19.08.2026
Der Blutfahrer

Roland Lange präsentiert bei Mordsharz in Wernigerode seinen neuen Krimi „Auf Harz und Nieren“
von Chistian Dolle
Freddie Töpperwien lebt in dem kleinen beschaulichen Ort Bollenstedt am Harz mit seiner Mutter zusammen. Er ist Blutfahrer von Beruf. „Das sind Leute, die Blutproben durch die Gegend kutschieren“, erklärt er es selbst. Klingt heftig? Vielleicht. Auf jeden Fall ist die Hauptfigur des neuen Buches „Auf Harz und Nieren“ von Roland Lange.
Wird es also blutig? Wer weiß...
Freddie bekommt eine Nachricht von Kidnappern, die seine Mutter entführt haben und als „Lösegeld“ 250 Blutkonserven fordern. Ein knallharter Thriller also? Nun ja, fortan lebt Freddie erst einmal allein mit Møpsen zusammen, dem Hund und zweiten (oder vielleicht doch ersten) Liebling seiner Mutter. Møpsen weckt jeden Morgen ganz Bollenstedt, wenn Mama nämlich morgens aufsteht, um auf die Toilette zu gehen und ihn in den Garten lässt. Dann beginnt Møpsen augenblicklich mit seinem „ohrenbetäubenden, keifenden Gekläff“, wie Freddie es beschreibt. Dadurch wiederum wird Metal-Herbie wach, dreht seine Anlage auf und beschallt das friedliche Dorf durch das geöffnete Fenster mit Motörheads „The Hammer“.
Also ist „Auf Harz und Nieren“ einer dieser humorvollen Regionalkrimis? Da Roland ja Teil des Mordsharz-Teams ist, muss an dieser Stelle nicht länger spekuliert werden, er kann die Antworten gleich selbst geben.
- Fällt „Auf Harz und Nieren“ für dich in die Kategorie humorvoller Regionalkrimi oder wie würdest du es beschreiben?
„Humorvoller Regionalkrimi“ trifft es schon, wenn man es als pauschalierende Überschrift versteht. Ich würde allerdings gern noch die Attribute „schräg“ und „schwarzhumorig“ hinzufügen, um es treffender auszudrücken.
- Was war denn zuerst da? Die Idee für die Krimihandlung oder die skurrilen Dorfbewohner?
Das ist nicht so eindeutig zu beantworten. Die skurrilen Dorfbewohner kenne ich ja alle schon recht lange (um Missverständnissen vorzubeugen: nicht alle persönlich). Ich bin immer ein Dorfkind gewesen, habe die meiste Zeit meines Lebens auf dem Land verbracht. Und das sind mittlerweile ein paar Jahrzehnte. Da lernt man so einige Typen kennen, oder man hört von ihnen und ihren Geschichten. Der Wunsch, diese Menschen mal literarisch zu „verwursten“ und satirisch überzeichnet darzustellen, war schon ziemlich lange da. Um es dann tatsächlich anzugehen, hat es aber erst eine Initialzündung gebraucht und damit war dann auch die Krimihandlung da, in die sich meine „Dörfler“ nahtlos einfügen ließen.
- Gibt es für Bollenstedt also einen konkreten Ort als Vorbild? Vielleicht deinen Heimatort Katlenburg?
Einen konkreten Ort gibt es nicht als Vorbild. Es sind vielmehr alle Dörfer um den Harz herum und sicher auch darüber hinaus. Im Grunde genommen ist Bollenstedt die kleindörfliche Lebensform, die man im ländlichen Raum überall findet (mit all ihren regionalen Eigenheiten). Ich bin mir sicher, jeder/jede wird sich oder jemanden, den er/sie kennt, darin irgendwo wiederfinden.
- Können auch Menschen aus der Stadt das Buch lesen oder muss man Dorfkind sein, um es nachvollziehen zu können?
Menschen aus der Stadt können vermutlich nicht alles nachvollziehen, was ich beschrieben habe. Sie können aber trotzdem ihren Spaß haben, wenn sie sich beim Lesen auf die handelnden Personen konzentrieren und nicht nach Parallelen zu ihrer eigenen Lebensrealität suchen.
- Wie kam es überhaupt zu dieser neuen Reihe?
Auslöser war das Gespräch mit einer Bekannten, die als Fachangestellte in einer Arztpraxis arbeitet und den Begriff „Blutfahrer“ fallenließ. Ich wusste nicht, was Blutfahrer für Menschen sind. Sie klärte mich darüber auf, dass es sich um Kurierfahrer handelt, die Blutproben von den Arztpraxen zu den Laboren fahren. Also nichts sonderlich Aufregendes. Trotzdem hat mich der Begriff „Blutfahrer“ sofort gepackt und ein Ideenfeuerwerk in meinem Kopf gezündet. Eine Buchreihe soll es schon deshalb werden, weil der Verlag das wünscht und ich ohnehin immer mit dem Blick auf eine Reihe schreibe.
- Was macht beim Schreiben denn mehr Spaß? Die eher blutigen Szenen (also eher bezogen auf deine früheren Reihen) oder das Humorvolle?
Beim Schreiben selbst macht mir beides Spaß. Da ist es die Schreibtätigkeit, die im Vordergrund steht. Wenn Morde sein müssen, liegt mein Spaßfaktor eher beim humorvollen Meucheln. *lacht* Ich mag die detaillierten blutigen Szenen ohnehin nicht sonderlich, versuche Morde, wo nötig, nicht in epischer Breite auszuwalzen und zu visualisieren. Ich kann eine Story auch ohne solche Schock-Elemente vorantreiben. Oft reicht es, die Morde/Leichen/Todesursachen knapp und sachlich darzustellen.
- Es tauchen recht viele Figuren auf. Dabei ist Freddie natürlich der Mittelpunkt. Aber ansonsten verschwimmen die Grenzen zwischen Haupt- und Nebenfiguren. Hast du selbst eine Lieblingsfigur?
Ganz ehrlich, beim Schreiben ist mir jede und jeder von diesen Typen ans Herz gewachsen. Egal, ob sie gut oder böse sind - ich liebe sie alle!
- Wird es weitere Bollenstedt-Krimis geben und wird immer Freddie die Hauptfigur sein?
Da es eine Reihe werden soll (siehe oben), wird es weitere Bollenstedt-Krimis geben. Und ob Freddie die Hauptfigur bleiben wird, kommt auch darauf an, wie er (als Ich-Erzähler) bei der Leserschaft einschlägt.
Am 16. September um 18 Uhr in der Remise in Wernigerode wird Roland Lange das diesjährige Mordsharz-Festival mit der Premiere von „Auf Harz und Nieren“ eröffnen.


