Sport

10.09.2019

In Maßen gewünscht und erlaubt: essen, bewegen, genießen


Die Frauen der Reha-Sportgruppe des MTV Herzberg hatten ein reichhaltiges Buffet vorbereitet

Die Reha-Sportgruppe des MTV Herzberg feierte ihr zehnjähriges Jubiläum im Familienzentrum

...von Herma Niemann

Sehr herzlich und familiär ging es zu. Zur Begrüßung wurde sich umarmt und in gemütlicher Stehrunde ein Glas Sekt gereicht. Die Frauen kennen sich aus den Zusammentreffs der Onko-Cafés und aus der Reha-Sportgruppe für Frauen nach einer gynäkologischen Krebserkrankung des MTV Herzberg. Zehn Jahre besteht diese Gruppe unter der Leitung von Marion Utermöhlen, und feierte am Mittwoch ihr Jubiläum im Familienzentrum in Herzberg.

Die Feier war verknüpft mit einem Informationsabend über den Umgang mit einer Krebserkrankung und darüber, wie ein bewusstes Leben durch Bewegung und Ernährung die Folgen der Erkrankung positiv beeinflussen können. Die Sport begleitende Ärztin, Dr. med. Marie-Luise Ladiges war auch die Referentin an dem Abend. „Bewegen, essen, genießen. Tun Sie, was Ihnen gut tut“, so Ladiges. Besonders wichtig sei, sich während und nach der Erkrankung zu bewegen. Noch vor Jahrzehnten habe man fälschlicherweise gesagt, man solle sich schonen. Erste Pioniere, die dazu aufriefen „aufzustehen statt sitzen zu bleiben“ seien belächelt worden. Studien hätten allerdings erwiesen, dass das Risiko steige, wenn man inaktiv sei. Das gelte für viele chronische Erkrankungen, so Ladiges. „Körperliche Aktivität ist wie ein Medikament“. Wer seich regelmäßig in seinem Rahmen der Möglichkeiten bewege, senke das Risiko um bis zu 25 Prozent.

Die Bewegung, dazu gehöre auch der Sport in der Gruppe, habe auch durch das Miteinander und den Austausch einen positiven Effekt auf die Seele. Durch soziale Kontakte würden auch Ängste und Traurigkeit abgebaut. Weiter betonte die Ärztin, dass es nicht stimme, dass körperliche Aktivität, Massagen und Saunabesuche Metastasen fördern würden. Weiter ging Ladiges auch auf die Ernährung ein. Eine spezielle Krebsdiät gebe es nicht, dennoch könne man seinen Körper mit dem richtigen Gemüse und Obst unterstützen. Viel pflanzliches und wenig Fleisch seien empfehlenswert. Besonders wichtig seien dabei Obst und Gemüse, das die sogenannten sekundären Pflanzenstoffe beinhalte. Milchprodukte sollten möglichst fettarm oder aus Bio-Anbau sein. Große mengen Zucker, wie auch Alkohol sollten vermieden werden. Aber im leben ginge es ja auch um den Genuss, so Ladiges, deswegen seien kleine Mengen in Form von zum Beispiel Rotwein erlaubt. Es komme halt immer auf das richtige Maß an, so Ladiges. Und den Genuss konnten die Teilnehmerinnen am Ende des Vortrages selbst ausprobieren. Denn die Frauen der Reha-Sportgruppe hatten neben einer reichlichen Auswahl an Getränken auch ein gesundheitsbewusstes und leckeres Buffet mit selbstgebackenem Brot, Salaten, Brotaufstrichen und Nachtisch gezaubert.

Etwa 80 bis 90 Frauen hätten inzwischen an diesem Sport teilgenommen, so Marion Utermöhlen. Die Sportstunde beinhalte ein moderates Ausdauertraining, spezielle Funktionsgymnastik, gezielte Entstauungsübungen bei bestehenden Lymphödemen sowie verschiedene Entspannungsübungen. Trainiert werde auf dem Hocker oder auf der Matte. „Ganz wichtig dabei: Die Erkrankung steht nicht im Vordergrund. Sondern Spaß haben und mal lachen“, so Utermöhlen. Auch finden regelmäßig Gespräche unter Frauen statt, das sei ein ganz wichtiger Gedankenaustausch vor und nach einer Sportstunde. Persönlich sei ihr wichtig gewesen, zu sagen, dass man die Krebserkrankung annehmen, aber trotzdem positiv denken solle, so die Übungsleiterin.

Die Reha-Sportgruppe findet einmal wöchentlich statt. Im Rahmen der ambulanten Krebsnachsorge wird dieser Sport vom Arzt verordnet und läuft über 18 Monate. Weitere Informationen bei Marion Utermöhlen unter der Telefonnummer 0151/41856823.



Dr. Marie-Luise Ladiges, Ulrike Kopp, Petra Graunke und Marion Utermöhlen

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Dr. Marie-Luise Ladiges und Marion Utermöhlen bei der Begrüßung zum Informationsabend zum Umgang mit einer Krebserkrankung

 

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