Kultur / Vorgemerkt

15.08.2026

Ein weiblicher Kurt Wallander?


Åsa Hellberg liest bei Mordsharz aus „Vega Varg – Das Schweigen der Insel“

...von Christian Dolle

Vega Varg ist die Protagonistin, die die Krimiwelt unbedingt braucht. Sie ist über 60, keine ausgesprochene Schönheit, normale Polizeibeamtin und Mutter dreier erwachsener Kinder. Sie ist keine Lara Croft, aber auch keine Miss Marple, sie ist wunderbar normal und lebensnah. Vielleicht ein wenig ein weiblicher Kurt Wallander, das könnte sich im Laufe der Krimireihe von Åsa Hellberg noch zeigen. 

Weniger normal ist der Fall, mit dem es Vega Varg im ersten Band „Das Schweigen der Insel“ zu tun bekommt. Der junge Mann nämlich, der tot auf den Felsen der Insel gefunden wird, ging als kleiner Junge bei ihr ein und aus, wählte sie und ihre Familie als Ersatz für seine eigene, in der bei weitem nicht alles rosig war. Damit wird der Fall für Vega zu einem sehr persönlichen, noch dazu einem, der auch die Erinnerungen an den Mord an ihrem Ehemann vor fast dreißig Jahren wieder wachruft. 

Zunächst einmal aber wurde die Leiche von vier Norwegern gefunden, die auf der Insel Urlaub machten. Das ruft auch die norwegische Polizei und hier Vegas alten und besten Freund und Kollegen Leopold auf den Plan. Vegas Söhne, die ebenfalls Polizisten geworden sind, sind ebenso wie ihre Mutter Teil der Ermittlungen. Nur ihre Tochter, ihr jüngstes Kind, kann Vega nicht erreichen, was ihr zunehmend Sorgen macht. 
Åsa Hellberg ist schwedische Bestsellerautorin und für Romane mit starken Frauenfiguren bekannt, die aber weit weg von Krimi oder Thriller sind. Mit dieser neuen Reihe probiert sie also etwas für sie Neues aus, was ja auch bekanntesten Autor*innen, die in ein neues Genre wechseln, häufig nicht so gut gelingt. 
Zugegeben, in „Vega Varg“ geht es viel um die Familie, um die Schicksalsschläge der Vergangenheit und die Emotionen der Hauptfigur werden mehr als einmal heftig durcheinandergewirbelt. Dennoch bleibt das Buch immer Krimi, ist immer straight erzählt und klug konstruiert. Es gibt mehrere unerwartete Wendungen, die Spannung wird durchgehend gehalten. 

Die Figuren und vor allem Vega sorgen dafür, dass der Mord und alles, was im Zuge der Ermittlungen ans Licht kommt, wirklich unter die Haut geht. Gerade das klein und sehr persönlich anmutende Umfeld, in dem jeder jeden kennt und jeder mit jedem eine Vergangenheit hat, steigert die Emotionen und damit die Wirkung des hereinbrechenden Grausamen, das dieses zwar nicht beschauliche, aber doch geordnete Leben in Scherben zerbrechen lässt. 

„Das Schweigen der Insel“ ist ein fesselnder und schonungslos geschriebener Krimi, Åsa Hellberg eine Autorin, die die Gedanken und Gefühle ihrer Leser zu lenken weiß. Das Buch steht vollkommen für sich, weil es wie gesagt am Ende einen Scherbenhaufen zurücklässt und macht dabei gleichzeitig Lust auf weitere Fälle dieser sehr bodenständigen und kraftvollen Ermittlerin. 

Vor allem macht das Buch auch Lust auf die Lesung mit Åsa Hellberg beim diesjährigen Mordsharz-Festival. Sie liest am Freitag, 18. September, ab 21 Uhr im Tabakspeicher in Nordhausen. Wie immer bei internationalen Mordsharz-Lesungen wird sie einen kurzen Teil auf Schwedisch lesen, damit die Zuhörer den Klang des Originaltextes im Ohr haben, anschließend übernimmt dann Uve Tschner als ihre deutsche Stimme. 

Vorher ab 18 Uhr lesen die Gewinner des „Harzer Hammer“ aus dem vergangenen Jahr,  Nikolas Kuhl und Stefan Sandrock aus ihrem neuen Krimi „Ein Leben zu viel“ und ab 19.30 Uhr Sophie Czerny aus „Totensee“.

Das gesamte Programm:

Wernigerode (Remise), Mittwoch, 16. September:

  • 18 Uhr Roland Lange – „Auf Harz und Nieren“
  • 19 Uhr Preisverleihung Harzer Hammer
  • 19.30 Uhr Ulrike Gerold / Wolfram Hänel – "Tödlicher Hafen - Kokainküste"
  • 21 Uhr Ralf Kramp / Peter Godazgar – „Schuss mit Lustig“

Goslar (Großes Heiliges Kreuz), Donnerstag, 17. September:

  • 18 Uhr Anne Stern – „Die weiße Nacht“
  • 19.30 Uhr Oliver Bottini – „Die Summe aller Dinge“
  • 21 Uhr Andrea Mara / Nora Schulte – „Alles ihre Schuld“

Nordhausen (Tabakspeicher), Freitag, 18. September:

  • 18 Uhr Nikolas Kuhl / Stefan Sandrock – „Ein Leben zu viel“
  • 19.30 Uhr Sophie Czerny – „Totensee“
  • 21 Uhr Åsa Hellberg / Uve Teschner – “Vega Varg – Das Schweigen der Insel“

Walkenried (Kloster), Samstag, 19. September

  • 18 Uhr Ralf Thiesen – „Schatten über Königsberg“
  • 19.30 Uhr Jan Beck – „Dorn - Zimmer 203 - Ruf der Toten“
  • 21 Uhr Camilla Sten / Julia Nachtmann – „Bachelorette Party“

Alle weiteren Informationen finden sich auf https://www.mordsharz-festival.de
Diese Rezension sowie viele weitere zu „Mordsharz-Büchern“ und Interviews mit den Autor*innen gibt es auf Youtube auf dem Kanal CrYzZ Storys: https://www.youtube.com/@cryzzstorys9895


 

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