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29.05.2026

Wechselvolle Gründerjahre der Freiwilligen Feuerwehr Förste


1880 erhält die Freiwillige Feuerwehr Förste die besagte Saug- und Druckspritze

von Joachim Schwerthelm

Freiwillige Feuerwehren sind in Gemeinden und Kleinstädten die tragenden Säulen beim örtlichen Brandschutz. Mancherorts stehen Wehren vor personellen Engpässen. Wenn die Sollstärke auf Dauer verfehlt wird, können Gemeinden als letztes Mittel Zwangsverpflichtungen in eine sogenannten Pflichtfeuerwehr aussprechen. Wie der Rückblick auf die Gründerjahre der Freiwilligen Feuerwehr Förste belegt, behebt Förstes Ortsvorsteher Wilhelm Sindram im Jahr 1902ein ähnliches Problem auf unkonventionelle Art und Weise.

Großbrand löst Feuerwehrgründung aus

Es ist der 21. Januar 1871. In Förste geht ein winterlicher Tag langsam in die Abenddämmerung über. Plötzlich beendet gegen 16 Uhr der Feuerruf die ruhige Winteridylle. Augenblicklich ist das ganze Dorf auf den Beinen und muss feststellen, dass es keine ernsthafte Möglichkeit gibt, den Brand auf dem Hof von Heinz Weitemeyer einzudämmen. Weil das Wasser für die vorhandene Handpumpspritze erst mühevoll in Eimern herbeigeschafft werden muss, ist der Brand nicht zu kontrollieren. Dieser breitet sich noch weiter aus und springt schließlich auf das Nachbargrundstück von Karl Römermann über. Beide Gehöfte werden bis auf die Grundmauern eingeäschert.

Anschaffung einer Saug- und Druckspritze

Der Großbrand veranlasst Förstes Gemeindevertretung die Anschaffung einer leistungsfähigen Saug- und Druckspritze ins Auge zu fassen. Die Gelegenheit zur Begutachtung einer solchen Spritze ergibt sich ein paar Wochen später. Der Niedersächsische Provinzial-Feuerwehrverband präsentiert nämlich in Osterode die aktuellsten Löschgeräte. Angetan von deren Leistungsfähigkeit wird die besagte Saug- und Druckspritze umgehend beim Hersteller bestellt. Berechtigterweise kommen beim Gemeindevorsteher Wilhelm Sindram Bedenken auf. Er will die Neuanschaffung nicht in ungeübte Hände übergeben und regt die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr an.

Feuerwehr gründet sich

Seine Wünsche finden Gehör. Noch vor der Auslieferung finden sich zwölf Männer zusammen und gründen acht Monate nach dem Großband am 23. September die Freiwillige Feuerwehr Förste. Zum ersten Feuerwehrhauptmann wird Schuhmachermeister Adolf Müller gewählt. Er kann noch weitere Männer zum Eintritt bewegen. Der umgehemd aufgenommene Übungsbetrieb hat das Ziel schnellstens eine schlagkräftige Wehr zu formen. 1880 wird die die neue Spritze an die Förster Feuerwhr übergeben. Die Bewährungsprobe folgt 1881. Am 1. April brennt am Gründonnerstag das Wohn- und Stallgebäude von Landwirt Heinrich Haase. Zwar ist das Anwesen nicht mehr zu retten, aber das Übergreifen auf das Haus vom Maurer Huchthausen wird erfolgreich verhindert. Zeitgleich trifft ein Hilferuf aus dem benachbarten Marke ein. Dort brennt das Anwesen von Heinrich Bornemann. Nicht benötigte Männer der Freiwilligen Feuerwehr machen sich sofort mit der alten Spitze auf den Weg und können in Marke noch die erste Löschprämie erlangen.

Die Löschprämie ist eine feste Prämie die damals für den Einsatz bei Bränden gezahlt wurde und Bestandteil der Feuerwehrsatzung war. 

