Kultur

23.09.2026

Laudatio von Andreas Gruber zum Gewinnes des "Harzer Hammers"


von Christian Dolle

Liebe Krimifreunde, da wir bei Mordsharz das Glück haben, mit Andreas Gruber einen internationalen Bestsellerautor zu unserem engen Kreis zählen zu dürfen, haben wir uns in diesem Jahr etwas Besonderes überlegt. Die Laudatio, die Andreas jedes Jahr zum Harzer Hammer hält, ist für viele Gäste ein Highlight des Festivals. Der Mann versteht es gleichermaßen, Literatur zu würdigen und dabei auf der Bühne unfassbar unterhaltsam zu sein. Um unseren Preisträger Robert Lackner noch einmal besonders zu würdigen, gibt es daher die Laudatio zu "Seidenstraße" als Gastbeitrag von Andreas Gruber. 

LAUDATIO
von Andreas Gruber

Robert Lackner „Seidenstraße“

Dem Buch ist folgendes Zitat vorangestellt: „Verstecke deine Stärken und warte, bis deine Zeit gekommen ist.“ Dieser Spruch stammte vom chinesischen Staatsführer Deng Xiaoping (1904 bis 1997), aber er hätte auch genauso gut von Robert Lackner selbst stammen und sich auf dieses Buch beziehen können.

Robert Lackner ist Jahrgang 1984, Sachbuchautor, Historiker, Germanist und studierte Anglistik in Graz und Paris, hat bei internationalen Organisationen gearbeitet, war Unternehmensberater und Forschungskoordinator und Mitarbeiter am Grazer Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung und war bis 2018 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Austrian Center for Intelligence, Propaganda & Security Studies tätig.

Allein sein Lebenslauf klingt wie ein Polit-Thriller, der einem den Schweiß auf die Stirn treibt.
Sein Roman „Seidenstraße“ ist sowohl politisch, als auch technisch, wirtschaftlich und wissenschaftlich enorm tief und gründlich recherchiert. Aber man merkt diese Recherchen nicht bewusst beim Lesen. Das ist die hohe Kunst des Schreibens, Informationen so zu verstecken, dass sie nicht aufdringlich wirken und nebenbei in Handlung und Dialoge einfließen.

Man fühlt sich als Leser dadurch nicht belehrt, sondern man fühlt sich enorm schlau beim Lesen. Das ist die Höflichkeit des Genies des Autors, komplexe Dinge einfach, verständlich, klar und spannend zu beschreiben.

INHALT

Der ehemalige BND-Agent und Ex-Soldat Max Oster ist inzwischen Sicherheitschef der HTG – der Hamburger Transport Gesellschaft – mit ihren Überseeterminals am Hamburger Hafen.
Eine hochrangige chinesische Delegation kommt nach Deutschland, um einen großen Anteil des Hamburger Hafens zu übernehmen.

Mit der 23-jährigen ambitionierten, aber derzeit suspendierten Journalistin eines Online-Magazins Laura Schneider – eine Figur mit Ecken und Kanten, die sehr ehrgeizig und berechnend agiert – verfolgt er die Spur zu einer weltweiten Verschwörung, die sie beide ins Kreuzfeuer von Polizei und Geheimdiensten bringt.
Motive wie die Schuld am Tod des besten Freundes und die eigene Unschuld an einem Mord zu beweisen, den man nicht begangen hat – und die Jagd nach einer exklusiven Knüllerstory, um frisch gekündigt doch noch zu einem Comeback zu kommen, sind die Motive beider Figuren.

Aber der Hälfte des Romans, als Max Oster und Laura Schneider aufeinandertreffen und beide zusammenarbeiten – es ist die klassische Win-Win-Situation – kommt es noch einmal zu enormem Tempo mit brenzligen Situationen am laufenden Band.

THEMA

Das Thema ist brandaktuell: Wirtschaftskrieg zwischen USA und China, mit Taiwan in der Mitte. Es geht um Intrigen, Verschwörungen und internationale Wirtschaftsspionage. Klingt nicht besonders spannend – ist es aber, vor allem weil es sich so locker und interessant liest.

Beim Lesen stellt man sich unwillkürlich die Frage, ist das jetzt in der Realität auch so passiert, oder hat das der Autor erfunden – und kurz darauf ertappt man sich dann in seiner Freizeit beim Googeln im Internet und kommt drauf, dass es Vieles genauso in der Wirklichkeit gibt.

Robert Lackner vermischt eben gekonnt Wirklichkeit mit Fiktion, wodurch der Plot absolut glaubwürdig erscheint.

FIGUREN

Für die politischen Verschwörungen und komplexen internationalen Verflechtungen, die er beschreibt, benötigt er ein großes Ensemble verschiedenster Figuren und Organisationen mit unterschiedlichen Motiven, wie das LKA Hamburg, der Verfassungsschutz, der Bundesnachrichtendienst, die deutsche Bundesregierung, ausländische Geheimdienste und das Redaktionsteam einer Zeitschrift.

Durch die saloppen Dialoge, in denen viel geflucht wird, und den vielen zynischen Kommentaren, wirken sämtliche Figuren lebensecht.

Allerdings weiß man als Leser nicht genau, wer Freund und wer Feind ist. Wem kann man noch trauen und wer spielt welche Rolle?

STRUKTUR

Mit den vielen Erzählperspektiven-Wechseln, den vielen kurzen Passagen innerhalb der Kapitel und den vielen Schauplatz-Wechseln und hat der Roman ein enormes Tempo.
Am Ende laufen dann alle Handlungsfäden des Plots zusammen, der sich vom 18. bis zum 25. Mai in nur 8 Tagen zuträgt.

Beim großen Showdown im Hamburger Containerhafen stellt sich dann letztendlich heraus, wer in diesem Polit-Thriller zu den Guten und wer zu den Bösen zählt.

Allerdings erfolgt dann aber erst im Epilog, eigentlich sogar auf den letzten vier Seiten des Epilogs, die überraschende wahre Auflösung des Romans, die der Story nochmal einen anderen Sinn gibt.

SCHLUSSWORT

Robert Lackner ist jemand, der weiß, wovon er spricht, und ich hoffe, dass er diesen Weg weiterbeschreitet, weitere komplexe Thriller schreibt, in denen er seine Liebe zum Sachbuch in Form eines gut recherchierten Hintergrunds einbaut.

Falls das nicht sein Plan sein sollte, dann wünsche ich ihm, dass er weiterhin gut recherchierte Sachbücher schreibt, in die er seine Liebe zu Thrillern in Form komplexer und spannender Handlungsstränge einbaut.
Wofür auch immer er sich entscheidet … ich gratuliere herzlich zum Harzer Hammer 2026.


Bestsellerautor Andreas Gruber hielt wie jedes Jahr die Laudatio

Robert Lackner bekam den Harzer Hammer von Mordsharz-Chef Christoph Lampert überreicht

 

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