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16.06.2021

„Chicken Wing“ nimmt alle zwei Tage ein Gramm zu


Nach acht Tagen im Brutkasten: Der Jungvogel mit Spitznamen „Chicken Wing“ bei der Fütterung mit Aufzuchtfutter

Familie Hausmann aus Windhausen päppelt ein aus dem Nest gefallenen Jungvogel auf

...von Herma Niemann

Wer dieser Tage mit offenen Ohren umhergeht, hört es aus Nistkästen, Hecken oder Bäumen lautstark zwitschern. Der Vogelnachwuchs hat mächtig Hunger und hält dabei seine gefiederten Eltern ziemlich auf Trab. Leider findet man hier und da aber auch kaputte Eier oder sogar nackte Vogelbabys am Boden liegen.

Einen noch lebenden Baby-Vogel mit noch keinem voll ausgebildeten Gefieder, hat Familie Hausmann aus Windhausen vor acht Tagen auf ihrer Terrasse gefunden. „Der kleine Kerl lebte ja noch, und wir konnten ihn nicht einfach sich selbst überlassen“, so Bernd Hausmann. Schnell bekam der Bruchpilot auch einen Namen, Tochter Leonie (17) taufte ihn auf den Namen „Chicken Wing“.

Die Familie vermutet, dass sich das Vogelnest oberhalb der Markise hinter einem Holzbalken am Haus befindet, und der Vogel wohl über die ausgefahrene Markise gerutscht und auf die Terrasse gefallen ist. Dahin zurück hätten sie „Chicken Wing“ auch nicht mehr bekommen. Nun galt es, schnell zu handeln. Leider brachten sämtliche Telefonate und Mails an offizielle Stellen, die sich das Vogelwohl auf die Fahne geschrieben haben, in der Region und im Netz keinen Erfolg. Unter anderem bekamen Hausmanns zur Antwort, man solle den Vogel in die Büsche werfen und den Rest würde die Natur erledigen. Hilfe erfuhren sie bei einem befreundeten Ehepaar aus Windhausen, Frank Werner und Renate Friedrich-Werner.

Frank Werner züchtet selbst Vögel, gab nützliche Tipps und half mit einem Vogelkäfig und Aufzuchtfutter aus. Von da an hieß es, den kleinen Kerl, der entweder eine Blaumeise oder eine Kohlmeise ist, warm zu halten. Im Internet fanden Hausmanns eine Anleitung für einen Brutkasten (Inkubator), und mit Hilfe eines Rotlichts konnten sie die Temperatur bei 35 bis 36 Grad halten. Ein Körnerkissen von unten, warme Tücher und ein feuchter Lappen sorgten somit für ein gutes Klima. Dennoch wurde bei dem kleinen Vogel zur Sicherheit mit einem Stirnthermometer regelmäßig die Temperatur gemessen. Zu warm durfte es ja auch nicht werden.

Zu Fressen gibt es Aufzuchtfutter über eine Spritze. Dieses Eifutter beinhaltet Ei, Honig und Kurkuma, wird etwas püriert und mit ein wenig Wasser angerührt, sodass es cremig wird. Alle halbe Stunde macht sich der Kleine bemerkbar und reißt seinen Schnabel weit auf, der dann fast größer aussieht als er selbst. Nach dem Sturz wog „Chicken Wing“ knappe acht Gramm, inzwischen wiegt er schon elf Gramm und auch sein Gefieder ist voller geworden. „Sämtliche Termine werden jetzt auf die Fütterungszeit abgestimmt“, so Nadine Hausmann. In der Beziehung ziehen aber alle an einem Strang, jeder ist mal dran mit füttern, dazu gehört auch der 13-jährige Sohn Henry.

Im Allgemeinen werden Jungvögel von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang regelmäßig in relativ kurzen Zeitabständen gefüttert. Es genügt, wenn die erste Fütterung um sechs Uhr morgens und die letzte gegen 22 Uhr am Abend erfolgt. Demnächst soll der Jungvogel auch langsam an festere Nahrung gewöhnt werden, wie Mehlwürmer und Garnelen. Und wenn alles gut geht, kann er bald in die Freiheit entlassen werden. „Seit zwei Tagen brauchen wir auch das Rotlicht nicht mehr“, freut sich Leonie „ich glaube 'Chicken Wing' ist auf einem gutem Weg“.


Die 17-jährige Tochter Leonie mit ihrem „Zieh-Vogel“ „Chicken Wing“

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Noch ziemlich nackt fand Familie Hausmann den Jungvogel auf der Terrasse

Seit zwei Tagen braucht der Jungvogel, der sich gut „gemausert“ hat, kein Rotlicht mehr

 

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