Kultur

12.02.2018

Wo viel Licht ist, ist leider auch viel Schatten


„Amazing Shadows“ - Amerikanisches Schattentheater in der Osteroder Stadthalle

von Christian Dolle

Schattentheater funktioniert, weil unser Gehirn Silhouetten ein klares Bild zuordnet. Es ist also immer unsere Fantasie, die die durch Licht und Schatten entstehende Figuren mit Leben erfüllt. Auf diese Weise wird mit der Vorstellung gespielt und es können märchenhafte Geschichten erzählt werden. In Asien hat das eine jahrhundertealte Tradition, in der Moderne können auch andere Kunstformen wie Tanz und Videoprojektionen hinzukommen, so dass völlig faszinierende Welten entstehen.

Das war wohl auch die Absicht des US-amerikanischen Ensembles „The Silhouettes“, die mit der Show „Amazing Shadows“ am vergangenen Samstag in der Osteroder Stadthalle zu sehen waren. Die Schauspieler und Tänzer agierten nicht vor, sondern hinter der Leinwand, allein ihre Schatten erzählten eine Liebesgeschichte mit vielen oft nur durch die Körper dargestellten Schattenfiguren.

Das tanzende Liebespaar kam ebenso zum Einsatz wie ein Hund, ein Pferd und ein Kamel oder auch der Eiffelturm und das Brandenburger Tor, meist nur mit Hilfe weniger Requisiten dargestellt. Die einzelnen Bilder sorgten durchaus für Szenenapplaus, wenn auch angemerkt werden muss, dass andere Shows manches schon präziser dargeboten haben und das Schattenbild dort auch erkennbar ist, ohne hinterher ein Foto des Originals auf die Leinwand zu projizieren.

Zudem wiederholten sich etliche Szenen und Figuren im Laufe der Geschichte immer wieder, so dass die anfängliche Faszination allmählich der Langeweile wich und die Show alles in allem etwas gestreckt wirkte. Das alles aber wäre ja nicht so schlimm, wenn denn nicht die dargestellte Geschichte so unglaublich kitschig gewesen wäre. Eine absolut vorhersehbare, belanglose und vor allem schwülstige Liebesgeschichte, die tatsächlich überlebensgroße pinkfarbene Herzen benötigte, um Emotionen zu erzeugen. Das Ganze untermalt mit überzogener Musik und vor allem hinterlegt mit Hintergrundbildern und Videosequenzen, die in jedem Werbespot individueller und durchdachter wirken.

Für Fantasie war in dieser Show wahrlich kein Platz, „viel zu amerikanisch“ urteilten einige Besucher. Wenn Deutschland durch einen Biergarten und bayrische Musik dargestellt wird, dann wird nun einmal deutlich, dass hier Klischees statt frischer Ideen geliefert werden. Ein bisschen weniger Austauschbarkeit, ein bisschen weniger krampfhaft gewollte große Bühnenshow und dafür mehr Kreativität und Liebe zum Detail hätte dieser Produktion gut getan. Weniger ist nun einmal meist mehr, doch das scheint man in den USA ja oft anders zu sehen.




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