Kultur

14.03.2019

"Etwas mehr Gebirge bitte"


Offene Probe des GSO gewährte Einblicke in die tägliche Arbeit eines großen Orchesters

von Corina Bialek

Unter dem Motto: Unternehmer blicken hinter die Kulissen, hatten WRG und Mekom zur freien Probe des Göttinger Symphonie Orchesters (GSO) in der Stadthalle Osterode eingeladen. „Wir sind ganz erstaunt und begeistert das unser Angebot auf so große Resonanz stößt“, freute sich Dr. Nicholas Milton, Chefdirigent und künstlerischer Leiter des GSO. " Wir hatten mit zehn bis fünfzehn Leuten gerechnet.“ Es waren aber wohl eher mehr als fünfzig, die den Weg in die Stadthalle gefunden hatten und die Orchesterprobe verfolgen wollten.

„Musik hat das Potential, die Welt zu verändern, Herzen zu öffnen und Seelen zu bereichern“, führte Milton zu Beginn aus. „Sie schenken uns Ihre Zeit und wir arbeiten gemeinsam daran, Ihnen mit unserer Musik besondere Erlebnisse mit vielen Gänsehautmomenten zu schenken.“ Da das Orchester bei dieser Probe nicht vollständig und somit auf der Bühne Plätze frei waren, waren die Besucher eingeladen diese zu besetzen, um so einmal einen ganz anderen Höreindruck und Blick auf die Arbeit eines Orchesters zu bekommen.

Geprobt wurden Auszüge aus A. Dvořáks Symphonie Nr. 8 G-Dur op. 88, zu der sich Dvořák von der Landschaft seines Sommersitzes bei Wissoka in Mittelböhmen in Tschechien inspirieren ließ. Und mit Hilfe von „Bildern“ brachte auch Milton seinem „Klangkörper“ nah, wie welche Passagen klanglich interpretiert werden sollten. Es geht oft nur um Nuancen. Darum welche Bogenführung die richtige Dynamik erzeugt, um das Zusammenspiel, um laut und leise. Zum Beispiel wie den zarten Klängen der Solo-Flöte der roten Teppich ausgerollt werden kann, um sie zu tragen und nicht zu übertönen. Eben diese Feinarbeit erzeugt am Ende die Gänsehautmomente, die einen Konzertbesuch unvergesslichen werden lassen.

Das es bei einer Probe zwar konzentriert aber nicht ohne Humor zugeht machten einige Einwürfe Miltons deutlich. „Meine Damen und Herrn, Sie haben heute eine Premiere erlebt - Herr Karl hat sich verspielt. Das ist noch nie passiert!“ Herr Karl ist der junge Mann an der Kesselpauke und bei der Wiederholung war sein Einsatz perfekt. Ein Schelm, der böses dabei denkt ;-)

Oder bei einem Cresendo, bei dem das „Blech“, ob der zu erzeugenden Dramatik noch nicht laut genug war: „Da möchte ich noch mehr Gebirge!“ Danach wuchs das Klanggebirge auch deutlich in die Höhe. Ja, es war schon eine einzigartige Erfahrung, das Orchester sozusagen hautnah zu erleben.

Im Anschluss bot sich noch die Gelegenheit mit Nicholas Milton und einigen Musikern ins Gespräch zu kommen und auch der Geschäftsführer des GSO Klaus Hoffmann gab Einblicke in die geschäftlichen Belange eines Orchesterbetriebs. „Wir pflegen eine Kultur des Miteinanders. Bei uns spielen inzwischen MusikerInnen aus 23 Nationen und sie betrachten das GSO als „ihr“ Orchester. Daher sind sie auch daran interessiert, es immer weiter zu entwickeln. Das heißt auch, dass das Orchester zum Publikum kommt, wie hier nach Osterode“, führte er aus.

Dazu gehört auch die Abo-Reihe die seit August 2018 in der Osteroder Stadthalle zusätzlich zu den Neujahrskonzerten und der Nacht der Filmmusik des GSO angeboten wird. Die will man auf jeden Fall weiterführen und als feste Größe etablieren.

Als nächstes Konzert der Abo_Reihe steht am 04.05.2019 RUSSLAND mit Andrey Gorbatschow an der Balaleika unter der Leitung von Leitung Daniel auf dem Programm. Nur wenige Tage später am 10.05.2019 findet die Nacht der Filmmusik 2019 statt, unter der Leitung von Nicholas Milton. Juri Tetzlaff übernimmt, wie im letzten Jahr, die Moderation. Das diesjährige Motto lautete: Heroes und Helden gibt es wahrlich reichlich in der Welt des Films. Noch wird nicht verraten welche Hollywood Helden oder auch Heldinnen zum Zuge kommen. Wir werden aber auch hier im Eseltreiber das Geheimnis nach und nach lüften. Seien sie gespannt.

Übrigens wer die bei den Proben erarbeite Symphonie Nr. 8 G-Dur op. 88 von A. DVOŘÁK erleben möchte,  sie wird heute und morgen in der Aula am Wilhelmsplatz in Göttingen im Rahmen des Konzertes ZWIEGESPRÄCH gespielt.

ZWIEGESPRÄCH
Z. KODÁLY: Tänze aus Galánta
J. BRA HMS: Doppelkonzert für Violine und Violoncello a-Moll op. 102
A. DVOŘÁK: Symphonie Nr. 8 G-Dur op. 88

Do., 14.03.2019, 19.45 Uhr
Fr., 15.03. 2019, 19.45 Uhr
Aula am Wilhelmsplatz

www.gso-online.de






Herr Karl

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Begrüßung durch WRG-Geschäftsführer Detlev Barth




Milton mit GSO Geschäftsführer Klaus Hoffmann (rechts)




Dr. Nicholas Milton,Chefdirigent und künstlerischer Leiter des GSO

















 

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