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14.05.2022

Kita Förste ebenso gefragt wie Wartbergschule und Wentorf


Praktikanten, Rüdiger Busch und Julia-Verena Brücke des Autohauses Wentorf & Schenkhut trafen sich zu einem Abschlussgespräch

...von Petra Bordfeld

Bei der Realschule auf dem Röddenberg standen für die Neuntklässler wieder die Praktika auf dem Stundenplan. Während im letzten Jahr so ziemlich alles über Homeschooling lief, durften sich jetzt alle wieder auf den Weg in die Einrichtungen machen, die sie nach der Vorstellung für drei Wochen angenommen haben. Stellvertretend für alle besuchten wir zwei Praktikanten in der Förster Kindertagesstätte, drei in der Wartbergschule und zehn bei der Firma Wentorf.

Praktikanten in der Schwester Wedemeyer Kita Förste

Als Claudia Kaiser, die Leiterin der Förster Kindertagesstätte „Schwester Wedemeyer“, die Namen der beiden Neuntklässler der Realschule auf dem Röddenberg las, musste sie schmunzeln. Denn Marilen Sindram und Bastian Redecker, die sich für ein Praktikum beworben hatten, kannte sie schon, als diese in der Kita betreut wurden. So stand für das Team fest, dass beide im willkommen sind. 
Weil es Bastian immer wieder viel Spaß bereitet, mit den Kindern der Freunde und Verwandten herumzutoben, stand für ihn fest, dass er noch einmal seinen Kindergarten besuchen wollte. „Ich weiß zwar nicht, warum mich die Kids so begeistern, aber ich finde es toll, wenn ich die Kinder mit meinen Ideen faszinieren kann“.

Bei Marilen sieht es ähnlich aus. Denn sie hat eine kleine Cousine, mit der sie sich wenigsten einmal die Woche trifft und auf sie aufpasst. Dabei stellte sie fest, dass es ihr viel Spaß macht, mit kleinen Kindern was anzustellen. Genau aus dem Grund wollte sie mal in den Kita-Alltag reinschnuppern.
Die Mädchen und Jungen dieser Einrichtung begegneten den beiden Praktikanten auch nicht nur mit offenen Augen, sondern auch mit offenem Herzen und Armen. Sowohl die Jungen, als auch die Mädchen freuten sich über die Anwesenheit von Bastian. Bei Marilen waren die Jungen erst etwas vorsichtig, aber es dauerte nicht lange, da wollten die Jungs auch mit ihr was unternehmen.

Während Bastian viel mit den Kindern malte, Memory spielte oder auch fantasievolle Bauwerke errichtete, hatte sich Marilen über die Erzieherin ihrer Gruppe einen Frisierpuppenkopf von Friseurmeister Klaus Niehus erhalten. Denn die Praktikantin hat schöne lange Haare, welche von den Kindern nicht selten auf deren Haltbarkeit angetestet oder zu Zöpfen geflochten wurden. Dass mit dem Puppenkopf sollte sich als Spitzenidee herausstellen. Während die Mädchen die Frisierkunst immer wieder antesteten, schauten die Junges interessiert zu.  Sie spielte aber auch gerne mit den Kindern „Mensch ärgere dich nicht“ oder las was vor und machte keinen Bogen um die Bauecke.

Im Prinzip haben sich ihre Erwartungen erfüllt und beide können sich vorstellen, in diesem Beruf Fuß zu fassen, auch wenn der Weg zum Erzieher und zur Erzieherin nicht der leichteste ist.


Die Wartbergschule wusste drei Praktikantinnen zu überzeugen

Angelina, Fiona und Dajana gehen nicht „nur“ zur Realschule auf dem Röddenberg und absolvierten ihre Praktika an der Wartbergschule. Sie waren sich auch nach drei Wochen einig, nicht Tschö, sondern „Auf Widersehen“ zu sagen. Denn dieser Schultyp sowie dessen Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte überzeugten die drei Realschülerinnen vom ersten Tag an. 

Angelina wollte in jedem Fall ihr Praktikum dort absolvieren, wo Kinder im Mittelpunkt stehen. Da sie in Kindertagesstätten keinen Erfolg hatte, bewarb sie sich recht kurzfristig bei der Wartbergschule, von der sie nicht mehr, als die Gebäude von außen kannte. Umso erfreuter war sie, dass sie von dem Lehrpersonal einfühlsam in den Schulalltag eingeführt wurde. 

Im Prinzip sei sie in die Sprachheilklassen hineingeschlittert, aber eine Lehrerin habe sie behutsam an die Hand genommen. In dem traditionellen Morgenkreis der ersten bis vierten Klassen stellte sie sich den Mädchen und Jungen vor. Nach den ersten Schnupperansätzen half sie den Erst- bis Viertklässlern nicht „nur“ bei  Mathe und Deutsch, sondern auch bei der Versorgung der zumeist vierbeinigen Bewohner des Tiergeheges. In jedem Fall waren die Kinder traurig, wie schnell die drei Wochen rum waren. „Sie sind alle voll süß, ich fand sie einfach super, und ich finde es blöd, wenn nicht selten abwertend von diesen Kids gesprochen wird“. Jedenfalls stand für sie am Ende fest, dass sie einen Beruf anstreben wird, der mit Kindern zu tun hat.

