Kultur / Vorgemerkt

03.11.2017

Sagen müssen nicht immer alt sein


Carsten Kiehne stellt Sagen aus dem Südwestharz vor

von Christian Dolle 

Sie erzählen von spannenden Ritualen, von Kultorten, von Ereignissen, die den Verstand übersteigen. Der Harz ist voll von Sagen und in kaum einer anderen Landschaft wirken sie so glaubhaft wie in den Bergen und Wäldern des mystisch wirkenden Mittelgebirges. Carsten Kiehne befasst sich seit langem mit all den Sagen, bereist die Orte der Region, um fast vergessene Geschichten aufzudecken und niederzuschreiben.

„Es hat viel mit Heimatliebe zu tun“, sagt er, „in den alten Erzählungen werden viele geschichtliche Dinge transportiert und sie ermöglichen uns heute einen neuen Zugang zur Natur.“ Inzwischen hat Kiehne, der sich mehr als Chronist, denn als Autor sieht, mehr als 300 Sagenbücher aus der Region und mehr als 3000 Geschichten gesammelt. Seine Profession ist es allerdings nicht nur, diese Sagen für die Nachwelt festzuhalten, sondern auch, sie spannend zu erzählen und somit wieder Menschen für die alten Überlieferungen zu begeistern.

Auftakt zu einer Veranstaltungsreihe

Auch im Gebiet zwischen Walkenried, Bad Lauterberg und Osterode war Carsten Kiehne unterwegs und war erstaunt, wie schnell er mit dem, was er entdeckte, sein Buch „Sagenhafter Südwestharz“ füllen konnte. In der kommenden Woche wird er in der Buchhandlung Moller in Bad Lauterberg daraus lesen.

Die „sagenhafte“ Lesung ist dann auch gleich der Auftakt einer ganzen Veranstaltungsreihe. „Hingelauscht – Zu Gast beim Buchwichtel“ nennt sie sich und Buchhändlerin Susanne Kinne möchte hier regelmäßig Autoren und Bücher präsentieren, die sie und ihr Team besonders beeindrucken. Im Januar beispielsweise ist dann die Autorin Anne Jacobs zu Gast, die mit ihrer Familiensage „Die Tuchvilla“ auf des Bestsellerlisten landete. Es sind also völlig verschiedene Genres, die in der Reihe präsentiert werden.

Die Sage von den Buchwichteln

Auch bei Sagen macht letztlich die Verschiedenheit den Reiz aus, findet Carsten Kiehne. Zudem ist sein Begriff von der Sage, wie er sagt, sehr weit gefasst. „Es gibt einen mystischen Aspekt und anders als Legenden und Märchen sind sie an einen Ort gebunden. Allerdings muss eine Sage nicht zwingend alt sein.“ Sie entwickeln sich also auch heute noch und erst in einigen Jahrzehnten wird man sehen, welche heute erzählten Geschichten überliefert werden.

Somit könnte sich also auch die Geschichte der Buchwichtel, die in der Buchhandlung Moller leben und manchmal dafür sorgen, dass Bücher aus dem egal poltern, eines Tages zu einer Sage werden. Mystisch ist sie, an einen Ort gebunden sowieso und letztlich hat sie auch eine moralische Botschaft oder eine Lehre, wenn man so will. Welche das ist? Nun ja, die Buchwichtel sind ein Loblied auf die Fantasie und sie halten dazu an, immer kreativ zu bleiben und uns selbst vielleicht auch nicht ganz so ernst zu nehmen, sagt Susanne Kinne.

Wer mit dieser Botschaft etwas anfangen kann, der ist am Freitag, 10. November, um 19 Uhr herzlich in die Buchhandlung Moller, Hauptstraße 133 in Bad Lauterberg zur Harzer Sagenlesung mit Carsten Kiehne eingeladen. Getränke und Häppchen werden ebenfalls angeboten und vielleicht lässt sich ja auch der eine oder andere Buchwichtel blicken.



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