Politik

13.05.2017

Keine Zwei-Klassen-Medizin zulassen


Karl Lauterbach, Thomas Oppermann, Andreas Philippi und Doris Glahn diskutierten im Schloss Herzberg über Medizin der Zukunft

von Christian Dolle

Immer weniger Ärzte wollen in die ländlichen Regionen, vom Personalmangel in der Pflege ganz zu schweigen. Gerade in demografisch alten Regionen machen sich viele Menschen Sorgen um ihre zukünftige medizinische Versorgung. Dabei ist das deutsche Gesundheitssystem eigentlich hervorragend, so belegen Statistiken und bezeugen Fachleute – zumindest noch.

Prof. Dr. Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD, Doris Glahn, Abteilungsleiterin im Klinikum Kassel und Landtagskandidatin in Duderstadt, sowie Dr. Andreas Philippi, Facharzt für Chirurgie und stellvertretender Landrat, wurden vom Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, ins Schloss Herzberg eingeladen, um über die Medizin der Zukunft zu diskutieren. Der Hauptvortrag kam von Karl Lauterbach, der nach Oppermanns Eingangsworten mit einem Seitenhieb auf Donald Trumps Abkehr von „Obamacare“ zunächst einmal feststellte: „Von Amerika kann man wenig lernen, was Solidarität angeht, wohl aber eine Menge über medizinische Entwicklungen.“

Letztere werden nämlich in den kommenden Jahren immer wichtiger werden, die Medizin werde „verwissenschaftlicht“ und dadurch bestehe die Gefahr einer Zwei-Klassen-Medizin, die sich dann viele nicht mehr leisten können. Um dem entgegenzuwirken wolle die SPD Arbeitgeber, die ja schließlich auf gesunde Mitarbeiter angewiesen sind, deutlich stärker in die Pflicht nehmen, Gesundheit mitzufinanzieren, was derzeit aber die CDU verhindere.

Kein Kostenproblem

Neben solche Aussagen, die eher Wahlkampf als Information boten, stellte Lauterbach aber auch einige Fakten zur derzeitigen politischen Sichtweise auf Medizin und Pflege dar. „Das deutsche Gesundheitssystem hat zum gegenwärtigen Zeitpunkt kein Kostenproblem“, sagte er. Zudem gebe es genug Fachärzte, Mangel sei nur bei den Hausärzten festzustellen. Hier müssten Gesetze die Fehlverteilung zwischen Stadt und Land regulieren.

Problematisch sei, dass in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland zwar etwa 10 000 Ärzte aufgestockt wurden, dafür aber 30 000 Stellen in der Pflege abgebaut wurden, weil Ärzte als Investitionen, Pflegekräfte aber vor allem als Kostenfaktoren betrachtet würden. Auch das sei ein ständiger Konflikt zwischen seiner Partei und der CDU.

In der anschließenden Diskussion sprachen sich Glahn und Philippi deutlich für einen Erhalt von Krankenhäusern in ländlichen Regionen aus, da diese eben vor Ort immens wichtig sind. Doch was ist mit dem Fachkräftemangel hier, wenn es Ärzte ausschließlich in die Städte zieht, kam eine Frage aus dem Publikum. Eine wirklich befriedigende Antwort darauf gebe es nicht, eventuell müsse man die Zahl der Studienplätze in der Medizin erhöhen, waren sich Oppermann und Lauterbach einig, doch das ist teuer und deshalb wurden sie in diesem Vorschlag bisher überstimmt.

Bundesmittel für Schlosserhaltung

Auch in einem ganz anderen Punkt waren sich die beiden Bundespolitiker einig. Sie hatten nämlich zuvor eine exklusive Schlossführung bekommen, was Thomas Oppermann zu dem Versprechen verleitete, er werde sich sehr dafür einsetzen, dass die sieben Millionen Euro des Landes für die Schlosserhaltung seitens des Bundes verdoppelt werden. „Es ist ein Denkmal, das auch die Finanzkraft des Bundes erfordert“, sagte er und Lauterbach versprach, ihn in seinem Vorhaben zu unterstützen, denn auch ihn habe das Schloss sehr beeindruckt.

Grundsätzlich, so klang es am Ende noch einmal an, könne dem Fachkräftemangel in ländlichen Regionen ebenso dadurch vorgebeugt werden, dass nicht nur die Arbeitsbedingungen, sondern auch die Attraktivität der Region an sich verbessert werde. Wenn der Abend insgesamt wenig konkrete Lösungen aufzeigte, so war er immerhin ein klares Bekenntnis zur Region, an das sich alle Beteiligten hoffentlich auch nach der Wahl noch erinnern.


Doris Glahn, Karl Lauterbacht und Thiomas Oppermann zeigten sich von der Schlossführung beeindruckt

Karl Lauterbach hielt den Hauptvortrag

Dr. Andreas Philippi

Die Redner sprachen sich dafür aus, Krankenhäuser in läandlichen Regionen zu erhalten

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