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13.07.2026

Underdog aus dem Oberharz


Nach zwölf Jahren als Fernsehkommissar ist Chris Savaj nun Bürgermeisterkandidat

von Christian Dolle

„Egal, wo sich jemand ehrenamtlich engagiert, finde ich es großartig und freue mich darüber“, sagt Chris Savaj. Wir sitzen in einem Straßencafé in Osterode, ab und zu kommt jemand vorbei, der ihn erkennt und ein Autogramm haben möchte. Auch darüber freut er sich, unterschreibt bereitwillig. Die Menschen, die ihn erkennen, haben meist die Sendung „Auf Streife“ im Fernsehen gesehen und kennen Chris als Stephan Sindera, den Polizisten, den er dort seit zwölf Jahren verkörpert.

Allerdings spielt Chris nicht nur eine Rolle, denn es handelt sich um eine Scripted Reality-Serie. Er bekam die Rolle also, weil er selbst auf Streife ging und somit auch ohne großes Drehbuch weiß, wie sich ein Polizist in alltäglichen Einsätzen verhält. „Die Fälle sind nachgestellt“, erklärt er, „Drehbuchautoren schreiben ein bisschen was drumrum und dann gehen wir ganz ohne Drehbuch in diesen Einsatz.“ Er ist also ausgebildeter Polizist, und wurde wie seine Kolleg*innen für die Rolle besetzt, damit sich kein Schauspieler aufwendig draufschaffen muss, wie sich ein Polizist in einer solchen Situation authentisch verhält. 

Durch seine Beliebtheit gab es bald den Ableger „Richter und Sindera“ und inzwischen verkörpert er Stephan Sindera in „Der neue Blaulichtreport“, weil es ihm immer noch Spaß macht. Den Namen Stephan, so verrät er, wählte er übrigens, weil er immer schon großer Derrick-Fan war. Immer schon, also auch damals als er im Oberharz, in Buntenbock aufwuchs. Chris nämlich ist echter Harzer, ging später erst nach Köln, aber ist auch heute noch sehr regelmäßig bei seiner Mutter hier im Harz zu Besuch. 

Gerade dadurch, dass er nicht ständig hier lebt, fallen ihm Veränderungen deutlicher auf, sagt er. Natürlich weiß er noch, wo er früher als Jugendlicher herumhing etc. und was es heute alles nicht mehr gibt. „Wenn du über Jahre nach Hause kommst und immer siehst, was alles wegrationalisiert wurde, dann tut das weh“, sagt er. Er hat das Gefühl, dass niemand so wirklich für Aufbruchstimmung sorgt, schlicht zu wenig Engagement da ist, so dass er es nun selbst versuchen will, so dass er jetzt für das Amt des Bürgermeisters in Clausthal-Zellerfeld kandidiert. 

„Irgendeiner muss es ja machen“, sagt er. Dass die Kommunen kaum Geld haben, ist ihm bewusst, doch hat er das Gefühl, dass Menschen mit Ideen und Visionen zu viele „Knüppel zwischen die Beine geschmissen werden“. Das schreckt private Investitionen, die so dringend nötig sind, ab, so dass dringend Bürokratie abgebaut werden müsse. 

Als parteiloser Kandidat wünscht er sich ohnehin mehr, dass Menschen mit Ideen in die Politik gehen und nicht nur die mit Parteibuch, die Karriere machen wollen. Bürger, die sich engagieren wollen, die ihre jeweiligen Erfahrungen mitbringen, also eine deutliche Politik aus der Bevölkerung, die das unterstützt, was vor Ort vorhanden ist. 

Den lokalen Tourismus hält er im Oberharz für wichtig, möchte ihn nach Kräften fördern. „Der Oberharz hat unglaubliche Möglichkeiten“, ist er sich sicher, „gerade bei einer gefährlicher werdenden Welt müssen wir den Harz attraktiver machen.“ Die Klimakrise nennt er als Stichwort und glaubt, dass gerade der Tourismus hier in gemäßigten Zonen Zukunft hat, auch für Gäste aus dem Ausland. „Der Harz ist ein guter Rückzugsort“, sagt er.

Seine Chancen, die Wahl zu gewinnen, schätzt er realistisch als nicht besonders groß ein. Dennoch wollte er eben nicht nur meckern, sondern selbst aktiv werden und so wagte er also diesen Schritt. „Aber wir haben alle nur ein Leben, sage ich mir, dann hinterlasse doch den Platz immer besser, als du ihn vorgefunden hast“, erläutert er seine Philosophie. „Aber wie beim Fußball trete ich natürlich immer an, um zu gewinnen. Nur wenn Vanuatu gegen Brasilien spielt, wie oft gewinnt dann Vanuatu?“

Dann muss Chris sich verabschieden, weil er in Osterode Fußball spielt und sein eigentlicher Kindheitstraum ja weder Polizist, noch Bürgermeister, sondern Profifußballer war. Doch selbst, wenn er nicht gewählt wird, sagt er zum Abschluss, hat er es immerhin versucht, und wer weiß, ob er dann nicht bei der nächsten Wahl schon größere Chancen hat, weil ihn mehr Menschen als politisch aktiv wahrnehmen. Und auf jeden Fall hat er ein Zeichen dafür gesetzt, dass wir uns in vielen Bereichen engagieren können und somit jede und jeder Einzelne auch Dinge gestalten und gegebenenfalls besser machen kann. 


Das ausführliche Interview gibt es hier:

 

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