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30.07.2026
Beliebtes Fotomotiv hat seinen Glanz zurück

Viele fleißige Helfer waren an der Restaurierung und Wiederaufstellung des historischen Wegweisers beteiligt.
Das historische Kunstwerk von Rudolf Nickel am Markt in der Bergstadt Bad Grund wurde aufwendig restauriert und erhielt ein neues Hinweisschild.
von Herma Niemann
Bad Grund. „Wo ist denn der hübsche Wegweiser?“ Diese Frage hörte Stefanie Berger in ihrem Café Antique in den vergangenen Monaten immer wieder. Kaum ein Tourist oder Ausflügler, der das Café am Bad Grunder Marktplatz betrat, fragte nicht nach dem markanten geschnitzten Wegweiser. Für viele Besucher war das kunstvolle Holzdenkmal längst ein fester Orientierungspunkt, beliebtes Fotomotiv und ein Wahrzeichen der Bergstadt. Seit März fehlte er jedoch. Jetzt steht der historische Wegweiser wieder an seinem angestammten Platz, vollständig restauriert und vielleicht sogar schöner denn je.
Mit seiner Rückkehr erhält Bad Grund nicht nur einen markanten Blickfang zurück. Das kunstvoll geschnitzte Werk erzählt von den Traditionen, der Geschichte und den Sagen der Bergstadt. Generationen von Gästen haben vor ihm Erinnerungsfotos gemacht und wer mal nicht weiter wusste, erhielt auf den geschnitzten Tafeln einen kleinen Einblick in die Kultur der Region.
Die Restaurierung war längst überfällig. Wind, Wetter und der Zahn der Zeit hatten dem Holz sichtbar zugesetzt. Zuletzt wurde er 2014 runderneuert. Deshalb initiierte der Ortsbürgermeister, Holger Diener, gemeinsam mit dem Osteroder Maler- und Lackierer Reinhard Seiffert die umfassende Erneuerung. Seiffert übernahm die aufwendigen Restaurierungsarbeiten, während Tischlermeister Klaus Heberle beschädigte Holzteile fachgerecht instand setzte. Für den nicht einfachen Ab- und Wiederaufbau sorgte die Firma Kai Wollenweber mit tatkräftiger Unterstützung weiterer Helfer.
Finanziert wurde das Projekt aus Mitteln des Ortsrates. Gleichzeitig bot sich die Gelegenheit, den Wegweiser auch inhaltlich auf den aktuellen Stand zu bringen. Seit einiger Zeit existiert das einst ausgeschilderte Uhrenmuseum nicht mehr. Deshalb fertigten Uwe und Dieter Klingebiel ein neues Wegweiserschild an. Statt auf das frühere Museum weist es nun auf das Bergwerksmuseum sowie die Minigolfanlage hin. Außerdem erinnert jetzt eine kleine Plakette direkt am Wegweiser an alle Beteiligten, die sich für die Restaurierung eingesetzt haben.
Diener zeigte sich bei der Wiederaufstellung sichtlich erfreut: „Ich bedanke mich natürlich bei allen Beteiligten und Mithelfern, denn das Auf- und Abbauen war wirklich nicht einfach. Ich freue mich, dass der Wegweiser wieder in neuem Glanz steht, weil er das ganze Brauchtum der Bergstadt widerspiegelt.“
Dass der Wegweiser heute noch zu den Wahrzeichen Bad Grunds zählt, hat seine Geschichte. Errichtet wurde er am 6. Mai 1939 auf dem Marktplatz. Bis dahin befand sich an dieser Stelle lediglich ein schlichter eiserner Lichtmast mit zwei Bogenlampen. Das geht aus dem gut sortierten Archiv der Ortschronistin Petra Horn hervor. Mit dem geschnitzten Kunstwerk erhielt der Ortskern einen Blickfang, der weit mehr sein sollte als eine Wegbeschreibung. Mitte der 1950er Jahre wurden die kunstvollen Reliefs farbig gefasst. Damals befand sich rund um den Wegweiser sogar eine Sitzbank, die zum Verweilen einlud.
