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08.03.2019

Was soll hier noch geschützt werden?


Vor Ort Termin an der Breme-Villa in der Freiheit, deren Abriss der Denkmalschutz verwehrt.

von Corina Bialek

Der Denkmalschutz ist, wenn es um die Osteroder Stadtentwicklung geht, oft genug ein leidiges Thema, zieht Sanierungsprojekte in die Länge, lässt Kosten in die Höhe schnellen und wird zunehmend als wirtschafltiches Hemmnis empfunden. Die Gruppe SPD/Grüne hat aus diesem Grund vor kurzem einen Antrag für eine Ratsresolution für einen zeitgemäßen Denkmalschutz eingebracht.

Ein Projekt, das seit geraumer Zeit die Gemüter erhitzt, ist die marode aber denkmalgeschützte Breme-Villa in der Freiheit.

Die Besitzer der Villa, haben inzwischen eine Petition an den Landtag geschickt, in der sie sich gegen die Ablehnung der denkmalrechtlichen Genehmigung für den Abriss der Villa wenden. Die GRÜNEN in Osterode haben dies zum Anlass genommen und zu einem vor Ort Termin eingeladen, zu dem neben Vertretern des Rates und der Kommunalpolitik die GRÜNEN Politikerinnen Eva Viehoff, Landtagsabgeordnete und Sprecherin für Denkmalschutz, Arbeitsmarkt und Tourismus; Viola von Cramon Kandidatin für das Europaparlament und Simone Stolzenbach Mitarbeiterin im Landtag erschienen waren. Außerdem waren Bauamtsleiter Thomas Christiansen und die Freiheiter Ortsbürgermeisterin Helga Steinemann zugegen.

Der Eigentümer der Immobile, Gustav Schröter, führte die Anwesenden durch die Räume, sofern man diese noch als solche bezeichnen kann. Auch wenn das Gebäude von außen noch einen halbwegs passablen Eindruck macht, innen tun sich Abgründe auf und das ist wörtlich zu nehmen. Ein ganzer hinterer Seitenflügel ist eingestürzt und auch ansonsten zeigt sich die Villa in einem erbärmlichen Zustand. Das einzige, was hier noch komfortable Verhältnisse vorfindet, sind die diversen Schimmelpilzkulturen, die an allen Ecken blühen. Bei diesem Anblick fragten sich eigentlich alle, was soll hier noch erhalten werden? Wohlwollend betrachtet vielleicht das ein oder andere Fenster, hier und da ein Balken oder einige noch heile Fliesen im Eingangsbereich.

Es ist also nachvollziehbar, dass sich Ortsbürgermeisterin Helga Steinemann sehr verärgert über das Vorgehen der Landesbehörde zeigte, zumal man endlich einen Investor habe, der auf dieser Fläche einen Verbrauchermarkt für Freiheit und Lerbach errichten wolle. In dem Zuge sei weiteres geplant, was die Entwicklung des Ortsteils deutlich voranbringen würde.

Im Vorfeld hatte Almut Mackensen von den Grünen nochmals unterstrichen, dass der Denkmalschutz, wie er in Osterode praktiziert werde, einer zeitgemäßen Stadtbildpflege im Wege stehe. „Denkmalschutz bewirkt das Gegenteil, wenn er über das Ziel hinausschießt. Er muss sich auch an der Wirtschaftskraft der Region orientieren und zeitgemäß sein, was man mit der Resolution zur Flexibilisierung des Denkmalschutzes, die zusammen mit der SPD im Rat eingebracht wurde, erreichen will und die auch von den anderen Fraktion mit getragen wird.“

Eva Viehoff, Landtagsabgeordnete der Grünen und Sprecherin für Denkmalschutz und Tourismus bestätigte, dass ihr die Petition vorliege, sie aber bei diesem Termin noch nichts konkretes dazu sagen könne. Vielmehr sei sie angereist, um sich ein Bild vor Ort zu machen. Natürlich sei die Problematik des Denkmalschutzes, gerade in strukturschwachen Regionen bekannt. Sie regte an, diesen stärker in die wirtschaftliche und touristische Planungen einzubeziehen, um innovative Konzepte zu entwickeln.

„Es ist ein spannendes, kompliziertes Geflecht“, bestätigte Bauamtleiter Thomas Christiansen und wies darauf hin, dass Osterode eine Industriestadt sei und dies ein Bereich industrieller Geschichte sei, der nicht in die Zukunft gebracht werden konnte. Der geplante Verbrauchermarkt sei in das Förderprogramm Stadtumbau West eingeflossen und passe auch in das für Osterode erstellte Einzelhandelskonzept. Es gäbe noch weitere Förderprogramme für bestimmte Bereiche der Osteroder Innenstadt, wobei es für die Planung und auch für potentielle Investoren sicherlich einfacher wäre, würden die Fördergelder für den gesammten Bereich innerhalb der Stadtmauer gelten.

Die Villa aus dem Jahre 1812, die lange als Bürogebäude genutzt wurde und zu der auch das angrenzende Fabrikgebäude gehört, hat Karin Schröter-Breme 2012 geerbt. Damals hatte der Denkmalschutz für die Instandsetzung der Villa eine Investitionssumme von 2,5 Mio. € angesetzt und der Inhaberin die Unwirtschaftlichkeit bescheinigt. Unter diesem Aspekt ist die Entscheidung des Denkmalschutzes gegen einen Abriss noch weniger nachvollziehbar.


Die Breme-Villa in der Freiheit.

Der Schimmel blüht...

Was sich hier durch den Fußboden nach oben gewühlt hat, will glaube ich keiner wissen.

Gustav Schröter führte durch die marode Villa

Ein einziger Trümmerhaufen...

aber inzwischen gut belüftet - Achtung Ironie

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Eva Viehoff



v. l.: Almut Mackensen, Eva Viehoff, Viola von Cramon

Es gibt durchaus noch vereinzelte Elemente...

die zeigen, das diese Villa mal ein Schmuckstück war...

hier ist davon nichts mehr zu sehen.









Fotografen bieten sich natürlich reizvolle Motive





Zumindest hat man mal die Gelegenheit den Deckenaufbau anno 1812 zu betrachten.


Der morbide Charme des Verfalls


Beim genauen Hinsehen...

will man auch das Dachgeschoss..

und den Dachboden nicht mehr betreten.

Es besteht Einsturzgefahr.

 

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