Vereinsleben

31.07.2019

Harz-Verein für Geschichte und Altertumskunde weilte in Förste


Freuten sich über die große Teilnehmerzahl an der Mitgliederversammlung des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde (v. l. n. re.): Dr. Christian Juranek, Firouz Vladi, Ekkehard Eder, Dr. Jörg Leuschner und Dr. Friedhart Knolle.

von Petra Bordfeld

Förste. Mitglieder des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde, der bereits 1868 in Wernigerode gegründet wurde, trafen sich mit Vertretern des Heimat- und Geschichtsvereins Osterode und Umgebung sowie des Stadtarchivs Osterode zur Jahresmitgliederversammlung. Diese fand in Förste in dem geschichtsträchtigen Gasthaus „Zum Schwarzen Bären“ statt, und im Mittelpunkt standen diverse Vorträge, welche Einblicke in die Förster Salzquellen, des Osterode Brauwesens und in die bei Barbis gelegene Burgruine Scharzfels gewährten.

In seiner Begrüßung brachte der erste Vorsitzende, Dr. Christian Juranek, seine Freude darüber zum Ausdruck, dass so viele Mitglieder den Weg nach Förste gefunden hatten. Schließlich sei man schon lange nicht mehr im Osteröder Bereich gewesen.
Er dankte seinem Stellvertreter, Dr. Friedhart Knolle, für das Zusammenstellen eines wahrhaft bunten Programmes sowie Dr. Jörg Leuschner, Firouz Vladi und Ekkehard Eder für die zu erwartenden Berichte.

Firouz Vladi eröffnete erst einmal als zweiter Vorsitzender des HGV Osterode den Grußwortreigen, in welchem er offen legte, dass der Verein 65 Jahre alt ist und ca. 300 Mitglieder zählt. Der Verein gibt die Heimatblätter für den südwestlichen Harzrand heraus, die bereits 74 Ausgaben zu zählen haben. Sie seien eine gute Plattform der Laien- und Fachforschung von Gittelde bis Scharzfeld.

Stadtarchivar Ekkehard Eder erinnerte daran, dass der „Schwarze Bär“ einige Jahrhunderte alte Gaststätte mit einer Verbindung zum Oberharz ist.
Damit kam er auch die Geschichte des Osteroder Brauwesens zu sprechen. Das Brauen von Bier ist schon Anfang des 13. Jahrhunderts – also kurz nach der Verleihung des Stadtrechtes – nachweisbar. Bier sei damals allerdings mehr als ein wohlschmeckendes und freudenspendendes Genussmittel gewesen. Es diente auch als unverzichtbares Grundnahrungsmittel. „Der Bierkonsum war aufgrund der vielfältigen Verwendung des Bieres sehr hoch. Dementsprechend versprach das Recht zu Brauen auch einen attraktiven Verdienst“, so Eder weiter.

In Osterode erfolgte die Herstellung des Bieres zunächst in den einzelnen Wohngebäuden der Brauberechtigten. Da der Transport der Braugerätschaften aber umständlich war, und das Hantieren mit offenen Flammen in den Häusern erhebliche Gefahren für die gesamte Stadt mit sich brachte, ließ man schließlich mehrere Brauhäuser errichten, welche die einzelnen Brauberechtigten nutzen konnten.

Ende des 18. Jahrhunderts habe etwa 194 Gebäude dieser Art gegeben. So verfügte nicht einmal die Hälfte der Osteroder Hauseigentümer über die Berechtigung zur Herstellung von Bier. Das Braurecht wurde nach einer genau festgelegten städtischen Ordnung ausgeübt, um so sicher zu stellen, dass in der Stadt das Nahrungsmittel Bier immer in ausreichender Menge und in guter Qualität zur Verfügung stand.

Der Verkauf des Osteroder Bieres in den benachbarten Dörfern war für die Rentabilität der Brauereien sehr wichtig. Denn die Menge des hier produzierten Gerstensaftes war viel zu groß, um sie ausschließlich im Stadtbereich abzusetzen. Während der Osteroder Markt weitgehend von auswärtigen Bieren abgeschottet blieb, musste sich die Osteroder Brauerschaft außerhalb der Stadtmauern – trotz verschiedener Privilegien - mancher Konkurrenz erwehren.

Im 18. Jahrhundert ging der Bierabsatz und somit die Rentabilität der Brauereien stark zurück. Die Einführung der Kartoffel verdrängte Bier als Grundnahrungsmittel weitgehend. Mit Branntwein, Kaffee, Tee und Schokolade kamen neue Modegetränke auf. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts befand sich das Osteroder Braugewerbe in einer existenzbedrohenden Krise, denn aufgrund der geringen Nachfrage nach Osteroder Bier waren nur noch 18 Brauer tätig.

Die Brauerschaft, die bereits 1810 das einzige noch bestehende Brauhaus von der Stadt angekauft hatte, gab sich 1840 eine neue Organisationsform. Eine Verbesserung der Bierqualität und eine Rationalisierung des Produktionsprozesses steigerten die Wirtschaftlichkeit. Genau die führten die Stadtbierbrauerei zu einer neuen Blüte. 1888 gründete der Kaufmann Pego in Osterode, am Fuße der Gipsberge, die private Harzer Bergbrauerei. Doch endete schon wenige Jahrzehnte später die jahrhundertealte Osteroder Brautradition: 1908 musste die Stadtbierbrauerei ihren Betrieb einstellen. „1919 gab mit der Harzer Bergbrauerei die letzte noch verbliebene Braustätte in Osterode auf“.

