Panorama / Ausflugsziele

23.05.2022

Auf der Spur der Lost Places


Dreharbeiten mit Autorin Miriam Fuchs an fast vergessenen Orten

von Christian Dolle

Der Tourismus im Harz verändert sich. Sicher, die einen wollen Natur und Wandern, na klar, andere aber wollen Action und wieder andere machen sich auf die Suche nach der Mystik des Mittelgebirges, nach vergessenen Relikten aus der Zeit vor der Wende oder jenen stummen Zeugnissen einer längst vergangenen Blütezeit. Für all jene hat Miriam Fuchs ihren Reiseführer „Lost & Dark Places Harz“ geschrieben.

Es sind Überreste des Bergbaus, von denen sie berichtet, verlassene Ferienheime, marode Ruinen, also vor allem sogenannte Lost Places. Ihr Buch hat einen Nerv getroffen, denn sogar das Fernsehen interessiert sich dafür. Genaugenommen war es Redakteur Andreas Bolte, der für Sat1 produziert und auf diesen außergewöhnlichen Reiseführer aufmerksam wurde. „Er hat mich kontaktiert und dann habe ich ihm ein Treffen in Wildemann vorgeschlagen, wo ich aufgewachsen bin“, erzählt Miriam Fuchs. 

Nicht allein hinfahren

Sie gemeinsam mit ihrer Freundin Diana und der Fernsehredakteur mit seinem Kamerateam trafen sich und machten sich somit gemeinsam auf, einige dieser verlassenen Orte zu erkunden. Es gab Aufnahmen im Ort, vom Ort und natürlich auch Interviews, in denen Miriam unter anderem erzählte, wie sie hier aufwuchs, später viele Jahre Pressesprecherin beim Harzer Tourismusverband war und seit 2019 Bücher schreibt, unter anderem eben verschiedene Reiseführer. 

Für dieses Buch kam der Verlag auf sie zu, sie schnappte sich ihre Kindheitsfreundin Diana und gemeinsam begaben sie sich auf die Spuren der Vergangenheit. Miriam spürte auf, recherchierte, schreib und klärte ab, was sie überhaupt veröffentlichen durfte, Diana machte Fotos und war auch dabei, weil manche der Orte durchaus ein wenig gruselig sind und es eine gute Entscheidung ist, nicht allein hinzufahren. 

Später zog der Tross dann mit allem Equipment in den Wald, und zwar um die Überreste einer alten Erzaufbereitungsanlage zu filmen. Die Erze der Gruben Hilfe Gottes in Bad Grund und Bergwerkswohlfahrt in Silbernaal wurden hier gesäubert und sortiert, seit 1931 steht alles leer. Allein das Trafohäuschen wurde noch bis in die 1980er Jahre genutzt und war wichtige elektrische Schaltstation zwischen Bad Grund und dem Rammelsberg in Goslar. 

Eine Zukunft für die Objekte

All das erläutert Miriam Fuchs im jeweiligen Kapitel ihres Buches, genau, wie sie auch auf die geschichtlichen Hintergründe der 34 anderen beschriebenen Ziele eingeht. Für den Fernsehbeitrag kam an diesem Vormittag Ulrich Reiff, Leiter des Oberharzer Bergwerksmuseums vorbei, um die Funktionen im Detail zu erläutern. Dabei erläuterte er auch, dass das Betreten hier im Gegensatz zu vielen anderen Lost Places nicht ausdrücklich verboten ist. „Wir freuen uns ja sogar, wenn sich jemand für die Bergbaugeschichte und das Welterbe im Harz interessiert“, fügte er augenzwinkernd hinzu. 

Tatsächlich schrieb auch Miriam Fuchs ihr Buch nicht in erster Linie für sogenannte Urbexer, die Orte entdecken wollen, die vor ihnen jahrzehntelang niemand mehr betreten hat. Ihr geht es vielmehr um einen noch recht neuen Aspekt von Tourismus, also das Wandeln auf eher unbekannten Pfaden, aber ebenso auch um Einheimische, die gerne mehr über die Vergangenheit der Region erfahren wollen. Und vielleicht interessiert sich dadurch ja auch jemand für die Orte, die sie vorstellt und die viel zu schade sind, um gänzlich in Vergessenheit zu geraten. „Ich würde mich freuen, wenn man dem einen oder anderen Objekt eine Zukunft schenken kann“, sagt sie, „das ist der Antrieb für mein Buch.“


Ulrich Reiff erläutert Details zur ehemaligen Erzaufbereitung

Wenn du mit anderen Fotografen unterwegs bist, biste auch als Journalist nicht sicher ;-)

Filmaufnahmen in Wildemann

Das Buch ist überall im Buchhandel erhältlich

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Miriam Fuchs






 

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