Panorama / Ausflugsziele

10.02.2018

Bei Kerzenschein eintauchen in das mittelalterliche Klosterleben


von Corina Bialek

Eine Besuch im Kloster Walkenried lohnt sich zu jeder Tageszeit. Allein im doppelschiffigen Kreuzgang des Klosters, der als einer der schönsten der Gotik gilt und für seine phantastische Akustik bekannt ist, gibt es viel zu entdecken. Jedes Säulenkapitell und jeder Schlussstein in dem Rippengewölbe trägt ein anderes Motiv. Diese sind bei einer Führung im Kerzenschein allerdings nur Schemenhaft zu erkennen, dafür erzeugt das Licht hunderter Kerzen eine ganz eigenen Atmosphäre und lässt die Besuchern in die einstige Abgeschiedenheit und Stille der Klausur eintauchen.

Bei den geführten Klosterrundgängen erfährt man viel über das Leben der Mönche und die wechselvolle Geschichte des Klosters das bereits 1129 gegründet wurde. Ursprünglich im romanischen Stil erbaut, wurde 1290 die gotische Klosterkirche und der zweischiffige Kreuzgang fertiggestellt. 40 Jahre später die gotische Klausur.

Man wandelt durch besagten Kreuzgang, den Lesegang und sieht sprichwörtlich die Mönche an beiden Seiten auf Bänken sitzen in ihre Lektüre vertieft. Erfährt, dass das Schweigegebot nur zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten aufgehoben war, so im Kapitelsaal wo täglich aus der Benediktsregel gelesen und alle wirtschaftlichen oder rechtlichen Entscheidungen getroffen wurden. Seit Ende des 16. Jh. wird der Kapitelsaal bis heute als Kirchenraum genutzt.

Auf dem Weg zum Brunnenhaus, wird auch dem Karzer ein Besuch abgestattet, ein unwirtlicher sehr kühler Ort, wo Klausurbrüder bei groben Regelverstößen ihre Strafe absitzen mussten. Wenn man bedenkt, dass es gerade im Winter alles andere als heimelig warm im Kloster war keine schöne Vorstellung. Am Brunnen im Brunnenhaus wurde das Weihwasser entnommen und die Brüder wuschen sich hier vor jeder Mahlzeit Gesicht und Hände und schnitten sich hier auch gegenseitig die Tonsur und den Bart.

Die Führungen für Familien sind interaktiv gestaltet und machen das Gehörte nicht nur für Kinder greifbarer und in mach einem mag die Sehnsucht aufgekommen sein, sich der alltäglichen Hektik und Reizüberflutung für eine kurze Zeit hinter Klostermauern zu entziehen. Doch es wird bei den sehr anschaulichen Erzählungen der beiden Führerinnen mehr als deutlich - das Leben damals war kein Frotteeschlafanzug, auch wenn es den Brüdern und Schwestern in den Klöstern, bei allen auferlegten Regeln, meist besser ging als dem gemeinen Fußvolk.






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v.l.: Christine Schwamborn und Andrea Wermter berichten bei den Führungen sehr anschaulich vom Klosterleben

 

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