Die vier rund 2,50 Meter hohen Holztafeln erzählen bis heute in meisterlicher Schnitzkunst Geschichten aus der Vergangenheit. Sie zeigen die Bergleute bei ihrer Arbeit, erinnern an die traditionelle Viehhaltung sowie an den Osterbrauch der Fackelschwinger. Ebenso sind der festlich geschmückte Johannisbaum und das einst übliche Holzsägen für Frischvermählte dargestellt. Aus der Sagenwelt begegnen dem Betrachter die Zwerge der Iberger Tropfsteinhöhle ebenso wie König Hübich. Auch ein bedeutendes Kapitel der Ortsgeschichte findet seinen Platz: Herzogin Elisabeth von Braunschweig und Lüneburg, die bereits 1510 die heilkräftigen Quellen Bad Grunds aufsuchte.
Geschaffen wurde dieses außergewöhnliche Werk von Rudolf Nickel (1890 bis 1975), einem der bedeutendsten Holzbildhauer des Harzes. Geboren wurde er am 7. April 1890 im ältesten Haus der Goslarer Mauerstraße. Bereits mit 15 Jahren begann er seine Ausbildung beim Goslarer Bildhauer Seegebarth und arbeitete unter anderem am Bau der nordischen Stabkirche in Hahnenklee mit. Nach Studienjahren an den Kunstgewerbeschulen in Hannover und Bremen sowie an der Holzschnitzerfachschule Bad Warmbrunn legte er 1920 seine Meisterprüfung ab und kehrte nach Goslar zurück.
Von dort aus entwickelte sich Rudolf Nickel zu einem der gefragtesten Künstler der Region. Zu seinen bedeutenden Werken zählen unter anderem das Professorengestühl der Bergakademie Clausthal, die Gedenktafel im Gefallenenraum der Kirche in Zellerfeld, zahlreiche Innenausstattungen historischer Gebäude sowie Mosaike, Plastiken und Schnitzarbeiten in weiten Teilen des Harzes. Besonders am Herzen lag ihm jedoch stets die Darstellung der Harzer Lebenswelt.
Sein eigenes künstlerisches Selbstverständnis formulierte Nickel einmal so: „Zunächst ist mir das Wichtigste, dass ich in meine sämtlichen Arbeiten eine möglichst volkstümliche Note hineinlege. Meine Motive wähle ich aus der Geschichte und dem Charakter der Harzlandschaft, aus der bodenständigen Volkskunde und der Sagenwelt des Harzes.“ Diese Chronik über Nickel stammt von Ursula Vollbrecht (Goslar).
Genau das spiegelt sich bis heute am historischen Wegweiser wider. Jede Tafel erzählt von Menschen, Bräuchen und Geschichten. Für seine Verdienste erhielt Rudolf Nickel später das Verdienstkreuz am Bande des Niedersächsischen Verdienstordens, die Ehrenplakette der Stadt Goslar sowie die Ehrennadel des Goslarer Knappenvereins. Als er 1975 starb, hinterließ er zahlreiche Werke, die bis heute von seiner tiefen Verbundenheit mit dem Harz zeugen.
Der Bad Grunder Wegweiser gehört womöglich zu seinen bekanntesten Arbeiten. Dank der jüngsten Restaurierung wird dieses besondere Stück Heimatgeschichte auch künftig Einheimische und Gäste begrüßen, direkt draußen auf dem Marktplatz - dort, wo er seit mehr als 87 Jahren hingehört.
Die folgenden Bilder können Sie vergrößern, wenn Sie ein Eseltreiber-Abo haben:

Die neue Plakette zeigt die Beteiligten der Restaurierung und den Schöpfer des Wegweisers

Gerade das Aufsetzen des Dachs gestaltete sich schwieriger als zunächst gedacht

Beim Anbringen der restaurierten Schilder
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