Kultur

24.08.2026

Die Lollis und die Brechis


Eisbrecher, Lord of the Lost und Clawfinger beim Headbanger Festival

von Christian Dolle

Deutlich mehr als 2000 Menschen zählten die Veranstalter beim ersten Headbanger Festival auf dem Flugplatzgelände in Bad Gandersheim. Das ist im Vergleich mit anderen Metal-Events zwar ein kleines Festival, für die allererste Auflage aber ein großer Erfolg, der nach mehr ruft. Und es ist ja nicht nur die reine Zahl, vor allem nämlich waren die Besucherinnen und Besucher restlos begeistert. Das galt in erster Linie natürlich den Bands.

Clawfinger, Lord of the Lost und Eisbrecher zogen etliche Fans von Braunschweig bis Kassel und zum Teil auch darüber hinaus auf den Flugplatz. Nur für einen Tag, doch für einige inklusive Camping und vor allem viel entspannter als auf den großen Veranstaltungen. Das galt für das gesamte Drumherum, das viele als sehr gut organisiert empfanden. 

Die Schlangen an den Ständen waren nicht zu lang, es gab ausreichend Sitzplätze, in denen viele sehr schnell ins Gespräch mit anderen Musikbegeisterten kamen und der Raum vor der Bühne war ausreichend groß, so dass diejenigen, die nicht ganz vorne stehen müssen, sich alles auch aus ein wenig Entfernung ansehen konnten. Ja, das Wichtigste bei einem Festival ist natürlich die Musik. 

Die begann schon am Nachmittag mit Warkings, und Setyøursails und machte Lust auf drei der großen im Metalzirkus. Clawfinger setzten ein Zeichen mit hartem Crossover-Sound, spielten sozusagen mit einem oft verbreiteten sehr engen Verständnis von Metal. Auch Lord of the Lost sind dafür bekannt, dass sie die Grenzen des Genres manchmal verlassen, so traten sie ja sogar beim Eurovision Song Contest auf. 

Nicht dafür, wohl aber für politische Äußerungen werden sie häufig kritisiert, sagte Frontman Chris Harms. Daher sagte er auch nichts Politisches, doch er und seine Band coverten „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten, was als vom gesamten Platz mitgesungenes Zeichen auch genug aussagte. 

Alexander Wesselsky, Frontman von Eisbrecher echauffierte sich wenig später erst einmal darüber, von Chris als „Die Brechis“ angekündigt worden zu sein. Den Namen hatte dieser den Fans beigebracht, weil seine Band wiederum von  Wesselsky wiederum einst als „Die Lollis“ bezeichnet worden war. Dass die ersten Reihen nun auch noch „Die Brechis, die Brechis“ skandierten, schien den neuen Namen zumindest für die Headbanger-Insider zu etablieren. „Das klingt zwar nach Katzenfutter, aber es ist schon sehr witzig“, gab Alex Wesselsky lachend zu, bevor es garantiert nicht mit Katzenmusik weiterging. 

Allein solche freundschaftlichen Kabbeleien auf der Bühne zeigen ja auch die Dynamik eines solchen Festivals. Es ist eben nicht nur eine perfekte Show, sondern genau wie für die Fans auch für die Musiker eine lebendige Begegnung, die das ausmacht, weshalb sie überhaupt spielen. Da ist ein (noch) kleines Festival natürlich besonders intensiv. Wie groß das Headbanger noch werden kann, wird sich wohl in den nächsten Jahren zeigen, ein erstes Ausrufezeichen wurde am Wochenende in Bad Gandersheim auf jeden Fall gesetzt. 





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