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15.05.2018

Kommentar zum Vortrag Peter Hahnes


von Christian Dolle

Peter Hahne war schon immer jemand, der mit seinen Büchern auch ganz bewusst provozierte. So weit, so gut. Doch wenn er von Muslimen spricht, die hier Parallelgesellschaften aufbauen, in denen Frauen unterdrückt und Ehrenmorde legitimiert werden, dann bedient er sich mindestens populistischer Rhetorik, die weit über Provokation hinaus geht.

Er spricht davon, dass in der Präambel des Grundgesetzes von Gott und nicht Allah die Rede ist. Jene Zeilen, in denen es wenig später heißt: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden“, spielen für Hahne in diesem Zusammenhang keine Rolle. Das ist in jedem Fall eine Verzerrung, deren Wirkung sich ein renommierter Journalist ganz sicher bewusst ist.

Auch die Verweise auf die Talkshow mit Sandra Maischberger, in der angeblich alle Gutmenschen und Feministinnen gegen ihn waren, wirkt ein wenig schräg, wenn man weiß, dass einer der fünf Gäste der Rapper Bushido war, der nun nicht unbedingt im Ruf steht, Gutmensch oder Feminist zu sein. Hier nimmt Hahne ganz bewusst jene „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“-Rolle ein, die sonst vor allem Vertreter des rechten Randes unserer Gesellschaft für sich gepachtet haben.

Bleibt der Hinweis auf unsere christlichen Werte, die sich unter anderem aus dem Gleichnis des Barmherzigen Samariters ableiten. Hier geht Hahne mit keinem Wort darauf ein, dass mit besagtem Gleichnis eigentlich definiert wird, wie die christliche Nächstenliebe zu verstehen ist und dass letztlich auch jegliches Asylrecht genau darauf fußt. Gerade christliche Werte haben nämlich nichts mit der Verteidigung des Nationalstaates gegen fremde Kulturen zu tun, sondern fordern uns zu Barmherzigkeit und Toleranz auf.

In diesem Zusammenhang fällt mir immer wieder ein Vortrag von Superintendent Volkmar Keil ein, in dem es ebenfalls um den Untergang des christlichen Abendlandes ging. Verantwortlich dafür seien ganz sicher nicht die Flüchtlinge, so Keil damals, vielmehr sei das sogenannte christliche Abendland längst untergegangen als die Industrialisierung Produktivität und Effizienz als Werte über die humanistischen und sozialen in unserer Gesellschaft stellte.

Wenn wir uns somit heute auf unsere Werte besinnen sollten, dann sind es jene, die Deutschland und Europa als weltoffen, tolerant und friedlich prägten und nicht jene, mit denen Hass auf andere Kulturen und Religionen geschürt werden soll.

Den Bericht über die Veranstaltung finden Sie hier.

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