15.09.2026
Eule, Wolf, Wald – so sieht Mordsharz aus

Interview mit der Mordsharz-Grafikerin Pia Seddigh
...Christian Dolle
Mordsharz lebt natürlich in erster Linie von den Autor*innen und ihren Krimis bzw. Thrillern. Doch ein Festival lebt eben auch von denjenigen, die ihm einen Rahmen geben. Für den einheitlichen Look ist von Anfang an Pia Seddigh zuständig. Sie ist Grafikdesignerin in Berlin und sorgt Jahr für Jahr für das neue Logo, die Bilder im Hintergrund, die das Mordsharz-Festival auf den ersten Blick erkennbar und doch jedes Jahr etwas anders machen.
Wie bist du überhaupt zum Design oder zur Kunst gekommen?
Eigentlich kann man sagen, dass ich aus einer Künstlerfamilie komme. Mein Vater war Künstler und hatte eine Professur an der Kunsthochschule in Braunschweig. Ich und meine zwei Geschwister konnten jederzeit im Atelier meines Vaters malen. Wir bekamen Stifte und Papier, legten uns auf den Boden und malten, während mein Vater an seinen großen Ölbildern oder Zeichnungen arbeitete. Dadurch hatten wir die Möglichkeit, schon früh viele Maltechniken auszuprobieren, von Bleistift und Aquarell bis zur Federzeichnung mit echter Tinte.
Wann war dir klar, dass du das beruflich machen willst?
Als ich nach dem Abitur überlegte, was ich später beruflich mal machen wollte, dachte ich, es wäre schön, etwas zu tun, das mir Spaß macht. Da lag es auf der Hand, dass ich mich nach dem Studium für einen kreativen Beruf entscheiden wollte, und entschloss mich, Grafikdesign an der Hochschule Braunschweig zu studieren.
Worauf kommt es dir bei einem guten Logo und generell bei gutem Design an?
Bei der Gestaltung von Logos versuche ich immer die Kernaussage in ein einfaches Bild umzusetzen. Dabei bevorzuge ich eine klare Formsprache. Das ist nicht immer so leicht umzusetzen, da der Kunde häufig sehr konkrete, oft überladene Bild-Vorstellungen hat. In dem Fall gehe ich von zwei Seiten an die Logo Gestaltung heran. Zum einen erstelle ich Entwürfe in denen ich die Kundenwünsche umsetze. Zum anderen löse ich mich von den Vorstellungen des Kunden und gestaltete Designs, die meinen Vorstellungen entsprechen. Das ist meist der schwierigste Prozess, da ich die vorgegebenen Bilder und Vorstellungen erst mal in meinem Kopf auslöschen muss um ganz neue Ideenansätze zu entwickeln. Meist gelingt es mir aber dadurch den Kunden von einem klaren reduzierten Design zu überzeugen.
Generell, bei gutem Design ist mir eine ausgewogene Komposition wichtig. Dabei spielen die Weißräume oder leeren Räume manchmal eine größere Rolle als die gefüllten Räume. Das Design soll zum Lesen anregen und hübsch aussehen.
Wie kamst du zu Mordsharz?
Mit Christoph Lampert arbeite ich schon seit 2006 zusammen. Er war damals Geschäftsführer der Darßer Arche. Über eine gemeinsame Freundin hat er bei mir angefragt, ob ich die grafische Gestaltung für den ersten Darßer Marathon übernehmen würde. Daraus entwickelte sich eine langjährige Zusammenarbeit und mittlerweile auch eine Freundschaft. Seit Christoph Lampert Geschäftsführer des Brockenhauses ist, habe ich das Glück und die Freude für die grafischen Arbeiten zuständig zu sein und so auch für die Gesamtgestaltung des Mordsharz Festivals. Angefangen hat damals 2011 alles mit dem Mordsharz Logo.
Gibt es ne bestimmte Methode, wie du jedes Jahr an die Gestaltung fürs Festival herangehst?
Die ersten Mordsharz-Designs waren viel reduzierter vorwiegend in rot und schwarz gehalten. Über die Zeit sind wir viel mutiger geworden. Im Laufe der Jahre hat sich die Eule als immer wiederkehrendes Bildelement für das Mordsharz-Festival herauskristallisiert. Jedes neue Mordsharz-Design hat eine eigene Farbsprache und ist mittlerweile eine Art Collage aus Harzelementen, Wald und Bäumen in der die Eule auch in Kombination und Überlappung mit einer wolfsähnlichen Gestalt eingebunden ist.
Was magst du an Mordsharz?
Alles!
Sehr gerne besuche ich selbst das Mordsharz-Festival. Es ist ein tolles Erlebnis, den Geschichten der Krimiautorinnen und Krimiautoren zu lauschen, während man in mystisch beleuchteten alten Gemäuern, die einzigartige Atmosphäre des Harzes erleben kann. Man erlebt die Autorinnen und Autoren hautnah und fast schon wie in privater Wohnzimmer Atmosphäre. Das macht für mich das besondere an dem Mordsharz-Festival aus.
Hast du Mordsharz-Lieblingsmotive?
Mein Mordsharz-Lieblingsmotiv ist eigentlich immer das aktuelle. Ich versuche, jedes Mal das Motiv überraschend anders zu gestalten. Es soll jedes Mal eine kleine Neuheit sein, aber trotzdem den Wiedererkennungswert in sich tragen.
Liest du selber eigentlich Krimis? Und wenn ja welche?
Tatsächlich lese ich Krimis und Thriller am liebsten. Dabei sollte aber auch ein Mord oder Verschwinden vorkommen. :) Ich tauche in die Story ein und kann es kaum erwarten, zu wissen, wie sich die Geschichte auflöst. Ich finde es faszinierend zu erleben, wie eine Autorin oder ein Autor es erreichen kann, dass ich gemütlich zu Hause in meinem Sessel sitze, lese und trotzdem Herzklopfen und feuchte Hände bekomme.


