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26.09.2026
Informativer Besuch und Gedankenaustausch auf dem Bioland-Hof Wehmeyer in Düna

v.l.: Daniel und Johanna Wehmeier, Dr. Ulrike Witt, Bärbel Diepel-Geries, Markus Gerhardy
von Corina Bialek
Kürzlich statteten die Landratskandidatin Dr. Ulrike Witt, Bärbel Diebel-Geries, Vorst. des Landschaftspflegeverbands Göttingen und Markus Gerhardy, Kreislandwirt und Vorst. des Landvolks Göttingen dem Bioland-Hof Wehmeyer in Düna einen Besuch ab. Im Mittelpunkt der Gespräche mit Daniel Wehmeyer standen die landwirtschaftliche Praxis sowie die Zucht und Nutzung des Harzer Roten Höhenviehs.
Daniel Wehmeyer berichtete, dass er den elterlichen Betrieb im Jahr 2002 im Alter von 20 Jahren übernahm und ihn dann schrittweise zu einem Bioland-Betrieb ausbaute. Heute bewirtschaftet er rund 180 Hektar Ackerland und 350 Hektar Grünland mit starkem Fokus auf Landschaftspflege sowie der Zucht und Direktvermarktung der regionalen Rasse Harzer Rotes Höhenvieh. Von dieser Rasse hält der Betrieb derzeit 80 Mutterkühe und insgesamt ca. 245 Rinder. Daniel Wehmeyer führt dabei eine historische Zuchtlinie aus dem Landkreis Osterode fort. Aufgeteilt auf neun Herden beweiden die Rinder Grünland und Naturschutzflächen vorwiegend im Hainholz und auf den Oberharzer Bergwiesen. Die vierbeinigen Landschaftspfleger verhindern das Verbuschen der Hänge und halten die Kulturlandschaft offen und sorgen durch die Beweidung auch für eine große Artenvielfalt.
„Die Tiere behalten ihre Hörner wodurch sie z.B. auch gegen Luchse wehrhaft sind“, erläutert Wehmeier beim Besuch einer nahegelegenen Weide. „Den Winter verbringen die Tiere dann bei uns im Offenstall mit 9 m² Platz pro Kopf. Die Rasse könnte zwar auch in den kalten Monaten auf der Weide stehen, aber auf Naturschutzflächen darf im Winter nicht zugefüttert werden und der feuchte Harzboden ist dann auch nicht befahrbar.“ Der intensive Winterkontakt macht die Tiere besonders zahm. So kam auch die gesamte Herde aus einer Senke angelaufen, als Wehmeier sie rief und den Futtereimer schüttelte.
Der alte Offenstall wurde vor 2 Jahren durch eine Brandstiftung vollständig zerstört und mit ihm verbrannten auch 1.300 Heuballen. Nach einer Bedenkzeit erfolgte dann der Wiederaufbau des neuen Offenstalls und einer davon getrennten Halle für die Heuballen. Sehr positiv sei dabei gewesen, dass die Baugenehmigung innerhalb von sechs Monaten erteilt wurde.
In der Runde wurde auch die Bedeutung der EU-Agrarförderung intensiv diskutiert. Der Biohof Wehmeyer finanziert sich zu 60 % aus der zweiten Säule (Agrarumweltmaßnahmen/Landschaftspflege) und zu 40 % aus der ersten Säule. Kritisiert wurde, dass die Fördergrundlagen der zweiten. Säule noch auf Berechnungen von 2014 basieren, während die Betriebskosten seitdem um ca. 80 % gestiegen sind.
Dr. Ulrike Witt stellte klar, dass Betriebsgröße kein Maßstab für „gute oder schlechte Landwirtschaft“ sei und starre Kappungsgrenzen der Realität von Landschaftspflegebetrieben widersprächen. Zudem wurde von den Anwesenden betont, dass es in der Landwirtschaft nicht nur einen Weg gibt und dass es nicht für alle den gleichen Weg geben kann. Die Region Göttingen ist von sehr unterschiedlichen Betriebsformen geprägt, darunter Vollerwerb, Nebenerwerb, marktfruchtorientierte Ackerbaubetriebe und eben auch divers aufgestellte Biobetriebe.
Schlussendlich gebe es wenige sachliche Gründe für das Narrativ, der große Betrieb sei problematisch und der kleine gut. Hier ist die Politik gefragt, genau hinzuschauen und die Förderrichtlinien entsprechend auszurichten.













