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13.05.2022

Die Dorster Dorfchronik ist da!


Andreas Nackunstz hat viel Arbeit, Zeit, Mühe und Herzblut in das Chronik-Projekt gesteckt

Die ersten 25 Pakete wurden am 11. Mai angeliefert.

von Ralf Gießler

Eigentlich sollte die Dorster Dorfchronik bereits am 10. Mai im Rahmen einer Dankesfeier vorgestellt werden. Denn zu diesem Termin hatte der Vorstand des Heimat- und Geschichtsvereins unter anderem alle Chronikautoren zu einem Grillabend am TSC-Sportheim eingeladen.

Andreas Nackunstz, Geschäftsführer vom HGV und Hauptakteur in Sachen Chronik, hatte als Ersatz einen prall, mit Ausdrucken gefüllten Ordner mit, anhand dessen man sich schon einen ersten Überblick über den Umfang des Buches machen konnte.

Einen Tag später war es dann endlich soweit, als der Paketbote klingelte: "Die erste Lieferung umfasste insgesamt 25 Pakete à 22,3 Kilo - eine schweißtreibende Angelegenheit für den Boten und für mich", erklärte Andreas Nackunstz schmunzelnd. Dann war der ersehnte Augenblick da, als Nackunstz das erste Exemplar seines "Babys" in den Händen hielt und durchblätterte: "Ich bekomme gerade richtig Gänsehaut." Verständlich, wenn man sich vor Augen hält, wie viel Arbeit, Mühe, Zeit und Herzblut er in dieses Projekt investiert hat.

"Mit der Chronik fing ich etwa vor fünf bis sechs Jahren an, indem ich insbesondere im Internet nach Material über Dorste gesucht habe. NIcht nur über Dorste im Speziellen, sondern auch über allgemeine Themen, die dazu passten, wie beispielsweise landwirtschaftliche Begriffe, Grubenhagen, Kloster Hildesheim, Landeskunde, Orte der Umgebung usw. Allein darüber sind schon etwa 20 Gigabyte an Daten zusammen gekommen. Dazu habe ich ein Archiv angelegt mit Schriftstücken, Publikationen und Büchern. Daneben begann ich im Ort um alte Fotos, Bilderalben, Urkunden, Briefe und ähnlichen Dingen zu bitten, die ich dann eingescannt und digitalisiert habe. Das sind bis jetzt über 5.000 Datensätze beziehungsweise nochmals 20 Gigabyte - ich suche übrigens immer weiter.

Vor zwei Jahren fing ich richtig an. Viel zu spät, wie ich jetzt weiß. Das hätte man schon vor 20, 30 Jahren machen müssen, die älteren Dorfbewohner nach einem Schema zu befragen und diese Gespräche aufzuzeichnen. Mit Beginn der Planungen für die 1.000-Jahr-Feier Dorstes habe ich begonnen, Leute anzusprechen, ob sie einen Artikel für die Chronik zu einem bestimmten Thema schreiben würden. Entweder etwas, was den Einzelnen besonders interessierte oder ein Thema, von dem ich ausgegangen bin, dass derjenige davon besonders viel wusste. Das waren - darauf habe ich viel Wert gelegt - vor allem Dorsterinnen und Dorster, weil mir wichtig war, dass diese Dorfgeschichte aus dem Dorf kommt. Dazu natürlich auch einige ausgewiesene Experten von außerhalb zu bestimmten Themen, wie Virouz Vladi, Dr. Jörg Leuschner, Dr. Stefan Flindt, Andreas Maak, Ekkehard Eder.

Für mich hatte ich dann die Themen ins Auge gefasst, die aus meiner Sicht übrig blieben, aber in die Chronik hinein gehörten: Alte Hausnummern, Flurbezeichnungen, Sagen und Geschichten, Handwerk zum Beispiel oder zu denen ich aufgrund der Datensammlung einen besonderen Zugang hatte, wie beispielhaft durch Feldpostbriefe aus dem Zweiten Weltkrieg. Redaktionsschluss sollte ursprünglich im Oktober 2021 sein, damit ich noch genügend Zeit für Rückfragen, Ergänzungen und für das Layout hatte. Das hat allerdings nicht so geklappt. Den letzten Artikel bekam ich Mitte April 2022. Die endgültige Buchfassung habe ich am 22. April dann an die Druckerei geliefert."

Auf die Frage, was ihn denn bewogen hätte, eine solch umfassende Chronik zu erstellen, sagte Nackunstz: "Dorste besteht seit mindestens 1.000 Jahren, hat also eine Geschichte, wenn auch kein spektakuläre. Aber diese Geschichte ist es wert, finde ich, dass sie auch den uns nachfolgenden Generationen bekannt ist. Da geht es auch um viele Kleinigkeiten, die früher selbstverständlich waren, die den jungen Leuten heute aber nicht mehr bekannt und sogar fremd sind. Dazu zählen die Arbeitsbedingungen früher.

