Kultur / DKKD 2019

27.08.2019

DKKD: Wie die schöne Scheherezade den Sultan zähmte


Claudia Ott und Almut Mackensen (von links) im Gespräch über die Entstehung von „1001 Nacht“

Beeindruckende Lesung im Ratssaal mit Claudia Ott/Zuschauer erfuhren auch Interessantes über die Entstehungsgeschichte des orientalischen Klassikers

...von Herma Niemann

Wasserpfeifen, Dromedare, gewirkte Stoffe. Dazu typisch orientalische Musik. Es war ein interkultureller Abend am vergangenen Mittwoch im Ratssaal in Osterode. Anlässlich der Lesung „Tausend-und-eine-Nacht“ im Rahmen des DenkmalKunst-KunstDenkmal-Festivals (DKKD) war auch das Bühnenbild von den Künstlern Nasim Kasem und Aiman Aldarwish liebevoll authentisch gestaltet, sodass es dem Publikum leicht viel, in die märchenhafte Geschichte um den verletzten Sultan und der schönen Sheherezade einzutauchen.

In einer szenischen Lesung ließ die Übersetzerin Claudia Ott die Figuren vor dem geistigen Auge entstehen. Ruhig, besonnen und detailverliebt schilderte Ott die sagenumwobenen Begebenheiten. In diesem Märchen für Erwachsene geht es um den König Schahriyâr, der so schockiert ist von der Untreue seiner Frau, dass er sie töten lässt und seinem Wesir die Anweisung gibt, ihm fortan jede Nacht eine neue Frau zuzuführen, die jeweils am nächsten Morgen ebenfalls umgebracht wird. Nach einiger Zeit will Sheherezade, die Tochter des Wesirs, die Frau des Königs werden, um das Morden zu beenden. Sie beginnt, ihm Geschichten zu erzählen, die sie am Ende der Nacht stets an einer so spannenden Stelle beendet, dass der König unbedingt die Fortsetzung hören will und die Hinrichtung aufschiebt.

Die Märchen aus „1001 Nacht“ sind aus der Weltliteratur nicht mehr wegzudenken. Und dennoch wissen wahrscheinlich nur die Wenigsten, wie dieses Werk zustande gekommen ist. „1001 Nacht ist die Wiege der Märchen“, so Ott in einem Podiumsgespräch mit Almut Mackensen (DKKD), „sie stammt sozusagen aus dem Orient des Orients“. Denn für die arabische Welt sei das Inselreich Indiens und Chinas so mystisch gewesen wie der Orient für uns heute. 1704 sei das Werk erstmals nach Europa gelangt. Und dennoch stammen die Geschichten zum größten Teil von dem französischen Orientalisten Antoine Galland.

Dieser schrieb im Jahr 1698 an einer Übersetzung von „Sindbad“, die auch zeitnah verlegt werden sollte. Der Verlag sei so begeistert gewesen, dass er mehr Geschichten verlangte und Galland aufgrund dessen drei Jahre lang auf Recherche war. So gelangten unter anderem, allerdings auch in zunächst französischer Sprache, die Geschichten „Alladin“ und „Alibaba“ zu ihm, die also gar nicht arabisch gewesen seien, sondern jemand erfunden habe, so Ott. Europäische Verleger hätten dann aus den Geschichten Kinderbücher gemacht. „Bis heute sind diese Geschichten weltweite Verkaufsschlager“. Dabei seien die ursprünglichen Geschichten keine Kinderliteratur, da sie teilweise sehr grausam und zu erotisch seien.

Humorvoll deutete Ott an, dass Sheherezade wohl auch die Erfinderin des sogenannten „Cliffhangers“ war, also des bewusst offen gehaltenen Ausgangs auf dem spannendsten Höhepunkt. Und demnach wohl auch die „Urmutter der modernen Vorabendserien, denn die spannendste Geschichte ist 1001 Nächte lang“. Leider hätten die Europäer mehr und mehr weggelassen, denn die ursprüngliche Form beinhalte auch viel Poetisches, wie Gedichte, die die Hauptgeschichte unterbrechen.

Für den passenden musikalischen Rahmen sorgte die Gruppe Saz/Bisim Eller. Auch ein schöner Höhepunkt in der Pause war das schmackhafte und reichhaltige Buffet, das unter anderem von Frauen aus Afghanistan, Syrien und der Türkei mit orientalischen Spezialitäten zubereitet wurde. Imbiss und Getränke waren gratis, es wurde lediglich um eine Spende gebeten.


Dir Gruppe Saz sorgte mit ihren orientalischen Klängen für den perfekten Rahmen

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Ließ die Hauptfiguren vor dem geistigen Auge entstehen: Claudia Ott bei ihrer szenischen Lesung


Ein reichhaltiges Buffet konnten die Gäste in der Pause genießen

 

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