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04.06.2018

Eine nach wie vor moderne Idee


Festrede von Sigmar Gabriel zum 150-jährigen Bestehen der Osteroder SPD

von Christian Dolle

Kein Geringerer als Sigmar Gabriel überbrachte der Osteroder SPD Glückwünsche zum 150-jährigen Bestehen. In seiner Festrede am Freitag in der Stadthalle erinnerte er an die Anfänge der Partei, an Verbote unter Bismarck und unter den Nationalsozialisten und daran, dass die Partei sich dennoch immer wieder dem politischen Kampf für die kleinen Leute gestellt hatte.

„Sozialdemokraten haben gezeigt, dass Herkunft nichts über Haltung aussagt“, machte Gabriel deutlich. Allerdings sei genau das heute schwer geworden, denn jemand ohne akademische Bildung komme nur noch selten in die Politik und wenn, dann mache er dort keine große Karriere. Daher müsse sich nicht nur seine Partei heute fragen, ob man offen genug mit jenen umgehe, die eine andere Meinung haben, auch jenen, die beispielsweise Flüchtlingen in unserem Land gegenüber kritisch eingestellt seien. (Etwas anders klangen da Gabriels Worte nach dem rechten Aufmarsch in Goslar am Samstag, woraufhin er twitterte: „Die rechtsradikalen Gruppen, die sich heute in meiner Heimat treffen, sind nicht Deutschland.“, Anm. d. Verf.)

Die Freiheit des Einzelnen

Die Idee der Freiheit des Einzelnen sei es, was die SPD auszeichne, so Gabriel in seiner Rede, daher müsse man auch heute für Bedingungen sorgen, damit jeder aus seinem Leben etwas machen könne. „Das ist nach wie vor eine moderne Idee“, so der frühere Parteivorsitzende, „doch warum ist die SPD dann vielerorts so wenig erfolgreich?“ Auch die Antwort auf die rhetorische Frage lieferte er: „Menschen glauben heute weniger an kollektive Interessenvertretungen, der Glaube an eine Gemeinschaft ist einem Individualismus gewichen.“

Dennoch spiele Gemeinschaft gerade politisch auch weiterhin eine wichtige Rolle, nicht zuletzt in einem starken Europa, das unsere Chance ist, um in einer globalisierten Welt zu bestehen. Dieses Europa zusammenzuhalten und die Menschen davon zu überzeugen, dass dies wichtig ist, das seien die großen Aufgaben für heutige Sozialdemokraten. „Und außerdem das Nachdenken, was die Menschen in unserem Land bewegt“, fügte er hinzu. Das seien beispielsweise Lösungen für die Altersarmut, in der Pflege, auf das Wegbrechen der Mittelschicht und somit Antworten auf die neue industrielle Revolution, also den Schritt ins digitale Zeitalter. „Wenn die SPD eine Partei der Arbeiterschaft ist, dann muss sie darauf eine Antwort finden“, mahnte Gabriel und erhielt langanhaltenden Applaus von Parteigenossen wie Gästen.

Kampf für die Arbeiterschaft

Zuvor gab es einige Grußworte, beispielsweise vom Ortsvereinsvorsitzenden Alexander Saade. Auch er betonte die historischen Anfänge der SPD im Kampf für die Arbeiterschaft und rief dazu auf, sich dieser Ideale zu erinnern. Auch Thomas Oppermann, Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Göttingen, sprach von der Teilhabe aller am kulturellen wie gesellschaftlichen Leben als Grundidee der Partei, die gerade heute vielleicht wieder so aktuell ist wie lange nicht. „Osterode ist für mich eine echte Keimzelle der SPD“, fügte er hinzu, „weil hier Politik gemacht wird, mit der die Menschen etwas anfangen können. Mehr davon würde auch der Bundes-SPD guttun.“
Der niedersächsische SPD-Generalsekretär Alexander Saipa wandte sich unter anderem an den CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Roy Kühne und war sich sicher, dass dieser nach der Veranstaltung mit einem anderen Parteibuch rausgehe als das, mit dem er reingekommen sei. (Dem Eseltreiber liegen allerdings bis jetzt keine Informationen über einen Parteiwechsel Dr. Kühnes vor.)

Keine ideologischen Grabenkämpfe

Landrat Bernhard Reuter schlüsselte dann noch einmal auf, warum gerade die Osteroder SPD so erfolgreich sei. Das liege zum einen in der tiefen Verwurzelung in der Arbeiterbewegung, was sich unter anderem in der Person des Ehrenbürgermeisters Wolfgang Dernedde zeige, zum anderen am starken Augenmerk auf Gleichstellung, wobei er hier an seine frühere Stellvertreterin Gerlinde Menzel dachte. Außerdem habe man hier nie vergessen, dass die Partei für die Menschen da ist und nicht dafür, ideologische Grabenkämpfe zu führen. Zuletzt lobte auch Bürgermeister Klaus Becker die Partei, die sich immer engagiert habe, jenen eine Stimme zu geben, die sonst oft kaum gehört werden, und erwähnte dabei insbesondere all jene, die in den vergangenen Jahren Flüchtlingen die Integration in Osterode erleichtert haben. „Darauf bin ich als Bürgermeister dieser Stadt sehr stolz.“ Außerdem dankte er für die stets gute politische Zusammenarbeit.


Sigmar Gabriel

Alexander Saade

Thomas Oppermann

Alexander Saipa

Bernhard Reuter

Klaus Becker

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