die passende Musik.

Als nächstes servierte Hans-Joachim Wildner eine Familie, die am Weihnachtsabend auf den Weihnachtsmann wartet. Als der dann mit Sonnenbrille und gezückter Waffe vor der Tür steht und sich überhaupt sehr unerwartet verhält, wissen alle, dass hier etwas gründlich schief läuft. Auch Wildner brachte die Zuhörer mehrfach zum Lachen und das nicht nur, weil sein bedrohlicher Weihnachtsmann schließlich tot in der Sieber gefunden wird.

Bissig-satirische Note

Corina Klengel war schon beim Vorgänger „Glühwein, Schnee und Harzer Knüppel“ mit von der Partie und ist es auch diesmal. In ihrer Geschichte soll ein tyrannischer Vater mit Pralinen aus dem Kloster Drübeck, denen Gift aus dem Klostergarten zugefügt wurde, umgebracht werden. Da der allerdings nicht nur Tyrann, sondern auch noch Geizhals ist, verschenkt er die edle Süßigkeit weiter und es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, damit nicht Unschuldige sterben müssen.

Den letzten Gang des Abends bereitete der Herausgeber selbst zu und las von einer Explosion auf dem Osteroder Weihnachtsmarkt. Das schmeckte zunächst einmal deutlich bitterer als die vorangegangenen Geschichten, zumal sofort ein Terroranschlag vermutet wird. Mit der Zeit jedoch mischt sich noch eine andere Note in den Kurzkrimi, nämlich eine bissig-satirische, die letztlich dann doch wieder allen schmeckte und eine tolle Lesung wunderbar abrundete.

Weihnachten steht zwar noch nicht unmittelbar vor der Tür, aber da es am Ende ja dann doch immer recht plötzlich kommt, schadet es nicht, sich diese Geschenkidee schon einmal warm zu halten. Das Buch „Hexentrank und Halleluja“ ist im Buchhandel erhältlich, außer den genannten sind noch weitere Schriftsteller aus dem Harz oder mit besonderer Beziehung zur Region vertreten und es ist definitiv das Richtige für alle, die zum Fest der Liebe auch gerne mal ihrer bösen Seite ein wenig Futter gönnen.




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