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02.09.2019

„Jeder kann was für die Bienen tun“


Oliver Zeisberg und Carola Schmitz mit Hund Dante in ihrer grünen Idylle

Oliver Zeisberg aus Förste ist seit diesem Jahr ambitionierter Imker / Sein Traum: Workshops zum Thema Bienenzucht und die Wichtigkeit der Bienen in der Nahrungskette

...von Herma Niemann

Förste. Ein Staketenzaun umsäumt das Haus, meterhohe Sonnenblumen und Hibiskus-Büsche nehmen den Besucher am Gartentor in Empfang. Alleine schon optisch hebt sich das Grundstück in der „Sülte“ in Förste von den anderen ab. Hinter dem Einfamilienhaus ist die eigentliche Idylle, das Grundstück ist angelegt als Bauerngarten.

Ein Wohlfühlort auf rund 1.000 Quadratmetern. Hier stehen ein Apfel- und ein Birnbaum, dazu gesellen sich zahlreiche Grün- und vor allem Blühpflanzen, Polsterstauden, Phlox, Stockrosen, Wasserdost, Hibiskus und Kräuter, wie Kamille und Pfefferminze.

Hier ist das Zuhause von Carola Schmitz, Oliver Zeisberg und ihrem Hund Dante, ein Landseer. Das sind aber nicht die einzigen Bewohner, denn seit Anfang des Jahres sind in dem Garten auch acht Bienenvölker eingezogen. Seine Bienen sind eine Mischung aus Buckfast und Carnika Bienen. Die Königinnen sind standbegattet, das heißt, die Königin wird von rund 20 Drohnen befruchtet, das geschieht im Flug vor der Beute. Der 41-jährige Oliver Zeisberg hat seinen Imkerschein schon vor drei Jahren absolviert, aber erst jetzt die Zeit gefunden, um sich diesen Traum zu erfüllen. Von klein auf sei die Imkerei sein Traum gewesen, bereits sein Vater und sein Großvater seien diesem Hobby nachgegangen. „Ich war schon als Kind sehr naturverbunden und außerdem esse ich gerne Honig“. Eigentlich sei die Imkerei nicht sehr zeitaufwendig, nur zu bestimmten Zeiten.

Ein Bienenvolk besteht aus rund 40.000 bis 60.000 Bienen. „Wenn das meine Nachbarn wüssten, wären die darüber bestimmt nicht glücklich“, so Zeisberg humorvoll. Die Bienenstöcke befinden sich jedoch nur rund zehn bis 15 Meter Luftlinie von der Terrasse entfernt. „Und dennoch können wir hier problemlos unseren Kuchen essen und werden nicht belästigt. Bienen sind, außer in bestimmten Notsituationen, nicht aggressiv“. Zwar sei die Imkerei grundsätzlich nicht sehr zeitintensiv, dennoch gebe es Phasen, in denen schon viel zu tun sei.

Für das Frühjahr, wenn die Temperaturen steigen und die Bienen den ersten Pollen sammeln können, beginnen die Völker verstärkt zu brüten. Bei der ersten Kontrolle der Völker in dieser Zeit müssen tote Bienen entfernt und eventuelle schwache Völker mit Zuckersirup zugefüttert werden. Ansonsten gelte es, die Bienen in Ruhe gedeihen lassen. Ab Ende April müssen dann einmal wöchentlich die Völker kontrolliert werden, denn dann beginnt die Schwarmzeit. Das kann manchmal pro Volk bis zu einer Stunde dauern. Jetzt können Ableger von den Völkern gebildet werden. Zudem müssen die Bienen am Schwärmen gehindert oder die Schwärme wieder eingefangen werden. Ende Mai oder Anfang Juni kommt dann die erste große Honig Ernte. „Das kann je nach Völkeranzahl auch schon einen ganzen Tag dauern“.
Im Sommer wird meistens Ende Juli das letzte mal geerntet.

