Panorama

06.04.2019

Was macht eigentlich Ihr Auto den ganzen Tag?


von Corina Bialek

Zugegeben, es gibt in diesem unserem Lande eine gewisse Anzahl von Menschen, die einen großen Teil ihres Lebens in ihrem Auto unterwegs sind, weil ihr Job das erfordert. Doch der Großteil benutzt seinen fahrbaren Untersatz in der Regel dazu zur Arbeit zu fahren, die Kids durch die Gegend zu kutschieren oder um einzukaufen und da wird der kleine oder große Stinker oft genug für Strecken unter 2 km angeschmissen.

Dies wird meistens mit fehlender Zeit, viel zu schweren Einkäufe und, und, und gerechtfertigt. Da nehm' ich mich nicht aus, ist halt so schön bequem. Wenn wir aber einmal ehrlich zu uns selbst sind, viele Fahrten könnte wir auch mit dem Rad erledigen oder gar zu Fuß, wenn es nicht gerade Katzen und Hunde regnet.

Also wenn ich mein Auto wäre, ich würde schon alle Symptome einer sozialen Vernachlässigung aufweisen. Es steht eigentlich die meiste Zeit nur so rum. Zum Glück hat es noch kein Marder zu seinem Domizil erkoren, mein Dachboden ist da wohl doch attraktiver, aber er könnte dort vergleichsweise ungestört wohnen.

Es gibt Tage da bewegt es sich keinen Millimeter, an anderen darf es dann schon mal Richtung Osterode oder zu den umliegenden Orten aufbrechen, wenn Pressetermine oder Kundengespräche anliegen. Allerdings ist mit der Bewegung auch dann in der Regel nach wenigen Kilometern Schluss und es steht wieder rum und schaukelt sich das Getriebe, bis es nach Hause geht, wo es dann wieder – na ja, Sie wissen schon. So richtig in Wallung kommt es, wenn wir die Eseltreiber Magazine verteilen, dann darf es seiner Bestimmung folgen und über die Land-, und Schnellstraßen der Region wuseln. Dann kann es einmal alle Leitungen und Ventile durch pusten und die Kolben schmieren, aber das sind zusammengenommen höchstens drei Wochen im Jahr.

Wenn ab und an Ausflüge oder Pressetermine außerhalb des 50 Kilometer Radius anstehen, freut es sich wahrscheinlich jedes Mal einen Loch in den Tank, wobei es auch bei solchen Strecken oft genug zu unfreiwilligen Stauertreffen kommt und es wieder in seinem Vorwärtsdrang ausgebremst wird. Allerdings steht es dann wenigstens in geselliger Runde rum.

Wirtschaftlich ist das sicher nicht, dafür muss man nicht studiert haben und ökologisch auf jeden Fall fragwürdig. Wäre mein Auto ein Hund, hätte man mir wahrscheinlich schon den Tierschutz auf den Hals gehetzt, wegen mangelnden Auslaufs.

Ich denke mein Auto hat viele Leidensgenossen und wenn wir Ideen entwickeln, wie man auch auf dem flachen Land Alternativen zur Fortbewegung schafft, um die Anzahl der unterbeschäftigten Autos zu minimieren oder sie effizienter zu nutzen, käme das unserem CO² Ausstoß und nicht zuletzt unserem Geldbeutel zu Gute.

Den Ansatz in Eisdorf, ein E-Auto für die Gemeinde anzuschaffen, das gebucht werden kann, werde ich auf jeden Fall interessiert im Auge behalten. Allerdings werde ich diesen Gedanken in der Gegenwart meines Smartis besser nicht laut äußern, sonst wird er noch total depressiv, erleidet ein Unterforderungs-Burn-out und verweigert mir den Dienst.

 

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