Panorama

11.09.2018

Was tun, wenn das Wasser knapp wird?


Langanhaltende Trockenheit zwingt die Harzwasserwerke zu ersten Maßnahmen

von Christian Dolle

Aus dem Harz wird ganz Niedersachsen mit Trinkwasser versorgt. Die Trockenheit der letzten Monate führte zu einem Tiefststand in den Harzer Talsperren und zeigte damit, wie anfällig das gesamte Land für sich verändernde Umweltbedingungen ist. Eine Lösung für mögliche Probleme könnte sich nun ausgerechnet in einem jahrhundertealten System verbergen.

Noch bevor er in den Herbst übergeht, wird der Sommer 2018 schon als Jahrhundertsommer bezeichnet. Nicht nur wegen der außergewöhnlich hohen Temperaturen, sondern vor allem auch wegen der langanhaltenden Trockenheit. Die wiederum stellt die Harzwasserwerke vor einige Herausforderungen, denn immerhin werden aus gerade einmal sechs Talsperren im Harz etwa zwei Millionen Menschen in ganz Niedersachsen und Bremen mit Trinkwasser versorgt.

Als nun der Pegel dieser Talsperren auf einen historischen Tiefststand sank, nahmen die Harzwasserwerke das zum Anlass für eine Pressekonferenz, auf der Dr. Christoph Donner, technischer Geschäftsführer der Harzwasserwerke GmbH, Frank Eggelsmann, Abteilung Wasserwirtschaft, und Pressesprecherin Marie Kleine deutlich machten, warum es für Panik noch viel zu früh ist. Maßnahmen allerdings, die werden schon jetzt ergriffen und es gibt auch Szenarien für eine Verschärfung der Lage.

"Wir müssen handeln"

Gerade das Hochwasser im vergangenen Jahr, das selbst die Altstadt von Goslar traf und eben die momentane Trockenheit zeigen, wie wichtig eine Regulierung in der Wasserwirtschaft ist, machte Dr. Donner deutlich. Zudem steige der Wasserverbrauch seit vielen Jahren kontinuierlich an und das bei sich wandelndem Klima. „Wir müssen handeln“, stellte er mit Nachdruck nicht nur für den Harz und für Deutschland fest.

Der aktuelle historische Tiefststand ziehe bereits erste Maßnahmen nach sich, erläuterte Eggelsmann, so wurde die Wasserabgabe auf ein Minimum gedrosselt, das Wasser das Richtung Norden geleitet wird und sonst der Sösetalsperre entnommen wird, kommt jetzt aus der Granetalsperre, wodurch an der Sösetalsperre 150 Liter in der Sekunde eingespart werden können. All das sei noch nicht dramatisch, doch stelle man sich schon jetzt auf ein sogenanntes Doppeltrockenjahr ein, rechnet also mit dem Fall, dass es auch im kommenden Jahr weniger als 80 Prozent des durchschnittlichen Niederschlags geben könnte.

Nicht die Zeit für Krisenszenarien

Natürlich sei die Versorgung gesichert, nur gehe es bei der Wasserwirtschaft eben um langfristige Planungen und die müssten nun einmal den Klimawandel in seiner härtesten Ausprägung einrechnen. Daher wird im Moment auch schon ein Teil des UNESCO-Weltkulturerbes Oberharzer Wasserwirtschaft genutzt, um mehr Zuflüsse in die Sösetalsperre zu leiten. Das Wasser der Oberharzer Teiche werde zwar noch nicht als Trinkwasser genutzt, doch all dies werde in die Überlegungen einbezogen.

Noch sei nicht die Zeit für Krisenszenarien, doch Dr. Donner wies darauf hin, dass langfristig auch über einen Talsperrenneubau oder die Nutzung von Stollensystemen im Harz nachgedacht werden müsse. Das wäre dann zum Teil eine Rückkehr zum vorindustriellen Wasserwirtschaftssystem und zeigt sehr deutlich, dass unsere moderne Welt längst nicht so gut auf eine sich verändernde Umwelt eingestellt ist, wie wir gemeinhin glauben.

Ein Blick in die Söse- oder Odertalsperre und insbesondere in den trockengefallenen Oderteich vermittelt jedenfalls einen deutlichen Eindruck, wie abhängig wir von ausreichend Niederschlägen sind.


Sösetalsperre


Oderteich

Odertalsperre

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Frank Eggelsmann und Dr. Christoph Donner

Das Thema sorgt für großes Interesse bei den überregionalen Medien










 

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