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07.10.2021

Die Gesellschaft für bedrohte Völker fordert eine Indigenisierung der Klimaschutzmaßnahmen


Svenja Peters (links) und Christoph Hahn von der Gesellschaft für bedrohte Völker setzten sich für die Rechte indigener Menschen ein. Ihre Rede wurde von einer Gebärdendolmetscherin simultan übersetzt

Bei der September-Klima-Demonstration in Göttingen wurde auch diese besondere Problematik indigener Völker thematisiert.

von Ralf Gießler

Göttingen) Kurz vor der Bundestagswahl im September gab es in vielen Städten Demonstrationen, die den Klimawandel und -schutz thematisierten, so auch in Göttingen. Allein in der Universitätsstadt zogen einige tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus verschiedensten gesellschaftlichen Gruppen und Organisationen durch die Stadt. Zielsetzung war es, auf die schon jetzt sichtbaren Gefahren des Klimawandels in Deutschland und weltweit hinzuweisen (wir berichteten).

Als eine dieser Gruppierungen ergriff die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) aus Göttingen das Wort, vertreten durch Svenja Peters und Christoph Hahn. Peters (zuständig für Regionalgruppen und Bürokoordination) und Hahn (Praktikant) benannten in ihrer engagierten Rede die großen Probleme indigener Völker. Sie seien ganz besonders von Klimaveränderungen betroffen: "Wenn wir von Klimaschutz sprechen, dann muss man von den indigenen Völkern dieser Erde sprechen." Im Oktober solle in Kunming ein Abkommen über die Erhaltung der Biodiversität verabschiedet werden. Dabei sei das Ziel, bis zum Jahr 2030 30 Prozent der weltweiten Flächen in Naturschutzgebiete umzuwandeln, um dadurch die Artenvielfalt zu erhalten.

"Das klingt im ersten Moment wahrscheinlich ziemlich cool, Flächen zu haben, wo der Mensch einfach gar nichts macht. Das Problem dabei ist aber, dass diese Maßnahme vor allem Indigene betreffen würde. Ihre Territorien weisen oft eine unglaubliche Artenvielfalt auf. 80 Prozent der weltweiten Biodiversität befinden sich auf indigenen Flächen. Da scheint es offensichtlich, dass diese Flächen schützenswert sind", bemerkten die zwei Aktivisten. Problematisch sei, dass das Verständnis des globalen Nordens von Naturschutz nicht zuließe, dass auf Naturschutzgebieten Menschen leben. Seit über 100 Jahren würden deswegen indigene Völker aus Naturschutzgebieten verdrängt. Dabei dürfe man nicht vergessen, dass es diese schützenswerten Flächen nur deshalb gebe, weil Indigene sie erhalten. Das Abkommen würde bedeuten, dass Millionen Indigene ihre Heimat verlassen müssten. Diejenigen, die diese Territorien über Jahrhunderte erhielten und pflegten, würden quasi als "Belohnung" verdrängt werden: "Damit wiederholen sich die kolonialen Verbrechen. An einigen Orten ist das bereits geschehen. Trotz des Labels "Naturschutzgebiet" werden dort auch Genehmigungen für Ressourcenabbau ausgestellt, was für eine Farce!"

Im vergangenen Jahr gab es zahlreiche tödliche Angriffe auf Umweltschutzaktivistinnen und -aktivisten. Angst um Leib und Leben gehörten zum Alltag: "Sichtbarkeit ist daher der beste Schutz für sie. Also folgt indigenen Klimaaktivistinnen und -aktivisten auf den Sozialen Kanälen, versucht ihre Lebensansichten zu verstehen und erzählt anderen Menschen davon", riefen Svenja Peters und Christoph Hahn unter Applaus in die Menge und forderten weiter: "2021 ist Deutschland nach mehr als 20 Jahren Diskussionen endlich der ILO-Konvention 169 beigetreten. Die Konvention ist sozusagen der Katalog an Grundrechten für Indigene. Bis jetzt wird bei der Biodiversitätskonvention der Artenschutz über den Schutz indigener Gemeinschaften gestellt. Der Schutz der indigenen Völker muss fester Bestandteil des Abkommens werden. Wir fordern eine Indigenisierung der Klimaschutzmaßnahmen!"

Peters und Hahn zogen ein positives Fazit des Aktionstages: "Als wir auf der Demo ankamen, waren wir überrascht über die Masse an Menschen, die da war. Da uns die Fridays-for-Future-Akteure direkt nach ihrer Eröffnungsrede sprechen ließen und unsere Rede zudem simultan in Gebärdensprache übersetzt wurde, konnten unsere Inhalte an dem Tag sehr viele Menschen erreichen, das freut uns sehr.“

Auch andere Mitstreikende, wie beispielsweise die Studentinnen Sophie Dix und Johanna Waubke, unterstrichen rückblickend nochmals die generelle Bedeutung des Klimaschutzes und der Demonstrationen: "Wir waren beim globalen Klimastreik in Göttingen dabei, weil es um nichts weniger geht, als unsere Lebensgrundlage zu erhalten. Es beeindruckte uns, dass so viele Menschen für eine ausreichende Klimapolitik demonstriert haben. Wir sprechen immer von "Klimaschutz", dabei geht es aber darum, uns selbst zu schützen, damit wir Menschen auch in Zukunft noch auf unserer Erde leben können."
Weitere aktuelle Informationen, auch zum Thema weltweiter Klimaschutz, sind auf der Homepage der Gesellschaft für bedrohte Völker zu finden unter www.gfbv.de.


Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Klimademonstration äußerten klare Statements, wie beipielsweise Christoph Hahn von der Gesellschaft für bedrohte Völker...

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...oder die Studentinnen Johanna Waubke (links) und Sophie Dix (rechts daneben)

 

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