Lediglich besondere Honige wie Sonnenblumen-, Wald- und Heidehonig werden später geerntet. Die Bienenvölker habe ihren Höhepunkt schon Mitte Juli erreicht, anschließend nimmt die Volksstärke wieder ab. Jetzt ist auch die Zeit der ersten Varroa-Bekämpfung, da der Parasit zu dieser Zeit auch sehr stark geworden ist. Im August und dann im September werden die Bienen deshalb mit Ameisensäure behandelt. Die Bienen müssen in dieser Zeit auch zugefüttert werden, damit sie den Winter gut überstehen.

Ruhe im Bienenstock gibt es erst ab dem Herbst. Im Oktober müssen höchstens noch die Jungvölker überprüft werden. Die Arbeiten verlagern sich dann eher ins „Imkerlager“. Dazu gehören das Reinigen der Arbeitskittel und den Nachschub bei den Mittelwänden-Rähmchen, Zargen oder Beuten zu besorgen oder herzustellen. Im Winter sitzen die Bienen eng zusammen in der Wintertraube. „Sie halten keinen Winterschlaf, sondern sind putzmunter und damit beschäftigt sich gegenseitig zu wärmen“, so Zeisberg. Dafür liefern ihnen die Honigvorräte die notwendige Energie. Das einzige, was dann noch zu tun sei, ist eine nochmalige Behandlung gegen die Varroamilbe im Dezember, das aber nur bei stark befallenen Völkern. Doch die Arbeit lohnt sich. Erntet man als Imker doch ein reines Naturprodukt: den leckeren Honig. Unter Frühtracht versteht man den Honig aus dem Nektar der Frühjahrsblüten. Die Tracht setzt sich aus dem Nektar der frühblühenden Pflanzen zusammen: Obstblüten, Löwenzahn, Schlehen und frühblühende Wiesenblumen sowie Frühblüher der Wälder. Im Spätsommer, eigentlich Mitte August, wird die Sommertracht geerntet. In diesem Jahr sei dies allerdings bereits im Juli der Fall gewesen.

Das Wetter habe dabei eine immense Rolle gespielt. Durch die sommerlichen Temperaturen, die in diesem Jahr bereits sehr früh vorhanden waren, blühte die Natur auch viel eher. Sterile Gärten und Mäh-Roboter. Das tue der Natur und der Nachhaltigkeit nicht gut, so Zeisberg. „Jeder kann etwas für Bienen tun, sie sind schließlich für unseren Naturkreislauf mit die wichtigsten Lebewesen“. Es genüge ja schon, eine Ecke seines Gartens bienen- und insektenfreundlich anzulegen, indem man auch mal der „kontrollierten“ Wildnis den Raum lasse. Wichtig sei hier zu beachten, dass man Bienen besonders viele Blumen mit offenen Blüten anbiete. Auch könne man eine Ecke des Gartens mit sogenanntem Totholz versehen, das sei auch ein bevorzugter Ort für Insekten. Zeisberg ist in Förste einer von neun Mitgliedern des Imkervereins Osterode. Sein betreuender Pate ist Andreas Vihs, dem er viel verdanke.

Wegen ihrer Bestäubungsleistung ist die Honigbiene nach Rind und Schwein weltweit das drittwichtigste Nutztier in der Landwirtschaft. Obstbäume, Wiesen und Blumenvielfalt, das sei ein wichtiger Lebensraum, betont Zeisberg. Ein Traum von ihm ist noch, Workshops für Kinder, Jugendliche, aber auch für Erwachsene anzubieten. „Heutzutage entfernen sich die Menschen immer weiter von den natürlichen Abläufen. Es wäre schön, wenn man die Natur den Menschen wieder näher bringen könnte“.

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Die acht Bienenvölker wohnen am Ende des Gartens

Jeder Gast bekommt eine Kostprobe des leckeren Naturprodukts

 

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