Kultur / Vorgemerkt

21.03.2018

Poesie in Sand


Irina Titova entführt im April in der Stadthalle in 80 Bildern um die Welt

von Christian Dolle

Sand, eine beleuchtete Glasplatte und eine Kamera sowie eine Leinwand – mehr braucht Irina Titova nicht, um geradezu magische Geschichten zu erzählen. Es sind Bilder, die so flüchtig sind wie das Leben selbst. Sie entstehen mit wenigen Handstrichen und sind kurz darauf schon wieder vergangen. Ein fast buddhistischer Gedanke, räumt die Sandmalerin ein, die es versteht, mit ihrer Kunst etwas Einzigartiges zu schaffen, das nur für den Moment besteht.

Mit wenigen Handgriffen entsteht ein Bild des Eiffelturms, einzig und allein aus Sandkörnern geformt und an die Wand projiziert. Schon Augenblicke später verändert die russische Künstlerin dieses Bild, lässt einen Globus entstehen und dann das Taj Mahal, die New Yorker Skyline und vieles mehr. Mit ihren Bildern erzählt sie die berühmte Geschichte Jule Vernes von der Reise in 80 Tagen um die Welt – bei ihr sind es 80 Bilder, mit denen sie ihre Zuschauer auf eine Reise in die Fantasie entführt.

Am Sonntag, 22. April, ab 18 Uhr wird Irina Titova mit ihrer Show „SandSation“ in der Osteroder Stadthalle gastieren, jetzt gab sie schon einmal einen kleinen Einblick in diese außergewöhnliche Kunstform, die eigentlich allem widerspricht, was heute technisch machbar und vor allem immer wieder reproduzierbar ist. Die Idee dazu kam ihr vor neun Jahren bei der Arbeit mit autistischen Kindern, entwickelte sich innerhalb eines halben Jahres Planungszeit zu dem, was die Show jetzt ausmacht. Der Gedanke der fließenden Veränderung ihrer Bilder gefällt ihr besonders, da eben auch im Leben alles in einem stetigen Fluss ist, sagt sie.

Es sei wie eine bebilderte Geschichte, die Kindern abends vor dem Schlafengehen vorgelesen wird, glaubt sie, gelesen in diesem Fall übrigens von Synchronsprecher Joachim Kerzel, unter anderem der deutschen Stimme von Jack Nicholson. Dessen markanter tiefer Stimme steht allerdings die Leichtigkeit entgegen, mit der die Künstlerin ihre Bilder malt, was mitunter fast tänzerisch wirkt, so leicht als könne jeder von uns einfach ein paar Sandkörner nehmen und damit fantastische Welten entstehen lassen. Dass es derzeit nur zwölf Sandkünstler gibt, von denen Irina Titova eine der ersten war, zeigt, wie besonders diese Art der Kunst jedoch ist.

Ein Besuch der „SandSation“ in der Stadthalle könnte sich also lohnen, sei es, um Poesie in Sand zu genießen oder einfach eine bekannte Geschichte völlig neuartig erzählt. Doch eines ist sicher: Am Ende der Show werden all die Bilder für immer verschwunden sein, denn wenn die Bilder auch per Kamera auf die Leinwand gebannt werden, aufgezeichnet wird die Show nicht und ist daher jedes Mal erneut einzigartig.





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