Regionales / Harz

06.04.2021

Seit 35 Jahren ein Gewinn für Kinder und Eltern


Ein Teil des Teams der Tagesgruppe Schildwache in Osterode: Lisa Katharina Schendler, Anja Schimschal, Karin Rösler-Brandt und Wilfred Hartmann (von links unten nach rechts oben)

Die Tagesgruppen der Evangelischen Jugendhilfe Oberharz des Stephansstifts feiern Geburtstag/Wegen Corona muss ein großes Fest leider ausfallen.

von Herma Niemann

Clausthal-Zellerfeld/Osterode. Eigentlich hätten am 1. April in Clausthal-Zellerfeld und in Osterode für die Erwachsenen die Sektkorken knallen und für die Kinder Luftballons und Spiele für Spaß sorgen sollen. Denn am 1. April 1986 eröffnete in Clausthal-Zellerfeld die erste Tagesgruppe der Evangelischen Jugendhilfe Oberharz Stephansstift mit zwei Mitarbeitern und vier Jungen. 35 Jahre Tagesgruppen, das ist eigentlich ein Grund zu feiern, wie der Pädagogische Leiter, Wilfred Hartmann, in einem Gespräch mit unserer Zeitung sagt.

Doch aufgrund der Corona-Krise müssen die Feierlichkeiten leider ausfallen. „Wir sind darüber auch sehr traurig“, so die Teamleiterin Karin Rösler-Brandt (Sozialpädagogin) „es hätte ein Fest von Kindern für Kinder werden sollen“. Zumindest aber wolle man den Kindern und Jugendlichen eine kleine Freude machen und zusammen grillen.

Wilfred Hartmann hat die Tagesgruppen von Beginn an mit aufgebaut. Die Tagesgruppe bietet jungen Menschen ab sechs bis 14 Jahre mit Entwicklungsverzögerungen, Lern- und Leistungsproblemen sowie Problemen im Sozialverhalten einen Verbleib in ihrem gewohnten Lebensumfeld der Familien. Nach der Schule kommen die Kinder in die Tagesgruppe und werden bis 18 Uhr betreut. Die pädagogischen Zielsetzungen dieser Maßnahme sind vielfältig, unter anderem sollen die Kinder über einen geregelten Tagesablauf Struktur und Orientierung erhalten.

Das anfangs noch „unbekannte Wesen“ Tagesgruppe, wie Hartmann es nennt, habe sich im Laufe der Jahre fachlich bewährt. Auf der einen Seite werden die Kinder von den pädagogischen Mitarbeitern begleitet und unterstützt, aber gleichzeitig werden auch die Eltern durch einen wertschätzenden Dialog in die pädagogische Arbeit eingebunden. „Wir arbeiten familienunterstützend, und die Kinder und Jugendlichen bleiben in ihrem gewohnten Sozialraum“, so Hartmann. Kurze Wege, zum Wohnort, zur Schule, zur Tagesgruppe, und das gewohnte Umfeld, das ist seit 35 Jahren ein Erfolgsrezept für Eltern und Kinder. Im Juni 1990 wurden die Betreuungsplätze in Clausthal-Zellerfeld auf neun erweitert und eine dritte Mitarbeiterin wurde eingestellt. Im August 1996 wurde die zweite Tagesgruppe eröffnet und im April 1988 dann die dritte in Clausthal-Zellerfeld. Im Februar 2001 eröffnete die Tagesgruppe in Osterode an der Schildwache, die in diesem Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum feierte (wir berichteten).

In den vier Tagesgruppen werden momentan 34 Kinder betreut. Alle Mitarbeiter erhalten in regelmäßigen Abständen Schulungen und Fortbildungen. Zudem finden in regelmäßigen Abständen intensive Elterngespräche statt. „Dieses Jugendhilfeangebot hat sich etabliert und die Wirkfähigkeit ist über Deutschlands Grenzen hinaus durch Studien belegt“. Aber die Corona-Krise mit ihren Unwägbarkeiten geht auch an der Arbeit der Tagesgruppen nicht spurlos vorüber. „Seit einem Jahr unter Corona – das ist wirklich eine herausfordernde Zeit“, so Hartmann. Trotz der gesundheitlichen Risiken für die Mitarbeiter arbeiten alle hochmotiviert weiter. Einmal pro Woche werden alle Mitarbeiter auf Corona getestet. Unter den jeweils geltenden Corona-Vorgaben, waren die Tagesgruppen inklusive der Zeiten der Notbetreuung durchgängig offen für die Kinder. Und das Angebot sei sehr gerne in Anspruch genommen worden.

„Gerade indem zweiten Lockdown, und als alle Schulen geschlossen waren, kamen zahlreiche Kinder in die Gruppe und es war zu spüren, wie wichtig den Kindern ihre sozialen Kontakte sind“, betont Rösler-Brandt. Das Problem aufgrund der allgemeinen Lebenseinschränkungen sei aber, den Kindern im Corona-Alltag auch Freizeitaktivitäten anzubieten. „Wenn Schwimmbäder und andere Freizeiteinrichtungen geschlossen haben, ist es schwierig, den Alltag attraktiv zu gestalten“, ergänzt Lisa Katharina Schendler (Erzieherin). Eine neue Aufgabe für die Mitarbeiterinnen war die Gestaltung des Homeschooling mit den Kindern und Jugendlichen. „Es ist wichtig, dass der Lernstand erhalten bleibt“, sagt die Erzieherin Anja Schimschal „und die Kinder haben gemerkt, dass sie bei uns einen ́roten Faden ́ finden, der Halt und Orientierung bietet“. „Wir sind Tagesgruppe, wir leben das, und diese Verlässlichkeit wissen auch die Kinder zu schätzen“, so Rösler-Brandt.


Vor fünf Jahren wurde in Clausthal-Zellerfeld das 30-jährige Jubiläum der Tagesgruppen der Evangelischen Jugendhilfe Oberharz mit einem bunten Programm gefeiert

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Schildwache in Osterode

 

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