17.07.2026
Solarstrom für Eigenheime und Vereine: Was derzeit für eine eigene Anlage spricht

...Energieagentur Region Göttingen e.V.
Erst der Iran-Krieg, dann das Rahmenabkommen: Binnen weniger Monate sind die Energiepreise erst sprunghaft gestiegen und nun wieder im Rückgang. Gerade diese Ausschläge führen vor Augen, wie abhängig Deutschland von Energieimporten ist — und wie schnell sich das im Haushaltsstrompreis niederschlägt.
Wer seinen Strom selbst erzeugt, macht sich unabhängiger von den Preisschwankungen an den Strombörsen. Wer zusätzlich Auto oder Heizung auf Strom umstellt, verringert auch seine Abhängigkeit vom Ölpreis.
Jede selbst genutzte Kilowattstunde spart teuren Netzstrom. Mit privaten Dachanlagen ohne Speicher lässt sich Solarstrom heute oft schon für rund 6 bis 12 Cent je Kilowattstunde erzeugen. Gemessen am durchschnittlichen Haushaltsstrompreis von 37,2 Cent je Kilowattstunde wird klar, warum der eingesparte Netzstrom über die Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage entscheidet.
Möglich ist das, weil die Preise für PV-Anlagen in den letzten zwanzig Jahren um 70 Prozent gefallen sind. Eine typische Anlage auf einem Wohnhaus kostet heute meist etwa 1.000 bis 1.200 Euro je Kilowattpeak.
Eine durchschnittliche PV-Anlage deckt rund 30 Prozent des eigenen Strombedarfs. Ein Batteriespeicher verteuert den Solarstrom je nach Anlagengröße um grob 2 bis 8 Cent je Kilowattstunde, hebt den Eigenverbrauch aber auf bis zu 70 Prozent.
Überschüssiger Strom, der ins Netz fließt, wird nach dem derzeit noch geltenden Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 20 Jahre lang zu einem planbaren Satz vergütet.
Steuerlich und organisatorisch sind private PV-Anlagen heute deutlich unkomplizierter: Die Einnahmen bleiben meist einkommensteuerfrei, beim Kauf fallen oft 0 Prozent Umsatzsteuer an. Häufig muss die Anlage steuerlich gar nicht mehr gesondert berücksichtigt werden.
„Die EEG-Vergütung in ihrer jetzigen Form steht zur Debatte; ob sie im nächsten Jahr fortbesteht, ist offen.“ Ingo Geestmann, Geschäftsführer der gemeinnützigen Energieagentur Region Göttingen, rät deshalb: „Wer noch dieses Jahr baut, nimmt die aktuellen, vorteilhaften Förderbedingungen für eine schnelle Refinanzierung sicher mit.
Neue Möglichkeiten für Vereine
Auch gemeinnützige Vereine können seit Kurzem unkompliziert auf Solarstrom setzen. Mit dem Steueränderungsgesetz 2025, das zum 1. Januar 2026 in Kraft getreten ist, ist die Erzeugung erneuerbarer Energien ausdrücklich als steuerlich unschädliche Betätigung in der Abgabenordnung verankert. Vereine dürfen damit Photovoltaikanlagen errichten und betreiben, ohne ihre Gemeinnützigkeit zu gefährden – auch wenn der Anlagenbetrieb nicht unmittelbar dem Satzungszweck dient.
Der erzeugte Strom soll vorrangig dem Eigenverbrauch dienen; die Einspeisung von nicht selbst genutztem Strom bleibt steuerlich ein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb. Die Neuregelung beseitigt eine jahrelange Rechtsunsicherheit und eröffnet vielen Vereinen erstmals den Einstieg in die eigene Stromerzeugung.
Hinzu kommt eine Förderung vor Ort: Über das Solarförderprogramm unterstützt der Landkreis Göttingen gemeinnützige und gemeinwohlorientierte Vereine bei der Anschaffung von Solaranlagen. Dach-Photovoltaikanlagen ab einer Leistung von 5 Kilowattpeak werden mit 180 Euro je installiertem Kilowattpeak bezuschusst. Ergänzend können LEADER-Fördermittel beantragt werden.