Fiona hatte sich gar nicht woanders für ihr Praktikum beworben, denn sie wollte von Anfang an etwas Soziales mit Kindern machen, und da kam ihr „nur“ die Wartbergschule in den Kopf. Zuerst einmal habe sie sich den Stundenplan angeschaut und wie alles abläuft. Dabei hätte sie schnell festgestellt, dass dieses Schulsystem anders ist als das der Realschule. Seitdem sie dort war, wusste sie, was sie machen möchte. Auch sie stellte sich im Morgenkreis der reinen Unterstufe vor (erste  bis vierte Klasse). Und die Kids hätten ihrer Freude zum Ausdruck gebracht, jemand Neues kennen zu lernen. Das tollste Erlebnis sei das Spielen mit den Kindern im Sandkasten gewesen, und dass nicht „nur“ in einer Pause. „Ich schaute nicht zu, sondern machte mit“. Man sollte eben mehr mit Kinderaugen sehen. Wenn sie den Schulabschluss in der Tasche hat, könnte sie sich vorstellen, Lehrkraft an der Wartbergschule zu werden und dafür erneut die Schulbank zu drücken.

Dajana ist vor zwei Jahren nach ihrer Auswanderung aus Serbien in Deutschland und schließlich in Osterode angekommen. Sie war sehr glücklich, ihr Praktikum auch an der Wartbergschule absolvieren zu dürfen. Der schönste Platz sei das Tiergehege, da kämen die schönsten Gespräche mit den Kindern zustande. 

Alle drei junge Frauen lächelten und meinten, dass der Realschule so ein kleiner Zoo auch ganz gut stünde. Ernst wurden sie aber doch einmal und merkten an: „Wir werden die Barrikaden hochgehen, wenn Leute abwertend von dieser Schule reden“.

Zehn Mädchen und Jungen praktizierten bei Wentorf & Schenkhut

Die Autohausgruppe Wentorf & Schenkhut durfte innerhalb von drei Wochen gleich zehn Praktikantinnen und Praktikanten der Realschule auf dem Röddenberg den Arbeitsalltag von Automobilkaufleuten, Fachkräften für Lagerlogistik, Kfz-Mechatronikern, Fahrzeuglackierern und Mechanikern für Karosserieinstandhaltungstechnik praktisch nahe bringen. Alle Beteiligten stellten sich gern der Herausforderung. Und am Ende sollten beide Seiten zufrieden sein.

Am letzten Tag gaben Rüdiger Busch (Serviceleiter Audi-Betrieb) und Julia-Verena Brücke (Ausbildungsleiterin) einen Rückblick auf die vergangenen drei Wochen. Dass die Schülerinnen und Schüler die unterschiedlichen Bereiche des Autohauses kennenlernen, war dem Unternehmen ein großes Anliegen. Zum Abschluss des Praktikums gab es für jeden ein süßes Dankeschön für die geleistete Arbeit. „Ich hoffe, ihr konntet die Eindrücke sammeln, die ihr erwartet habt, um die richtige Entscheidung treffen zu können, was ihr lernen wollt“, so Rüdiger Busch.

Und die Praktikant/innen waren sich in dem einig, dass es sehr viel Spaß gemacht hat, in das sehr umfangreiche Angebot reinzuschnuppern. Während des Praktikums wurden auch die Bereiche gewechselt, um gleiche mehrere Berufe kennenlernen zu können. „Wir können viel für die Zukunft mitnehmen“. So kann sich der eine und die andere vorstellen, eine technische Ausbildung, zum Beispiel zum Fahrzeuglackierer, anzutreten. Denn auch wenn der Alltag im Betrieb ganz anders ist als in der Schule, sei es sehr interessant und vielfältig, einfach toll gewesen. 

Am Ende des Praktikums waren die Mädchen und Jungen traurig, dass die drei Wochen so schnell vergangen sind. Bei aller Unwegsamkeit ist der Spaß nicht zu kurz gekommen.
Rüdiger Busch betonte, dass es sehr wichtig ist, dass die jungen Menschen mal aus ihrem Schulalltag herauskommen. In der Zeit von Januar bis April konnten ca. 60 junge Schülerinnen und Schüler in virtuellen und Präsenz-Praktika den ersten Schritt in Richtung Zukunft gehen. Ausbildungsleiterin Julia-Verena Brücke freut sich über diese hohen Zahlen an interessierten Jugendlichen und lädt gern auch zu freiwilligen Praktika während der Schulferien ein.

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Angelina trat im Einkaufsladen in Verhandlungen mit den Kids

Fiona (li.) und Dajana (re) waren gerne in der Wartbergschule

Marilen Sindram hatte ab und an mit den Kindern einen Frisiersalon aufgemacht

Bastian Redecker war gerne in der Kita Förste

 

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