Regionales / LK/Stadt Göttingen

02.10.2026

Fachwerk im Wandel: Wärmewende in historischen Altstädten


v.l.: Frithjof Look, Doreen Fragel, Gehard Krenz (KEAN, moderierte die Veranstaltung), Eike Bronn (KEAN)

Fachtagung in Göttingen bringt Fachleute aus Bauverwaltung, Klimaschutz, Denkmalschutz und Planung zusammen

...Léa Georges/Energieagentur

Göttingen. Wie kann die Wärmewende in historischen, eng bebauten Altstädten gelingen? Dieser Frage widmete sich die Fachtagung „Fachwerk im Wandel 2026“ im Göttinger Kino Méliès. Im Rahmen der niedersachsenweiten Kampagne „Wochen der Wärme“ hatten die Energieagentur Region Göttingen e.V., die Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen (KEAN), die Stadt Göttingen und der Landkreis Göttingen zu dem Fachtreffen eingeladen.

Rund 65 Teilnehmer*innen aus niedersächsischen Fachwerkstädten und weiteren Kommunen nutzten die Veranstaltung zum fachlichen Austausch und zur Vernetzung. Im Mittelpunkt standen konkrete Ansätze für eine klimafreundliche Wärmeversorgung, die besonderen Anforderungen denkmalgeschützter Gebäude sowie die Frage, wie sich historische Innenstädte zukunftsfähig weiterentwickeln lassen.

„Die kommunale Wärmeplanung ist ein wichtiger Schritt. Entscheidend ist nun, aus den Planungen konkrete Projekte und Maßnahmen zu entwickeln“, sagte Frithjof Look, Stadtbaurat der Stadt Göttingen, zur Eröffnung der Veranstaltung. „Gerade in historischen Altstädten brauchen wir Lösungen, die Klimaschutz, Denkmalschutz und die Zukunftsfähigkeit unserer Innenstädte zusammenbringen. Göttingen möchte dazu den Austausch mit anderen Fachwerkstädten fördern und von ihren Erfahrungen lernen.“

Der Vormittag stand unter dem Titel „Gebäude in der Wärmewende.

Jörg Haberl von der Stadt Göttingen stellte die denkmalgerechte Sanierung des Fachwerkhauses Düstere Straße 8 im Kunstquartier vor. Teile des Gebäudes gehen auf die Jahre 1528/29 zurück. Seit 2024 wird es unter Berücksichtigung heutiger Anforderungen an Statik, Brandschutz, Haustechnik und Wärmeschutz saniert. Die Wärmeversorgung soll künftig über Nahwärme aus dem Blockheizkraftwerk des benachbarten Kunsthauses erfolgen. Die Fertigstellung ist für Mitte 2027 vorgesehen.

Die Architektin Stefanie von Heeren gab am Beispiel der Mittelstraße 9 in Hannover Einblick in die geplante Sanierung eines historischen Fachwerkensembles aus dem 17. Jahrhundert. Das Baudenkmal soll zu modernen Büroflächen umgenutzt werden. Vorgesehen ist unter anderem eine Geothermie-Wärmepumpe, eine besondere Lösung für ein Sanierungsvorhaben im historischen Bestand.

Sven Kersten von NIBE Climate Solutions widmete sich Wärmepumpen und Blockheizungen. Ein besonderes Augenmerk lag auf der Installation von Wärmepumpen auf Dachböden, eine mögliche Option, wenn die Platzverhältnisse in historischen Gebäuden herausfordernd sind.

Die Beispiele zeigen, wie unterschiedlich die Lösungen für historische Gebäude ausfallen können: In der Düsteren Straße 8 ist eine Nahwärmeversorgung über das benachbarte Kunsthaus vorgesehen, für die Mittelstraße 9 eine Geothermie-Wärmepumpe. Zugleich wurde deutlich, dass solche Vorhaben individuelle Konzepte, sorgfältige Planung und eine enge Abstimmung zwischen Eigentümer*innen, Energieberater*innen, Bauverwaltung und Denkmalschutz erfordern.

Ingo Geestmann, Geschäftsführer der Energieagentur Region Göttingen e.V.: „Unsere Fachwerkhäuser haben Jahrhunderte überdauert. Die heutigen Beispiele zeigen, dass wir sie auch für eine klimafreundliche Zukunft fit machen können. Dafür braucht es Lösungen, die zum jeweiligen Gebäude und seinem Umfeld passen.“

Am Nachmittag standen stadtplanerische Perspektiven und kommunale Strategien im Mittelpunkt.

Vorgestellt wurden unter anderem Überlegungen zur zukünftigen Wärmeversorgung der Celler Altstadt, die Arbeit der Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt eG sowie die zukunftsorientierte Sanierung des Johannistorhauses in Osterode am Harz.

Doreen Fragel, Erste Kreisrätin des Landkreises Göttingen, erklärte: „Die Wärmewende findet nicht abstrakt statt, sondern in unseren Städten, Quartieren und Gebäuden. Gerade im Landkreis Göttingen gibt es viele Kommunen mit wertvollen historischen Baustrukturen. Der heutige Austausch zeigt, wie wichtig regionale Zusammenarbeit und der Blick auf konkrete Lösungen sind.“

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie Fachwerkstädte nach Abschluss ihrer Wärmeplanung ins Handeln kommen können.

Die Beiträge machten deutlich, dass neben technischen Lösungen auch neue Finanzierungs- und Beteiligungsmodelle, verlässliche Beratungsangebote sowie eine enge Zusammenarbeit verschiedener Akteur*innen erforderlich sind.

Zum Abschluss konnten die Teilnehmer*innen zwischen zwei Stadtführungen wählen: Eine führte durch die historische Göttinger Altstadt, die andere stellte die „Grünen Hausnummern“ in Göttingen vor. Beide Angebote boten Gelegenheit, die Gespräche des Tages vor Ort fortzusetzen.

Hintergrund

Die Fachtagung „Fachwerk im Wandel 2026“ fand am 30. September 2026 im Kino Méliès in Göttingen statt. Veranstalter waren die Energieagentur Region Göttingen e.V., die Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen, die Stadt Göttingen und der Landkreis Göttingen. Die Veranstaltung war Teil der niedersachsenweiten Kampagne „Wochen der Wärme“.

Die Fachtagung richtete sich insbesondere an Vertreter*innen aus Bauverwaltungen, Klimaschutzmanagement und Denkmalschutz sowie an Architekt*innen, Energieberater*innen und weitere Fachleute, die in niedersächsischen Fachwerkstädten an der Wärmewende arbeiten.

 

Foto, v.l.n.r.: Frithjof Look, Doreen Fragel, Gehard Krenz (KEAN, moderierte die Veranstaltung), Eike Bronn (KEAN)

 

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