Kultur

12.01.2018

Wenn im Traum das Fagott mit der Flöte spricht


Neujahrskonzert des Göttinger Symphonieorchesters und Abschied von Christoph-Mathias Mueller

von Christian Dolle

Für Laien ist es mitunter schwierig, den richtigen Zugang zu klassischer Musik zu finden. Bei den Neujahrskonzerten des Göttinger Symphonieorchesters in der Stadthalle Osterode ist das anders. Das liegt nicht nur daran, dass traditionell immer viele Stücke des „Walzerkönigs“ Johann Strauß im Programm sind, sondern auch an Dirigent Christoph-Mathias Mueller, der humorvoll durch den Abend führt und es dabei immer wieder schafft, auch den weniger musikalisch Gebildeten die Besonderheiten der Stücke zu verdeutlichen.

„Hier spricht das Fagott mit der Flöte“, erläuterte er am Mittwoch beispielsweise beim Titel von Hans Christian Lumbye. „Dieses Changieren zwischen Dur und Moll sorgt dafür, dass es so wienerisch-morbid klingt“, kommentierte er Emil Nikolaus von Rezniceks „Wind- und Wellenwalzer. „Es beginnt traumhaft mit einem Tremolo der oberen Streicher“, leitete er Émile Waldteufels „Mein Traum“ ein. Und tatsächlich: Wenn Mueller auf diese Feinheiten hinweist, werden sie anschließend auch nachvollziehbar.

Solistin Asya Fateyava

Das wiederum mag auch daran liegen, dass das Göttinger Symphonieorchester weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt ist, unter anderem im vergangenen Jahr den Echo Klassik verliehen bekam und schlicht für Musik auf höchstem Niveau steht. Zu den Neujahrskonzerten in Osterode präsentieren sie zudem immer wieder großartige Solisten, wie in diesem Jahr die klassische Saxophonistin Asya Fateyeva, ebenfalls preisgekrönt.

Sie entführte an diesem Abend beispielsweise mit André Caplets „Legende für Altsaxophon und Orchester“ in melancholisch-düstere Traumwelten, die zunächst so gar nicht zum übrigen Programm passen wollten. Doch das Motto des Abends lautete nun einmal „Träume“ und die können ja bekanntlich mal schwärmerisch, mal beschwingt und manchmal auch eher nachdenklich sein.

13 traumhafte Konzerte

Am Ende machte genau diese Mischung den Reiz aus, dieses durchaus breite Spektrum klassischer Musik, bei dem in der Zugabe sogar das Lied „Träume“ von Richard Wagner kurz vor dem abschließenden Radetzky-Marsch seinen Platz fand. Selbst diejenigen Zuhörer, die nicht gezielt darauf achteten, welches Instrument mit welchem spricht oder wann die Streicher träumen, kamen voll auf ihre Kosten, denn das haben Musik und Träume schließlich gemeinsam: sie funktionieren auch rein über das Unterbewusstsein und müssen nicht zwingend analysiert werden.

Leider war dieses Neujahrskonzert auch das letzte für Christoph-Mathias Mueller, der nach 13 Jahren nun seinen Hut – oder in diesem Fall seinen Taktstock – nimmt. Osterodes stellvertretender Bürgermeister Peter Wendlandt und Stadthallen-Chef Michael Stein dankten dem Dirigenten für 13 „traumhafte“ Konzerte, mit denen er hier für bleibende Eindrücke sorgte. Er habe diesen Job gern gemacht, so Mueller, auch jetzt, wo es ein Auftritt im eigenen Landkreis ist. Das Lob jedoch spielte er herunter und meinte, es gebühre dem Orchester. Nicht nur, Maestro, nicht nur.




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