Dr. Jörg Leuschner wiederum stellte das Fürstentum Grubenhagen im und am Westharz sowie dessen Verwaltungs-, Rechts- und Wirtschaftsgeschichte (Montanwirtschaft) von den mittelalterlichen Anfängen bis 1596 vor.

Da sich Heinrich der Löwe geweigert hatte, Kaiser Friedrich I. Barbarossa im Kampf gegen Mailand und die lombardischen Städte zu unterstützen, entzog im Jahre 1180 Friedrich I. Heinrich dem Löwen die Herzogtümer Sachsen und Bayern. So blieb den Welfen vorerst nur ihr Eigenbesitz in Nord-Deutschland. Erst Kaiser Friedrich II. belehnte Otto das Kind im Jahre 1235 mit dem neugeschaffenen Herzogtum Braunschweig-Lüneburg. Damit sollte die Hoheit über die Waldmark der Reichsvogtei Goslar und das Berggericht am Rammelsberg in den Besitz der Welfen übergehen.

Nur wenige Jahrzehnte teilten die Welfen ihren Besitz immer wieder und wieder, was ihre Macht schwächte. 1267 wurde das neue Herzogtum Braunschweig-Lüneburg zwischen Albrecht I. dem Großen und Johann geteilt. Als Albrecht I. zwölf Jahre später verstarb, übernahm sein Bruder Konrad (Bischof von Verden) die vormundschaftliche Regierung über das Herzogtum für die drei Söhne Albrechts. Denn sie waren noch nicht volljährig.

Mit zunehmendem Alter strebten die drei Brüder immer weiter auseinander, und eine gemeinsame Herrschaft war nach Erlangung der Volljährigkeit nicht mehr möglich. So teilten sie 1291 ihren Herrschaftsbereich in drei Teile: Herzog Wilhelm erhielt das Braunschweiger Land, Albrecht II. (der Fette) das Göttinger Land und Heinrich I. Mirabilis (der Wunderliche) das Gebiet zwischen Duderstadt, Herzberg, Osterode und Einbeck. Hinzu kam der größte Teil des Westharzes und umfangreicher Streubesitz und ein Drittel am Rammelsberg.

Als Herzog Wilhelm 1292 verstarb, teilten die beiden verbliebenen Brüder dessen Besitz unter sich auf, auch dessen Drittel am Rammelsberg. Für den Herrschaftsbereich von Herzog Heinrich I. setzte sich, allerdings erst im 16. Jahrhundert, die Bezeichnung Fürstentum Grubenhagen nach der im Jahre 1263 erstmals erwähnten Burg Grubenhagen durch.

Im Laufe der folgenden Jahrhunderte, vor allem im 16. Jahrhundert entwickelte sich Grubenhagen zu einem gut organisierten Fürstentum, dessen Hauptsitz nun in Schloss Herzberg lag. Im 16. Jahrhundert entwickelten die Grubenhagener Herzöge schrittweise eine behördenmäßige Regierungsarbeit. Dabei wirkte die sich seit der Mitte des 15. Jahrhunderts aufstrebende Montanwirtschaft als antreibender Motor. Die Grubenhagener Herzöge, seit 1538 auch "Landesbischöfe" (summus episcopus), besaßen große Machtbefugnisse, allerdings konnten sie niemals die Landstände ausschalten. Im Jahre 1596 starb die Linie Grubenhagen mit dem Ableben von Herzog Philipp II. aus. „Sofort riss das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel das Fürstentum Grubenhagen an sich, musste seine Beute aber 1617 an die Vettern in Celle wieder herausgeben, denn sie hatten das bessere Erbrecht“, so Dr. Leuschner abschließend.

Dipl.-Geol. Firouz Vladi ließ die Versammlungsteilnehmer in die Geschichte der Burgruine Scharzfels schauen. Dafür legte er zahlreiche Grafiken und Bauzeichnungen aus der Zeit vor ihrer Zerstörung im Jahre 1761 vor. Diese bilden die Grundlage für die im Jahre 2018 erfolgte virtuelle Rekonstruktion der Burg, wie sie nun im Internet unter www.scharfels.info zu bewundern ist.

Weil die anschließend geplante Wanderung aufgrund des Wetters ausfallen musste, informierte Firouz Vladi zunächst mit einer Lichtbildpräsentation über die Lichtensteinhöhle und deren Entdeckung. Dafür fasste er die aktuellen Forschungsergebnisse zusammen, wie sie sich auch im HöhlenErlebnisZentrum in Bad Grund zu sehen sind. Er ließ dann noch einen kurzen Beitrag folgen über die Salzvorkommen in Förste und ihre möglich Nutzung ab der Bronzezeit.
Danach machten sich alle auf den kleinen Weg zum Mühlenteich und zu weiteren Quellwässern in dem alten Ortskern Förstes, wo rund 35 Quellen hervorsprudeln, von denen einige noch heute salzhaltiges Wasser liefern.


Die Bediensteten der Osteroder Stadtbierbrauerei präsentieren im Jahr 1906 stolz ihre mit Märzen, Lagerbier und Bockbier gefüllten Fässer. Foto: Stadtarchiv Osterode am Harz 10-01-043-035.

Dies ist der Nachbau eines bronzezeitlichen Salzofens, der im Schlossmuseum in Bad Frankenhausen, Südkyffhäuser, zu sehen ist.

Das ist auf dem Briefkopf der Harzer-Berg-Brauerei Osterode zu lesen, welcher sich jetzt im Osteroder Stadtarchiv befindet (Bestand 2 Nr. 1014): Harzer Bergbrauerei Osterode an Magistrat Osterode vom 5. Mai 1917

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Dr. Christian Juranek begrüße die Teilnehmer an der Mitglieder Versammlung des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde.

 

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