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21.07.2021

Ministerpräsident Weil zu Besuch bei der Lebenshilfe in Herzberg


Ministerpräsident Stephan Weil (links) wird vom Geschäftsführer der Heilpädagogischen Einrichtung Lebenshilfe Herzberg in Empfang genommen

Der Landesvater zeigte viel Interesse für das vor kurzen gestartete Präventions-Modell-Projekt „Inklusive Frühförderung“.

...von Herma Niemann

Entwicklungsauffälligkeiten von Kindern sehr früh erkennen und für Eltern den Zugang zu einer Beratung und Behandlung einfacher gestalten. Das ist Ziel des Modellprojekts „Inklusive Frühförderung“. Es ist ein gemeinsames Projekt des Landkreises Göttingen, der Heilpädagogischen Einrichtungen der Lebenshilfe Herzberg gGmbH und der Hochschule Nordhausen.

Im Rahmen seiner kleinen Tour durch den Landkreis Göttingen, machte der Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, Stephan Weil (SPD), auch Halt bei der Lebenshilfe und ließ sich dort das Modellprojekt, das seit März läuft, erläutern. Der Entwickler und Leiter des Projektes Prof. Dr. Armin Sohns und der stellvertretende Projektleiter Prof. Dr. Andreas Seidel von der Hochschule Nordhausen berichteten, dass es aus verschiedenen Gesichtspunkten nötig sei, mehr für die frühe Förderung zu tun, um Chancengleichheit für alle zu garantieren.

Gerade die Unterschiede zwischen dem Bildungsbürgertum und dem sozial benachteiligten Milieu würden immer mehr dafür sorgen, dass die Schere bei der kindlichen Entwicklung immer weiter auseinander gehe, so Sohns. „Wir haben eine hohe Steigerung bei den kindlichen Entwicklungsauffälligkeiten. Leider ist der Knackpunkt bei den frühen Hilfen die Hochschwelligkeit, die behördliche Kontrolle und die Bürokratie“. Sehr interessiert, schaltete sich bereits an dieser Stelle der Ministerpräsident ein. „Das begegnet mir immer wieder. Wir sind hoffnungslos überreguliert und haben eine ausgeprägte Misstrauenskultur entwickelt“, so Stephan Weil. Aus diesem Grund setze das Modellprojekt niederschwelliger an, so Sohns weiter.

Nicht wenige Male habe Sohns gehört, dass die Eltern selbst nicht gemerkt haben wollen, dass mit dem Kind etwas nicht stimme. Wenn die Kinder bereits im Kindergarten seien, sei es schon ziemlich spät, die Auffälligkeiten ohne hohe Kosten durch Medizin, Eingliederungshilfen und Jugendhilfen in den Griff zu bekommen. „Wir können belegen, dass nur 20 Prozent der Kinder aus bildungsfernen Schichten bei der Schuleingangsuntersuchung die benötigte Reife haben, bei Kindern aus gebildeten Schichten sind es 66 Prozent“, betonte der Kreisrat und Sozialdezernent, Marcel Riethig. „Neben den ethischen Aspekten, darf man aber auch die wirtschaftlichen nicht vergessen“, ergänzte Seidel, denn je später man eingreife, umso teurer werde es für alle. „Die Einrichtung sollte nicht von den Problemen der Kinder profitieren, sondern von den Lösungsmöglichkeiten für die Kinder“, betonte Sohns.

Für das Modellprojekt steht ein interdisziplinäres Team bereit, das für die Kinder individuelle Angebote entwickelt und das sie dabei unterstützt, ihre Stärken und Fähigkeiten zu entfalten. Für jedes Kind wird ein individueller Plan entwickelt, der dann für alle nötigen Stellen gilt, natürlich mit Zustimmung der Eltern. Mit im Boot sind auch externe Experten, wie Kindergärten, Schulen, die Familienzentren, insbesondere auch Ärzte und Therapeuten, sowie Anbieter der Jugendhilfe. „Wann wissen Sie, dass sich das rechnet?“, fragte Weil, woraufhin Sohns das Vorzeigebeispiel aus dem Landkreises Nordfriesland nannte. „Der Landkreis hatte in Schleswig-Holstein die höchsten Kosten bei der Jugendhilfe. Nach zehn Jahren haben sich deutliche Erfolge gezeigt und auch die Strafauffälligkeiten gingen zurück“, so Sohns. Das Modellprojekt im Landkreis Göttingen läuft über drei Jahre. Riethig versicherte bei der Gelegenheit, dass man nach erfolgter Erfolgskontrolle nach drei Jahren, das Projekt dauerhaft im Landkreis Göttingen an den drei Einrichtungen für Frühe Hilfen erhalten werde. „Da stecken viele Schicksale dahinter, aber auch viele Summen“, sagte Weil, der um Zusendung des Konzeptes bat.

Der Geschäftsführer der Lebenshilfe, Uwe Dombeck, informierte über die Entstehungsgeschichte der Einrichtung. Entstanden sei die Lebenshilfe 1965 aus einem Elterninteressenverein. Seit 2009 sei die Lebenshilfe eine gemeinnützige Kapitalgesellschaft mit einem Jahresumsatz von 10 Mio Euro. In 2018 habe die Einrichtung durch strategische Fehlentscheidungen Verluste eingefahren. Diese Zeiten habe man jedoch gut überwunden. „Wir sind wieder sehr stabil unterwegs“, so Dombeck. 200 Mitarbeiter kümmern sich um rund 600 Familien im Altkreis Osterode. Die Lebenshilfe bietet Angebote wie die Schule am Kastanienplatz, den Heilpädagogischen Kindergarten, die Integrative Kindertagesstätte, den Sprachheil-Kindergarten, die Tagesgruppe Scharzfeld, Schulbegleitung, den Familien entlastenden Dienst, Familienpaten, das Familienzentrum, Frühe Hilfen und Physiotherapie.


Die Heilpädagogische Einrichtung Lebenshilfe am Kastanienplatz freute sich über den Besuch des Ministerpräsidenten Stephan Weil (Mitte)

v.l.: Kreisrat Marcel Riethig, Stephan Weil und Dr. Andreas Philippi

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Corona-Faust: Der Ministerpräsident Stephan Weil (links) wird vom Geschäftsführer der Heilpädagogischen Einrichtung Lebenshilfe Herzberg in Empfang genommen

v.l.: Der Projektleiter und Entwickler des Projektes Prof. Dr. Armin Sohns und der stellvertretende Projektleiter Prof. Dr. Andreas Seidel von der Hochschule Nordhausen

Der Landesvater Stephan Weil war sehr interessiert an den Modell-Projekt Inklusive Frühförderung in der Heilpädagogischen Einrichtung Lebenshilfe in Herzberg

v.l.: Kreisrat Marcel Riethig und Stephan Weil

 

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