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12.05.2020

Urlaub über den Dächern von Lerbach


...von Petra Bordfeld

Hendrik Schmidt muss schmunzeln, bevor er eine Antwort auf die Frage gibt, warum er in Lerbach auf einer luftigen Fläche von 2500 m² vier Baumhäuser entstehen ließ, in denen ganze Familien Platz haben. Er, der beruflich in Stuttgart im Finanzwesen tätig ist, erinnerte sich bei einem Besuch seiner Familie in dem Oberharzer Tal- und Straßendorf, dass er als Kind auf dem elterlichen Gelände, was jetzt ihm gehört, Baumhäuser gebaut hat. Jetzt wollte er wesentlich größere errichten.

Die sollten aber nicht „nur“ für ihn und seine Frau Shyen, sondern auch für andere sein, die Spaß an dem recht komfortablen „Zurück zur Natur“ haben. „Es sollten Objekte mit einer ganz besonderen Anziehungskraft werden“.

Doch bevor das Stelzenhaus „Glashaus“, die Baumhäuser „Bergahorn“ und „Hainbuche“ und das „Hilltop House“ realisiert werden konnten , mussten erst einmal Fachkräfte gefunden werden, die halfen, diese Idee Realität werden zu lassen.
Die Herausforderung war es, die Häuser in die Bäume zu planen, den Abstand und die Stabilität zu gewährleisten und dabei die betroffenen Bäume möglichst nicht zu verletzen. Aber es galt auch einen Stadtplaner zu finden, der den Bebauungsplan ausarbeiten sollte, damit Planänderungen bei der Stadt Osterode beantragt anschließend der Bauantrag beim Landkreis Göttingen gestellt werden konnten. Alle drei Schritte auf dem Weg zu den Baumhäusern konnten problemlos gemeistert werden.

Dazu beigetragen hat unter anderem auch Architekt Petermann aus Bad Lauterberg , der dem B-Plan eine außergewöhnliche und überzeugende 3-D-Grafik angehängt hatte. „Denn wie sollte man anhand einer normalen Zeichnung erkennen, dass sich die Häuser in den Bäumen befinden werden?“, so Hendrik Schmidt
Als die Landesforst von diesem Vorhaben hörte, was auf dem Waldstück entlang der Felswand entstehen sollte, tauchte die Frage auf: „Meint ihr das ernst?“ Gespräche und Zeichnungen brachten eine überzeugende Antwort heraus. Auch die Behörden seien diesem Vorhaben mit offenen Ohren und Augen begegnet, sodass es fast keine Probleme gab.

Die Problematik war anfangs der vorgeschriebene Fluchtweg. Doch weil auch die Ortsfeuerwehr Lerbach neugierig war, machte man sich gemeinsam auf den Weg. Da es in den Häusern mehrere Türen gibt, durch die man schnell nach draußen und auf Pfade kommt, die nach unten führen, konnte man auch bei diesem wichtigen Thema für Entspannung sorgen. Sie freut sich übrigens schon darauf, dort eine ihrer Übungen durchführen zu dürfen.

Shyen und Hendrik Schmidt erinnern sich gerne an den ersten Spatenstich, der direkt nach der Genehmigung des Bauantrags erfolgte,.
Danach bestand die Hauptarbeit darin, zu erkunden, wie die Bäume in die Häuser integriert werden konnten, ohne dass sie weichen mussten. Denn zwei Stämme stehen nicht am, sondern im Haus. Also wurde mittels Dachlatten ein Modell der Baumwelt erstellt. So konnte man sich die Formate besser vorstellen, als auf den Zeichnungen. Außerdem gelang es so auch, die Abstände zwischen den Bäumen einzuhalten. Schließlich mussten zwischen den Objekten und sechs Meter Abstand in der Horizontalen eingehalten werden. „Das ist am Berg nicht immer einfach“, schmunzelte Hendrik Schmidt.

Weiter mussten den zukünftigen Bewohnern Wege zu den Häusern ermöglicht werden. Denn am Baum hochklettern wäre wohl etwas zu anstrengend gewesen. So wurden in das felsige Berggestein Wege reingehauen, die sich zu interessanten, aber  nicht steilen Treppen entpuppen sollten.

Da echte Baumhäuser aus Holz bestehen, galt es erst einmal das Material zu besorgen. Ein Teil davon kam aus Bayern. Da am Ende doch mehr von diesem Naturmaterial benötigt wurde, als berechnet, machte sich Hendrik Schmidts Vater Eckhard auf den Weg zu dem Betrieb, wo er das Holz abholen konnte. „Damit haben wir die Transportkosten eingespart, und ich konnte mal einen Tag Urlaub machen“, so Eckhard Schmidt.

Fachmännisch verbaut hat die Firma Hesse aus Badenhausen die tragenden Teile des Holzrahmenbaus. Vieles andere machten die drei Schmidts alleine. Ob das nun der Bau von Möbeln der unterschiedlichsten Art, der Erwerb und das Anbringen von Kacheln oder das Einsetzen der nicht gerade wenigen Fensterscheiben war. Weitere Unterstützung bei Tischlerarbeiten erhielt die Familie von der Tischlerei Matthias Koch aus Osterode. Auch die Planung der Heizungsanlage war sehr aufwendig, da die Häuser mit Fernwärme-Leitungen zentral vom Haupthaus versorgt werden. In Zusammenarbeit mit Firma Frank Lange Heizungsbau aus Nienstedt, konnte die Anlage realisiert werden, und über die Fußbodenheizungen in den Gebäuden gibt es eine wohlige Wärme.

Nach gut zwei Jahren, im Januar diesen Jahres, war die Bauzeit größtenteils beendet und drei Häuser bezugsfertig. Nicht nur die Gebäude, sondern auch der Blick aus selbigen ist einfach faszinierend. Genau das fanden die ersten Gäste, die übers Internet www.resina-arts.de auf die Baumhäuser in Lerbach aufmerksam geworden sind.

Doch mit Beginn der Corona-Pandemie mussten Shyen und Hendrik Schmidt die Türen ihrer Häuser schließen, die schon für lange Zeit ausgebucht waren. Allerdings kündigten nicht alle Interessenten ihre angedachte Mietzeit auf, sie verschoben diese in eine hoffentlich corona-freie Zeit.


Vater Eckhard Schmidt neben dem Saunaofen

Blick auf die gesamte Baumhäuser-Anlage.

Treppen verbinden die Häuser miteinander.

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Blick von unten auf das Bergahorn-Haus.


Shyen und Hendrik Schmidt vor den integrierten Bäumen im Bergahorn-Haus.

Blick auf Lerbach - von den Baumhäusern aus.

Dieser Baum musste dem Häuserbau nicht weichen.

 

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