Wie das in der Praxis aussieht, zeigt der Reit- und Fahrverein Hattorf e.V. Rund 10.000 Kilowattstunden verbraucht der Verein im Jahr (neben dem Allgemeinstrom), im Sommer für die Beregnung des Sandplatzes in der Nacht, im Winter für die Tränkenheizung der Pferde. Auf seiner sechs Jahre alten Reithalle hat der Verein eine 18,2-Kilowattpeak-Anlage mit 40 Modulen und einen Batteriespeicher mit 13,6 Kilowattstunden installiert. Rund 80 Prozent seines Stroms will der Verein damit künftig selbst decken, vor allem dank des Speichers, der den Sonnenstrom auch nachts verfügbar macht.
Möglich wurde das erst durch die Förderung. „23.000 Euro hat die Anlage gekostet: 2.000 vom Landkreis, 2.500 von der Gemeinde, der Rest aus LEADER-Mitteln. Ohne die Förderung hätten wir das nicht stemmen können", sagt der erste Vorsitzende Torsten Janke.
Das gesparte Geld bleibt im Verein: „Jeder Euro, den wir beim Strom sparen, fließt zurück in die Anlage und in unsere Schulpferde. Da ist immer etwas zu unterhalten", so Janke. Bis 2030 will der Verein klimaneutral werden; als Nächstes soll die alte Gasheizung im Reiterstübchen ersetzt werden.
Anderen Vereinen macht Janke Mut: „Auf jeden Fall versuchen, und die Gemeinde mit ins Boot holen. Mehr als Nein sagen können die nicht."
Photovoltaik-Ausbau in der Region Göttingen
Der Ausbau kleiner Aufdach-Solaranlagen im Landkreis Göttingen einschließlich der Stadt Göttingen hat sich in den vergangenen zwei Jahren spürbar fortgesetzt. Zum Stichtag 1. Juni 2024 waren im Landkreis 13.331 Anlagen mit einer Bruttoleistung von rund 126 Megawatt in Betrieb. Bis zum 1. Juni 2026 ist der Bestand auf 16.835 Anlagen mit zusammen rund 163 Megawatt gestiegen – ein Zuwachs von etwa 3.500 Anlagen oder gut 25 Prozent innerhalb von zwei Jahren. Im Durchschnitt wurden damit etwa 1.750 neue kleine Aufdach-Anlagen pro Jahr ans Netz gebracht. Niedersachsenweit lag der PV-Zubau 2025 bei rund 1,5 Gigawatt — die Region Göttingen trägt also spürbar zur Energiewende in Niedersachsen bei.
So deutlich die Statistik wächst, so vorsichtig sind viele Haushalte zuletzt geworden. Im Beratungsalltag ist die Zurückhaltung spürbar, berichtet Energieberater Dipl.-Ing. Stefan Haase: „Ich merke deutlich, dass die Leute beim Investieren zurückhaltender geworden sind; das Geld sitzt nicht mehr so locker. Wer sich heute eine Wärmepumpe leistet, schiebt die Photovoltaik oft auf — dabei verschlechtern sich die Rahmenbedingungen eher, je länger man wartet."
Langfristig zeigt sich Haase dennoch zuversichtlich: „Wer rechnet, kommt fast immer zu dem Schluss: Es lohnt sich. Und langfristig werden die Anlagenpreise ohnehin wieder fallen."
Wer in eine neue Solaranlage investieren will, sollte mehrere Angebote einholen und vergleichen. Da die Nachfrage vor Änderungen der Rahmenbedingungen häufig anzieht, lohnt es sich, Installationsbetriebe frühzeitig anzusprechen. Unabhängige Beratung vermittelt die Energieagentur Region Göttingen. Kontakt: beratung@energieagentur-goettingen.de, Telefon 0551 38 42 13 10.
Dacheignung prüfen
Mit dem Solardachkataster Südniedersachsen lässt sich in wenigen Schritten prüfen, ob sich ein Dach für eine PV-Anlage eignet. Auf Basis eines 3D-Gebäudemodells analysiert das Kataster Sonneneinstrahlung und mögliche Verschattung für jedes einzelne Dach und liefert kostenlos und unverbindlich eine erste Einschätzung. Das Angebot der Energieagentur Region Göttingen gemeinsam mit den Landkreisen Göttingen und Northeim und der Stadt Göttingen umfasst die Landkreise Göttingen, Northeim und Osterode am Harz.
www.solardachkataster-suedniedersachsen.de
Datenquellen
- Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur, eigene Auswertung (Stand 10.06.2026)
- Niedersachsen-Zahlen: Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen

