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05.08.2026

Wutbürger im Gegenwind


Warum Hannes Kreschel nicht müde wird, mit AfD-Wähler*innen zu diskutieren

von Christian Dolle

Hannes Kreschel ist Youtuber bzw. Content Creatror, der regelmäßig auf Demos etc. geht, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Meist sind es politische Veranstaltungen, oft von rechten Gruppierungen organisiert, mit Forderungen gegen Migranten, queere Menschen, grüne oder linke Politik, unsere offene und vielfältige Gesellschaft. 

Hannes lässt viele Teilnehmer*innen dort zu Wort kommen, will ihre Meinungen hören, diskutiert manchmal mit ihnen, kommentiert in seinen Videos einige Meinungen, die von Fake News geprägt sind, mit den entsprechenden Fakten. Was er tut, ist Aufklärung, ist journalistische Arbeit, ist aktuell unglaublich wichtig. „Ich will die Leute nicht beleidigen oder sie schlecht dastehen lassen, sondern versuchen, das, was sie sagen und denken, ein bisschen aufzudecken und einzuordnen.“ 

"Natürlich regt es mich innerlich auf"

Nach dem Anschlag auf dem CSD in Berlin ging ein Videoausschnitt von ihm viral, in dem er einen Mann in einem blauen T-Shirt interviewte, der behauptete, es habe die Richtigen getroffen. Gemeint war tatsächlich das Todesopfer und dieser Mann bekräftigte seine Aussage mehrmals, bezeichnete CSD-Teilnehmer*innen als „Gelumpe“. „Natürlich regt es mich innerlich auf, es ist nicht so, dass es spurlos an mir vorbeigeht“, sagt Hannes zu seinen Empfindungen in einer solchen Situation, „aber in meiner Arbeit gibt es verschiedene Erfahrungen, die ich mache. So 70 Prozent der Leute, die wir dort treffen, sind jetzt nicht beleidigend oder böse zu mir. Viele kennen uns schon, wissen, wir haben vielleicht ne andere Meinung als sie, aber wissen, wir versuchen nicht, sie per se dumm dastehen zu lassen.“

Ab und zu gebe es Situationen, in denen er sich hinterher sagt, dass es auch anders hätte ausgehen können. Das hängt ihm dann schon nach. Daher ist Hannes nicht ganz allein unterwegs, sondern zu dritt und er ist auch dankbar für die Polizeipräsenz bei den meisten Veranstaltungen, die Schlimmeres verhindern kann. „Wir versuchen ja auch immer zu deeskalieren und nicht zu provozieren“, sagt er. „Vielleicht finde ich ihre Meinung blöd, aber wenn die Menschen zu mir nett sind, kann ich auch erstmal nett zu denen sein. Spricht ja nichts dagegen.“

"Die sind gut, weil die sind gegen 'die da oben'"

Seit eineinhalb Jahren etwa macht er diese Art von Content, was mit seiner eigenen politischen Entwicklung zu tun hat. Aufgewachsen ist er in einem Dorf bei Magdeburg, war als Jugendlicher zunächst kaum politisch interessiert oder informiert. Zur Kommunalwahl 2019, also mit 16 Jahren habe er selbst noch die AfD gewählt. „Ich habe nicht aus Überzeugung gewählt, sondern weil mein Vater in diesem verschwörerischen, reichsbürgerischen und auch AfD-Milieu unterwegs ist“, erzählt er, „ich dachte eben: Die sind gut, weil die sind gegen ‚die da oben‘.“ 

Den Frust vieler Menschen und insbesondere vieler junger Menschen aus ländlichem Umfeld kann er also durchaus verstehen. Daher ist er auch überzeugt, dass viele die AfD immer noch als Protestpartei sehen. „Wenn man sich Umfragen namhafter Institute anschaut, dann ergibt sich immer noch das gleiche Bild, dass etwa 50 Prozent der Leute die AfD aus Überzeugung und 50 Prozent aus Protest wählen“, gibt er zu bedenken. Umso wichtiger ist ihm, seinen Teil zur Aufklärung beizutragen und Fakten statt Populismus zu verbreiten. Die Unentschlossenen, so ist er überzeugt, können wir noch zurück ins Spektrum demokratischer Parteien holen.

"Es geht auch darum, Hoffnung zu verbreiten"

Neben seiner Videos hat Hannes auch ein Buch geschrieben, in dem er auf einige Situationen noch tiefer eingeht. „Wutbürger.exe“ heißt es und richtet sich vor allem an junge Menschen, die er dazu bringen will, über politische Themen und Haltungen nachzudenken. „Ich möchte eine etwas andere Perspektive auf Politik bieten, indem ich versuche, Sachverhalte auch witzig zu betrachten und ein wenig mit Humor zu nehmen.“ 
Das sei ihm wichtig, da aktuell politische Diskussionen in egal welchem Lager sehr verhärtet geführt werden. „Ich glaube, es täte allen Beteiligten gut, wenn man über die eine oder andere Seite auch mal lachen kann.“ 

Bei „Rocken am Brocken“ in Elend las er aus seinem Buch. Im Rahmen eines eigentlich unbeschwerten Musikfestivals, in lockerer Runde mit interessierten Festivalbesucher*innen. Auch das passt gut zu Hannes’ Überzeugung, Menschen niedrigschwellig für die politischen Dimensionen ihrer alltäglichen Sorgen und Probleme zu sensibilisieren oder auch schlicht zu bekräftigen. „Es geht auch darum, Hoffnung zu verbreiten und zu zeigen: Man kann dem was entgegenhalten, man kann mit denen diskutieren, man kann da am Ende auch argumentativ gewinnen und es ist nicht verloren.“

Auf dem Festival entstand auch das Interview mit Hannes, das auf Youtube in voller Länge zu hören ist:


 

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