Vor 100 Jahren bestand die Arbeit größtenteils aus Handarbeit, weil es kaum Maschinen gab. Jede Hand wurde gebraucht, das galt auch für Kinderhände. Noch vor 60 Jahren waren in Dorste Wasserclosetts, sprich WCs, nicht in jedem Haus vorhanden, sondern es gab Plumpsklos. Auf der anderen Seite gab es in den 1950er Jahren noch fünf Gaststätten im Dorf, die alle ihr Auskommen hatten. Alle diese Dinge haben sich verändert und sind heute nur noch den Älteren bekannt. Mir ging es darum, dass dieses Wissen um die Vergangenheit nicht verloren geht."

Es gab sowohl Höhen als auch Tiefen während seiner Arbeit: "Ganz besonders interessant empfand ich die Interviews, die ich führte. Ich hatte oft das Gefühl, dass die Gesprächspartner sich gerne erinnert und erzählt haben, weil es jemanden gab, der sich für ihre Geschichte, für ihr Leben, interessiert hat. Es gab lustige und witzige Erinnerungen, wie den Trecker, der nicht auf das Kommando "brrr" hören wollte, aber auch tieftraurige, wie den Unfalltod des Bruders. Da waren schon Gänsehautmomente dabei. Und es gibt mit Sicherheit noch viele Menschen, die erzählenswerte Geschichten in sich tragen.

Unschönes gab es lediglich bei der Technik für die Chronik. So sind mir die ersten drei Wochen intensivem Layouts für die Fertigstellung des Buches durch einen Softwarefehler zunichte gemacht worden. Drei Wochen Arbeit für die Katz. Das war schon bitter. Zum Glück hatte ich schon Erfahrungen durch die Chroniken des TSC, die ich verantwortlich gestaltet hatte, und durch die Mitarbeit an der zweiten Schüttenhoff-Chronik. Von daher war ich nicht überrascht über das, was mich erwartete. Die Arbeiten an der Dorfgeschichte waren aber deutlich zeitintensiver.

Die Chronik, die ja keine Chronik im eigentlichen Sinne ist, sondern 1000 Jahre Geschichte und Geschichten abbildet, hat nicht den Anspruch, ein wissenschaftliches Werk zu sein. Hier finden sich viele Dinge wieder, die einmal den Alltag des Dorfes in all seinen Facetten dargestellt haben. Viel Wert wurde darauf gelegt, zu den Texten entsprechendes Bildmaterial zu packen. Es gibt also nicht nur Berichte über Dorste, sondern auch viele Bilder dazu. Es geht von Grundlagen zum Dorf (Gutachten, Name, Wappen) in den einzelnen Abschnitten weiter über zu Artikeln über die Frühzeit bis heute (Geologie, Geschichte Südniedersachsens, Dorste und das südwestliche Harzvorland während der verschiedenen Kriege, Nazi-Zeit und Flüchtlinge bis hin zur Entwicklung des Dorfes und dem heutigen Stand der Dorfentwicklung).

Weitere Themen sind die Landwirtschaft gestern und heute, das Handwerk, Forst und Jagd, Gaststätten und Wirtschaft, Heimatkunde (von alten Hausnummern, Flurbezeichnungen, Dorster Platt, Wasser und Abwasser, früheren Verträge und Testamenten, über Verbrechen und Geschichten bis zu Sagen und Erzählungen). Den Sitten und Bräuchen ist ein Kapitel gewidmet, von der Hochzeit über Ostern und Maitanz, vom Flachsanbau über Schlachtefeste sowie Konfirmationen bis zu einer Sammlung alter Rezepte. Den Abschluss des Buches bilden unsere zahlreichen Vereine, die sich und ihr Wirken darstellen. Zu guter Letzt findet man noch eine Zeittafel mit Daten zur Dorster Geschichte und Statistikdaten zur Bevölkerungsentwicklung."

Andreas weist darauf hin, dass die Chronik nicht nur für die Dorster Bevölkerung interessant sei: "Wer sich für Geschichte im Allgemeinen und für Dorfgeschichte im Besonderen interessiert, der wird viele Themen finden, die auch ihn interessieren." Das Buch, das mit 554 Seiten ein echtes Schwergewicht ist, wird für 28,- € verkauft.

"Dank Geldspenden und Zuschüssen konnten wir den Preis so günstig gestalten, damit es auch möglichst viele erwerben können. Wir haben für diese Auflage 250 Exemplare bestellt, von denen die Hälfte bereits vorbestellt ist. Sollte die Auflage vergriffen sein, haben wir aber noch zwei Jahre Zeit zur Nachbestellung. Dann wird der Preis aber sicherlich deutlich höher sein."

Bestellungen sind ab sofort möglich über die E-Mailadresse info@hgv-dorste.de und bei allen Vorstandsmitgliedern. Kontaktdaten und weitere Informationen siehe www.hgv-dorste.de.

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Die ersten 25 Pakete der Dorfchronik sind endlich da

Die Dorster Chronik ist ein echtes Schwergewicht mit weit über 500 Seiten

Gänsehautmomente beim ersten Lesen der Dorfchronik

Ein Teil des Chronik-Archivs

 

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