Regionales / LK Göttingen

02.04.2021

„Ich wünsche mir, dass der frische Wind weiter weht“


Pastor Sebastian Habeck verlässt Lindau und Bilshausen

...KKHL  Mareike Spillner

Lindau/Bilshausen. Pastor Sebastian Habeck und seine kleine Familie verlassen die Gemeinden Katlenburg und Bilshausen. Es zieht sie nach Weiler zum Stein. Auch dort wird der Pastor für zwei Gemeinden zuständig sein. „Dort kann ich wohl gut von meinen Erfahrungen hier profitieren. Und wir freuen uns auf ein Pfarrhaus mit Garten“, sagt Sebastian Habeck mit einem Augenzwinkern. Zu den Gründen für seinen Weggang und seine Erfahrungen in den letzten drei Jahren spricht er im Interview.

Warum verlassen Sie die Gemeinden Lindau und Bilshausen?

Sebastian Habeck: „Ich habe zu der 1/2 Stelle eine Viertelstelle von der Hannoverschen Landeskirche geschenkt bekommen. Diese Zeit konnte ich nutzen, um für jüngere Gemeindeglieder Angebote zu erweitern. Dies wäre sonst zeitlich nicht möglich gewesen. 
Nun wird ein erheblicher Teil dieser Arbeit erfreulicherweise durch den neuen Diakon David Scherger übernommen und das Pfarramt somit sehr erfreulich entlastet.
Für unseren Weggang sprachen viele verschieden Gründe. Wir haben eine Stelle gesucht, die zu uns als Familie insgesamt passt und da war in Lindau das Matching nicht so gut, dass wir bleiben wollten.“

Was hat Sie in den letzten drei Jahren besonders geprägt?

Sebastian Habeck: „Es ist viel gewachsen. Drei Jahre sind eine kurze Zeit um 2 Gemeinden und 5 Dörfer kennenzulernen. Ich konnte miterleben, wie immer mehr Beziehungen gewachsen sind und sich die Gemeinden immer weiter modernisiert haben. Von der Umstellung des Gemeindebriefes auf Farbdruck, über die Anschaffung eines Beamers bis zur Ausstattung der Gemeinden mit Videotechnik.
Geprägt haben mich in der Zeit auch viele Diskussionen über die Chancen und Aufgaben der Kirche. Diese wurden mit großer Ernsthaftigkeit geführt. Und ich glaube, es hat sich manches Gute bewährt, was uns auch nach Corona noch zum Segen wird. Ein bisschen fühle ich mich an die Erfindung der Druckerpresse erinnert. Martin Luther hat diese genutzt, um seine Ideen zu verbreiten und den Menschen von Gott zu erzählen. Die Chancen des Internets und guter Technik scheinen mir hier erstaunlich ähnlich zu sein. Es war sehr schön, das mitzuerleben.“

Welches waren besonders schöne Momente?

Sebastian Habeck: „Besonders schön war es zu erleben, mit welcher Freude Menschen an gemeinsamen Projekten gearbeitet haben. Weihnachten haben wir einen Laster zum Weihnachtslaster umgebaut – hier wurden viel Zeit und andere Ressourcen gespendet. Der Laster, die Fahrer, der Auf- und Abbau. Die Freiwillige Feuerwehr Lindau hat uns begleitet und Licht und Strom zur Verfügung gestellt, Lampen haben wir aus Northeim geliehen. Das war schön. Und viele Menschen – Jung und Alt – waren sehr fröhlich und dankbar. Weihnachten habe ich noch nie so viele Menschen erreicht. Da wurde aus der Not eine Tugend gemacht.

Auch die Begrüßung war ein toller Start! Der Fanfarenzug hat ein sehr schönes Konzert gegeben, Die Feuerwehr hat Spalier gestanden, es wurde ein schönes Fest organisiert. Das ging gut los. Die Feste des Ortes habe ich sehr gerne mit gefeiert.

Sehr schön war auch, als ich beim Schlachter angesprochen wurde, wann ich denn den nächsten Onlinegottesdienst feiern würde. Da ist auch in Zusammenarbeit mit örtlichen Musiker*innen etwas Schönes entstanden, was mir große Freude gemacht hat. Beide Kirchenvorstände hatten den Mut, für technische Hilfsmittel Geld zu mobilisieren und so dafür zu sorgen, dass Wort und Musik bei Jung und Alt gut Gehör finden. Das hat mich sehr gefreut. Weder Weihnachten noch viele Gottesdienste wären ohne dieses Engagement gelungen.“

Wie haben Sie „Kirche in Corona-Zeiten" erlebt?

Sebastian Habeck: „Es ist gelungen, aus der Not eine Tugend zu machen. Gottesdienste wurden draußen gefeiert oder ins Internet übertragen. Wir haben neue Dinge ausprobiert und ich glaube damit auch eine enorme Modernisierung betrieben. Es ändert nichts daran, dass die Coronazeit schwierig ist und bleibt. 
Besprechungen und Elternabende waren über Videokonferenz auch komfortabler. Weite Fahrwege fielen weg – und man konnte sich besser sehen als sonst in größerer Runde. Den Sprecher/die Sprecherin hatte man ja groß auf dem Bildschirm. 

Die immer wieder neuen Vorschriften und Einschränkungen umzusetzen, war schon ein enormer Aufwand.“

Was möchten Sie „Ihren Gemeinden" noch mit auf den Weg geben?

Sebastian Habeck: „Ich wünsche den Gemeinden, dass Sie sich anstecken lassen. Ich habe erlebt, dass sich viele über frischen Wind freuen. Ich wünsche den Gemeinden, dass dieser frische Wind weiter weht. Die Gemeinden haben ein gutes Fundament. Ich wünsche Ihnen, dass sie eine*n Pastor*in bekommen, mit der/dem sie gerne und froh Gemeinde Gottes sind. 

Ich wünsche Ihnen, dass sich weiter viele einbringen und mit ihren Gaben das Leben der Gemeinde bereichern. Und ich wünsche den Gemeinden das Vertrauen, dass Gott in uns wirkt und die Gemeinde in die Zukunft führt.“

Verabschiedung

Der Verabschiedungs-Gottesdienst von Pastor Sebastian Habeck findet bereits am Ostermontag, 5. April, um 15 Uhr in Lindau mit Superintendentin Ulrike Schimmelpfeng statt. Der Gottesdienst wird online übertragen unter: www.Lindau-Bilshausen.de!

 

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