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04.09.2019

Den lautlosen Jägern am Iberg auf der Spur


Mit dem Detektor konnte man die Fledermäuse schon hören, bevor man sie sehen konnte

Internationale Bat-Night im und um das Höhlenerlebniszentrum/ Besucher konnten schlafende und aktive Fledermäuse beobachten

...von Herma Niemann

Liebenswürdig anstatt gruselig. Schon längst haben die Fledermäuse ihr unberechtigt schlechtes Image verloren. Leider sind jedoch viele Fledermausarten vom Aussterben bedroht. Und deshalb hatte der NABU zur inzwischen 23. Internationalen Bat-Night eingeladen, damit interessierte Besucher die Insektenjäger in ihrem Territorium hautnah erleben konnten.

Auch das Höhlenerlebniszentrum Iberger Tropfsteinhöhle (HEZ) war mit dabei, nutzen dort doch zahlreiche Fledermäuse die Schauhöhle und die Stollen rund um den Iberg als Quartiere und die umliegenden Wälder als Jagdreviere. Die Bat-Night begann schon am späten Nachmittag, da konnten sich die Kinder mit einer Bastelaktion rund um Fledermäuse auf die bevorstehende Veranstaltung vorbereiten. Anschließend gab es eine sehr informative Einführung von der Ökologin Annika Schröder (Nationalpark St. Andreasberg). Weltweit gebe es rund 1200 Arten der Fledermäuse, die zu den Säugetieren gehören.

Die meisten Arten bevorzugen jedoch wärmere Regionen wie die Tropen, wie Schröder erklärte. Zum Vergleich, im Europa gibt es rund 50 Arten, in Deutschland 24 und im Harz nachgewiesene 21 Arten. „Wir haben eine hohe Artenvielfalt von Fledermäusen im Harz“, verdeutlichte die Ökologin, die von der faszinierenden Art ihrer Orientierung berichtete. „Sie schaffen sich Hörbilder durch die Echo-Ortung“. Dabei wollte sie eigentlich auch dem Gerücht ein Ende machen, dass Fledermäuse in die Haare fliegen würden. Auf humorvolle Art wurde leider nichts daraus, da ein Mädchen von einem Vorfall berichtete, der ihrer Mutter widerfahren sei. Das käme so gut wie nie vor, das sei vielleicht eher ein verpatztes Flugmanöver gewesen, entgegnete die Ökologin. Hören könne man im Übrigen die Soziallaute der Tiere, wenn sie innerhalb der „Familie“ mit ihren Jungen kommunizieren, das höre sich wie „Mäusepiepsen“ an. Die Jagdlaute hingegen könne man nicht hören, da sie sich in einem anderem Kiloherz-Bereich abspielen würden. Was vielleicht nur die Wenigsten wissen ist, dass die Fledermäuse eine besonders energieschonende Art der Fortpflanzung verfolgen.

Die Tiere halten rund fünf Monate Winterschlaf, was ihnen viel Energie abverlange, da sie sämtliche Körperfunktionen auf das Minimum reduzieren. Die Paarungszeit beginne jedoch im September. Weil dieser Vorgang allerdings noch nicht komplett erforscht sei, vermuten die Forscher, dass die Spermien im weiblichen Tier in einer Art Tasche eingelagert werden bis zum Frühjahr. Die embryonale Befruchtung erfolge durch den Hormoneinschub im Frühjahr. Schröder ging auch auf die Gefahren für die Fledermäuse ein. Dazu zählen die Windkraftanlagen, aber auch die intensive Landwirtschaft, wodurch es immer weniger Insekten als Nahrungsgrundlage gebe.

Zeitgleich war auch der NABU Osterode rund um den Iberg unterwegs, um seine alljährliche Zählung der nächtlichen Flugkünstler durchzuführen. Wolfgang Rackow (Fledermausbeauftragter) kam kurz zu der Veranstaltung im HEZ dazu und berichtete über die wichtige Aufgabe dieses Monitorings. Dadurch, dass die Fels-Werke vor Jahren rund zehn Hektar des Iberges zugesprochen bekamen, seien zwei Winterquartiere der Fledermäuse verloren gegangen. Im Jahr 2014 habe man deshalb begonnen, die Tiere zu markieren, mit finanzieller Unterstützung der Fels-Werke. Rund 60 Höhlen gebe es rund um den Iberg, die teilweise bis zu zehn Kilometer lang seien, so Rackow. Die weiteste Entfernung, die eine Fledermaus zurückgelegt habe, sei von Stralsund gewesen. Man wisse das deshalb so genau, da inzwischen schon viele Fledermäuse in den Zentralen Bonn und Dresden registriert seien. Einen besonders schönen Lebenslauf einer sieben Jahre alten Fledermaus habe man dadurch kennen gelernt. Diese werde nämlich seit sieben Jahren einmal im Jahr bei der Registrierung gefangen. Das Fangen sei im Übrigen ungefährlich für die Tiere, so Rackow.

Für die Teilnehmer ging es anschließend mit der HEZ-Mitarbeiterin Sylvia Fröhlich zunächst durch die Schauhöhle. Dort konnten zwar mittels des Detektors keine Flugaktivitäten verzeichnet werden, aber dennoch wird dieser für die Gäste exklusive Rundgang wohl lange in Erinnerung bleiben. Denn, eine Fledermaus hat sich anscheinend schon seit vielen Jahren einen eher sehr exponierten Platz für die Nachtruhe ausgesucht. Die Gruppe verhielt sich so ruhig wie möglich, da man das Tier nicht stören wollte. In dem Zusammenhang erklärte die Ökologin auch, dass Fotoaufnahmen, ob mit oder ohne Blitz, die Tiere durch die Geräusche der Kamera stören. „Ich finde es sehr gut, dass Sie hier das Fotoverbot für Gäste durchsetzen“, so Schröder zu der Museumsleiterin Ortrud Krause. „Das war eine sehr spannende und informative Veranstaltung“, sagte Ute Ahnendorp. Die Kölnerin war gerade auf Heimaturlaub im Harz und war begeistert, dass sie auch viele neue Informationen über die Fledermäuse erhalten habe. Spannend, nicht nur für die Erwachsenen sondern besonders für die Kinder, war der Rundgang durch den Wald mit dem Detektor. Pünktlich zum Sonnenuntergang zeigten sich die lautlosen Jäger und demonstrierten ihre Flug- und Jagdkünste. In dem bewusst länger beleuchteten Licht des HEZ hatten die Fledermäuse viel Erfolg auf ihrer nächtlichen Beutesuche.


Die Besucher hatten Glück und konnten eine schlafende Fledermaus in der Tropfsteinhöhle sehen

Ökologin Annika Schröder (links) und HEZ-Mitarbeiterin Sylvia Fröhlich informierten die Teilnehmer über das Leben der Fledermäuse

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Für die Kinder gab es eine Bastelaktion rund um die Fledermaus

 

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