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13.08.2022

Das Junge Theater Göttingen fordert: "Wir müssen zurück in unser Theater!"


v.l.: Stellvertretend für das Junge Theater Göttingen forderten Nico Dietrich (Intendant), Agnes Giese (Schauspielerin), Christian Vilmar (Leitender Dramaturg) und Nils Schmidt (Presse- und Öffentlichkeitsar.) die schnelle Rückkehr ins eigentliche Theater

Verschiedene Gastauftritte in der Region machten einen Publikumsanteil von 25 % aus

...von Ralf Gießler

Zum Spielzeitaus- und -rückblick hatte das Junge Theater Göttingen kürzlich ins Café Zak eingeladen. Die Wahl der Örtlichkeit war beabsichtigt, befindet sie sich doch genau gegenüber der eigentlichen Theaterspielstätte am Wochenmarkt. Theaterintendant Nico Dietrich berichtete ausführlich über die nach wie vor schwierige Situation seines Hauses:

"In der vergangenen Spielzeit begrüßten wir bei 255 Veranstaltungen insgesamt knapp über 20.000 Gäste bei uns in unserem Ausweichquartier an der Bürgerstraße sowie auf Gastspielen. Das entspricht etwa der Hälfte der sonst 40.000 Gäste am Stammhaus." Schuld an dieser Entwicklung sei in erster Linie natürlich die andauernde Pandemie sowie der Spielort. Daher sei - wie in den vergangenen Jahren auch schon - die zentrale Forderung, endlich wieder in das eigentliche Theater am Wochenmarkt zurückkehren zu können. Mit dem Kinder- und Jugendprogramm war es trotz schwieriger Bedingungen möglich gewesen, in den Wintermonaten 61 Vorstellungen für 4.000 Jugendliche und Kinder zu veranstalten. "Mit unserem Stück "Janosch" haben wir mehr als 40 Kita-Einrichtungen besucht und somit mehr als 1.000 Kinder mit Kultur versorgen können! Eine tolle Leistung unserer aufsuchenden Kulturarbeit", so Dietrich weiter.

Ein nicht minder wichtiger Punkt waren Gastspiele in der südniedersächsischen Region, stellte der Intendant fest: "Unter dem Motto "Theater der Stadtteile und Region" besuchten wir beispielsweise Osterode am Harz und Bad Lauterberg im Harz mit mobilen Vorstellungen. Regionsbezogen konnten wir so rund 5.000 Zuschauerinnen und Zuschauer erfreuen. Das entspricht 25 % unserer Gesamtpublikumszahl, und das ist ein guter Wert!" Ein besonderer Saisonhöhepunkt war die Premiere der Musikshow in der Göttinger Lokhalle vor 1.700 Menschen sowie in der Northeimer Stadthalle mit 600 Zuschauern. Auch Kooperationsveranstaltungen mit 32 Auftritten spielten eine gewichtige Rolle: "Wir brauchen rein wirtschaftlich gesehen mehr von Veranstaltungen dieser Art." Der Weg zum Publikum sei coronabedingt länger geworden, man müsse mehr um die Gunst kämpfen. Denn: "Es ist bei allen Kulturanbietern in Deutschland zu beobachten, dass die Menschen Theaterinnenräume meiden. Und das wird für unser Privattheater schnell existenzbedrohend."

Zwar werde endlich der Wochenmarkt saniert - eine wichtige Voraussetzung, um im eigentlichen Stammhaus mit entsprechenden Arbeiten anfangen zu können. "Nur der dort seit Jahren nicht stattfindende Umbau und somit das weitere Verbleiben in der Bürgerstraße 15 entwickelt sich zu einem handfesten wirtschaftlichen Problem für uns. Hinzu kommt, dass der jetzige Standort Imageverluste mit sich bringt. Studenten der Universität ist nicht einmal mehr das Junge Theater in Göttingen bekannt. Von ihnen werden wir als kleines Studiotheater in einer umgebauten Schulaula wahrgenommen. Fazit: Unser drängendstes Problem ist der jetzige Theaterstandort in der Bürgerstraße. Jetzt wären wir laut ursprünglichen Umbauplan bereits an den Wochenmarkt zurückgezogen und hätten die dreijährige Interimszeit überstanden. Doch bisher existiert aus verschiedensten Gründen noch immer keine Planung für den Umbau! Wir wissen, alle von Politik, Verwaltung und Zuschauerschaft sind uns wohl gesonnen. Aber das hilft uns nicht weiter."

Die ersten Gesprächstermine seien zwar proaktiv auch vom städtischen Wohnungsbau vereinbart, aber die Zeit laufe gegen das Junge Theater. Daher bleibe die seit Jahren gesagte Forderung bestehen, dass man jetzt ins eigentliche Theaterhaus zurück müsse, und zwar schnell. Der Start in die neue Saison beginnt nach der Sommerpause am 15. August. Die erste Vorstellung wird am Donnerstag, den 18. August, um 19 Uhr das Stück "Extrawurst" auf der Open Air-Bühne in der Bürgerstraße 15 sein. Die erste Premiere ist mit "Woyzeck" am 08. Oktober im Theatersaal vorgesehen. Weitere Informationen sind auf www.junges-theater.de zu finden.

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