Kultur

11.02.2019

Unterhaltsam und melancholisch: Biblische Lieder und „Hermit Songs“


Christian Zimmer am Flügel und Miriam Meyer (Sopranistin) zogen die Zuschauer bei dem Liederabend im Ratssaal des Kornmagazins in ihren Bann.

Der Liederabend mit Miriam Meyer und Christian Zimmer begeisterte die Zuschauer im Ratsaal des Kornmagazins.

von Herma Niemann

Wenn ein stilvolles Ambiente und ein hochkarätiges Kammerorchester-Duo aufeinander treffen, kann daraus nur ein überaus gelungener Liederabend werden. Davon konnte sich das Publikum am Samstag im Ratssaal des Kornmagazins überzeugen.

Dazu eingeladen hatte die Musikgemeinde Osterode die Sopranistin Miriam Meyer und den Pianisten Christian Zimmer. Der Liederabend trug den Titel „Von Mönchen und Katzen“, und so standen an dem Abend auch Freud und Leid sowie Melancholie und Spaß sehr eng beieinander.

Im ersten Teil des Konzerts stand die Vertonung des zehn Lieder umfassende Zyklus der Biblischen Lieder op. 99 von Antonin Dvorák auf dem Programm. Dieser Zyklus entstand im Frühjahr 1894 in New York, wo Dvorák nach seiner Auswanderung seit knapp zwei Jahren lebte. Heimweh und traurige Nachrichten begleiteten Dvorák beim Komponieren. Besonders hervorzuheben ist dabei das Lied „Gott ist mein Hirte“ (Psalm 23). Wie auf leisen Sohlen bediente Zimmer dabei die Tasten des Flügels. In perfekter Harmonie dazu war der Gesang der Sopranistin Meyer. Mal zart und geschmeidig, aber auch hart und bestimmend, da wo es angebracht war. Dann, ein wunderbarer Übergang. Ein kraftvolles Klavier und ein fast tänzelnder Psalm 144 folgten mit „Herr, o mein Gott, lass ein neues Lied mich mit dir singen“. Fröhlich beschwingt endete dieser Zyklus mit „Singet ein neues Lied“ (Psalm 96 und 98). Vor der Pause bot Christian Zimmer am Klavier ein herausragendes Stück von César Franck dar, Prélude, Choral et Fuge.

Nach der Pause ging es weiter mit den „Hermit Songs op. 29“ von Samuel Barber. Diese englischsprachigen Eremiten-Lieder sind bei den Schreibarbeiten der Mönche zwischen dem achten und 13. Jahrhundert entstanden, erklärte Miriam Meyer dem Publikum. „Die Mönche haben ihre Gedanken aufgeschrieben. Teilweise sind es nur Schnipsel, die aber sehr amüsant sind“. Dabei handelt es sich um kleine Gedichte, Gedanken oder Beobachtungen der Eremiten, die für die damalige Zeit oft sehr heiter und mit überraschend modernen Begriffen ihres einfachen Lebens besetzt sind. Einige davon wurden wörtlich übersetzt. Damit die Zuschauer auch den Inhalt vor Augen hatten, beschrieb die Sopranistin vorher kurz die Inhalte der Lieder. So wünschte sich unter anderem ein Mönch in dem Lied „The heavenly Banquet“ ein himmlisches Bankett mit allen Heiligen, einem See von Bier, Jesus an seiner Seite und dass man sich „in alle Ewigkeit besaufen möge“. Mit diesem Vorwissen konnte das Publikum nicht umhin, bei dem Vortrag an dieser Stelle zu schmunzeln.

Überhaupt gestalteten die beiden Protagonisten den Abend sehr sympathisch und kurzweilig, immer auf Augenhöhe mit dem Publikum. Die Leidenschaft für die Musik war den ganzen Abend über zu spüren und das sprang auch auf die Zuschauer über.

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