Kultur

21.09.2026

Die große Krimi-Bühne


Dritter Tag des Mordsharz-Festivals in Nordhausen

von Christian Dolle

Åsa Hellberg wollte immer auf die Bühne. Als Sängerin, Täntzerin oder Schauspielerin. Doch es klappte nicht so, wie sie wollte, denn sie ließ sich von Kritik entmutigen. Letztlich schrieb sie ein Buch, in dem sie viele persönliche Erfahrungen verarbeitete, fand auf Anhieb einen Verlag, es folgten weitere Feel-Good-Romane mit Frauenfiguren über 50 als Protagonistinnen, die sie in ihrer Heimat Schweden zu einer Bestsellerautorin machten. 

Dann unterbreitete sie ihrem Verlag, dass sie als nächstes gerne einen Krimi schreiben wollte und dort hatte man Angst, der Genrewechsel könne misslingen. Trotzdem schrieb sie den ersten Band ihrer Vega Varg-Reihe, es wurde ein Erfolg und in Nordhausen war sie beim Mordsharz-Festival vor großem Publikum und mit dem großartigen Uve Teschner als deutsche Stimme zu Gast – und saß auf der Bühne.

Dort verriet sie unter anderem, dass sie für ihre Frauenromane nie einen Plot erstellte, sondern immer einfach drauflos schrieb, weil die Geschichte sich schon irgendwie entwickelte. Allerdings vertraute sie darauf auch bei „Vega Varg – Das Schweigen der Insel“ und wusste anfangs selbst nicht, wie es ausgehen würde. Sonst wäre das Schreiben ja auch langweilig. 

Nikolas Kuhl und Stefan Sandrock haben als Autorenduo eine ganz andere Methode, erzählten sie. Und zwar schreiben sie die Worte immer abwechselnd. Eines Nikolas, dann eines Stefan, dann wieder Nikolas und so weiter. Dass das vielleicht nicht ganz der Wahrheit entspricht, war offensichtlich. Aber auch sonst bewiesen die beiden, dass sie vieles nicht zu ernst nehmen, vor allem sich selbst nicht – die Fälle in ihren Büchern allerdings schon.

Das wiederum führt dazu, dass die beiden einen sehr eigenen Schreibstil haben, der eindeutig dem Genre Krimi zuzuordnen ist und auch härtere Szenen nicht auslässt, aber insbesondere in den Dialogen ihrer Figuren irgendwie auch immer die typische Art der Autoren aufblitzen lässt. 

Das hatte die Mordsharz-Jury ja schon bei ihrem Erstling „Das Dickicht“ überzeugt, so dass die beiden im vergangenen Jahr den Harzer Hammer verliehen bekamen und jetzt mit dem dritten Band der Reihe „Ein Leben zu viel“ erneut zum Festival eingeladen wurden. Der Harzer Hammer bedeute übrigens nicht automatisch großen kommerziellen Erfolg, erzählten die beiden, sei aber als Bestätigung für das schriftstellerische Schaffen unfassbar wertvoll. 

Das Wertvollste für jede Mutter, sind ihre Kinder, sagt Sophie Czerny. Würde jemand ihrem Kind etwas antun, könne sie schnell über Grenzen gehen und den Boden des Rechts verlassen, sagt sie als Juristin. Daher hat sie die Hauptfigur ihres Thrillers „Totensee“ auch so unbequem angelegt, wie sie am Anfang des Buches wirken mag. Die ist nämlich auch Mutter, ihre Tochter ist verschwunden und sie geht über jede Grenze, um ihr entführt geglaubtes Kind zu finden. 

Genau diese Überlegung, nämlich was das Schlimmste wäre, was ihr passieren könne, war auch die Grundidee für den Roman. Den wollte sie schreiben, gar nicht in erster Linie, um Lesern zu gefallen, sondern weil die Geschichte in ihr schlummerte wie das düstere Geheimnis in dem titel gebenden See. Beim Mordsharz-Publikum im Tabakspeicher kam genau das sehr gut an, wie überhaupt dieser dritte Festival-Abend. 


Uve Teschner und Åsa Hellberg


Stefan Sandrock


Sophie Czerny

 

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