Kultur / Federkiel

10.12.2017

Das allerletzte Einhorn - Teil 2


Ein interaktives Weihnachtsmärchen zum Mitraten

Liebe Leser, hier nun der zweite Teil unseres Märchens, bei dem es an den Adventssonntagen einige ausgesuchte Preise zu gewinnen gibt.

Ein Gutschein über 15 Euro des Spielzeugladens in Osterode geht diesmal an den Versender der dritten Mail mit der richtigen Lösung an admin@eseltreiber.de. Viel Glück.

Teil 2 – Wie viele Einhörner passen auf die Weide?

von Christian Dolle

Wenn auf dem rechten Tor die Wahrheit steht, müsste das linke Schild eine Lüge sein, dachte sie sich. Das kann aber nicht sein, denn dann würde auch der andere Satz nicht stimmen. Zielsicher drückte sie die Klinke des linken Tores herunter und gelangte sicher aus dem elterlichen Schloss.

Auf ihrem kleinen Esel ritt sie los durch das Land, in dem es nun dunkel und trist geworden war. Je weiter sie kam, desto mehr Wolken schoben sich vor den Mond und um sie herum herrschte undurchdringliche Dunkelheit. Selbst nach vielen Stunden als die Sonne längst hätte aufgehen sollen, wurde es nicht heller. Der Himmel wurde zu einer grauen Masse und das Land lag verlassen in fahlem Licht.

Normalerweise liebte die Prinzessin es, einfach in den Himmel zu schauen, in den Wolken Bilder zu sehen und sich dazu Geschichten auszudenken. Oder dem Gesang der Vögel im Wald zu lauschen und zu ihren Liedern zu tanzen. Doch jetzt waren die Vögel verstummt und die Bäume hatten ihre Blätter abgeworfen. Alles um sie herum war kahl, sah unglaublich traurig aus und am grauen Himmel zogen Geier mit weiten schwarzen Schwingen bedrohlich ihre Kreise.

Allmählich fragte sie sich, ob es richtig gewesen war, allein loszuziehen. Doch wen hätte sie fragen sollen, sie zu begleiten. Die Männer waren mit ihren Brüdern in die Schlacht gegen den bösen Zauberer gezogen, so dass es in den Dörfern nur noch Frauen und Kinder gab, die sich aber in den hintersten Winkeln ihrer Häuser versteckten. Heute würden sich die meisten Frauen sicher nicht mehr gefallen lassen, wenn ein böser Zauberer ihnen die Sonne verdunkelt. Zumindest sollte es so sein, dass Frauen sich nichts gefallen lassen, egal, ob von bösen Zauberern oder anderen Bösewichten. Aber damals im Märchenland war das eben noch anders und die Menschen lebten ohnehin in klaren, mit wenigen Worten zu beschreibenden Gesellschaftsstrukturen. Nur so ist es wohl auch zu erklären, dass böse Zauberer einfach so die Welt unterjochen konnten, denn in einer freien und individuellen Gesellschaft ist so etwas deutlich schwerer.

Aber zurück zu unserer Prinzessin. Immerhin war das arme Kind mittlerweile allein im dunklen Wald unterwegs, dessen Bäume noch dunklere Schatten warfen. Selbst der kleine Esel blickte sich jetzt ängstlich nach allen Seiten um als vermute er eine schreckliche Bedrohung. Die Königstochter aber nahm all ihren Mut zusammen und ritt weiter bis der Wald sich endlich lichtete und den Blick auf ein ihr unbekanntes Land freigab.

In der Ferne erblickte sie vier Türme, zwei hellere und zwei dunklere. Auch das Land an sich schien ihr in helle und dunkle Felder unterteilt und zu ihrer Linken wie auch zu ihrer Rechten machte sie die Burgen zweier Könige aus, ein helles und ein dunkles. Allerdings war auch dieses Land menschenleer, die Bauern waren von den Feldern verschwunden und auch die beiden Burgen lagen verlassen da.

Dieses Land war schon vor langer Zeit vom Zauberer überfallen worden, der nicht nur böse war, sondern auch ein echter Spielverderber, sagte sich die Prinzessin. Wenn sie ihn stellen wollte, dann war sie also auf dem richtigen Weg. Allmählich kehrte auch ihr Mut zurück, denn wenn sie sich ansah, was der Zauberer anrichtete, dann kam ihr auch eine Idee, wie sie ihm eventuell entgegentreten konnte.

So zog sie durch das schwarz-weiße Land und traf schließlich auf einen Bauern, der gebückt und mit hängenden Schultern an einem Weidezaun lehnte. Ihn wollte sie nach dem Weg zur Höhle des Zauberers fragen, entschied sie. Bevor er ihr half, müsse sie aber ihm helfen, verlangte der traurige Bauer. Es gab da nämlich eine Aufgabe, die ihm schon seit vielen Jahren Kopfzerbrechen bereitete. „Ich habe Einhörner gezüchtet, auf einer Weide, die wie ein Schachbrett aussieht“, erklärte der Bauer, „Und Einhörner bewegen sich auf der Schachbrett-Weide ja genau wie Springer, immer ein Feld gerade und ein Feld schräg.“ Die Prinzessin nickte und bat ihn, ihr sein Problem zu erklären. „Ich frage mich: Wie viele Einhörner kann ich höchstens auf eine Weide stellen, so dass keines ein anderes schlagen kann?“

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