Keine neuen Impulse durch Führungswechsel

1888 übernimmt Gastwirt Wilhelm Giesecke den Posten von Adolf Müller. Zum Leidwesen vieler, kann er der Förster Wehr keine neuen Impulse vermitteln. Infolge dessen nimmt das Interesse an der Löscharbeit nahm ab. Müller legt 1900 sein Amt nieder. Sein Nachfolger Robert Heyl agiert glücklos und kann die Wehr nicht in die Erfolgsspur zurückführen.

Unkonventionelles Vorgehen

Daraufhin unternimmt der noch immer im Amt befindliche Gemeindevorsteher Wilhelm Sindram einen bemerkenswerten Schritt. Zum 1. April 1902 bestellt er alle selbständigen Handwerker und Landwirtssöhne in die Gastwirtschaft Giesecke. Auch die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr sind anwesend. Diejenigen, die nicht Willens sind, den neuen, leistungsorientierten Weg mit zu beschreiten, scheiden aus und werden durch nachrückende Männer ersetzt.

Weil die Freiwillige Feuerwehr Förste noch nicht im Sinn des §113 Reichsstrafgesetzes als Feuerwehr anerkannt ist, werden die Kameraden von Stund an verpflichtet, ihren bisher freiwillig geleisteten Feuerwehrdienst nach Maßgabe der Vorschriften der Polizeiverordnung des königlichen Oberpräsidenten zu Hannover vom 27. September 1901 zu leisten.

Neue Impulse

Die Führung wird an Schneidermeister Karl Wedemeyer (Hauptmann) und August Bornemann (Stellvertreter) übertragen. Die auf 30 Mann aufgefüllte Wehr wird in einen Löschzug (Zugführer Robert Heyl) und in einen Steigerzug (Zugführer Wilhelm Merten) unterteilt. Der neue Wehrführer versteht es, Zugführer und Feuerwehrleute so zu motivieren, dass in relativ kurzer Zeit das Niveau anderer Wehren im Kreis erreicht wird. Das wiedergewonnene Leistungsvermögen ist auch vonnöten. Denn das Können der Wehr wird sowohl im Ort als auch in den Nachbargemeinden Nienstedt, Eisdorf und Dorste oft in Anspruch genommen.

Schicksalsschlag führt zu Veränderungen

Leider wird die Freiwillige Feuerwehr Förste nicht vor einem persönlichen Schicksalsschlag verschont. Am 1. Mai 1913, dem Morgen nach Himmelfahrt, erwacht Wehrführer Karl Wedemeyer und ist erblindet. Nach einem Jahr des Wartens wird die Hoffnung auf Besserung aufgegeben.

August Bornemann (Wehrführer) und Wilhelm Merten (Stellvertreter) bilden die neue Führungsspitze. Obwohl der 1. Weltkrieg Lücken im aktiven Kreis der Wehrleute reißt, führt das Duo die Freiwillige Feuerwehr so gut wie möglich durch die schwere Zeit. 14 Jahre gemeinsame Führungsarbeit sind ein sichtbares Zeichen der guten Zusammenarbeit zwischen Kommando und Mannschaften. Mit Rücksicht auf sein Alter kommt Bornemann 1928 zum Entschluss, sein Amt zur Verfügung zu stellen. Einstimmig werden Wilhelm Merten (Wehrführer), Wilhelm Cordes (Spritzenzugführer) und August Fischbeck (Steigerzugführer) in die frei gewordenen Ämter gewählt.

1929 fünfzigjähriges Bestehen

Ein Jahr später wünscht Wilhelm Merten der Wehr zum fünfzigjährigen Bestehen: „Möge die Freiwillige Feuerwehr getreulich auf dem Wege, den ihr ihre Vorgänger zeigten, fortschreiten. Möge sie noch lange wirken und streben zum Segen unserer Bürgerschaft von Förste. Und mögen alle Kameraden nach wie vor in vollem Maße ihre sich freiwillig auferlegte Pflicht erfüllen, eingedenkt des Wahlspruchs Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr.“

Die seit Jahren positiv verlaufende Entwicklung hält bis heute an und zeugt davon, dass in Förste eine schlagkräftige Wehr beheimatet ist, welche die ständig gestiegenen Anforderungen bestens erfüllen kann.

 


Noch nicht ganz so alt ist der Opel (Blitz). Aber das Löschruppenfahrzeug „LF8“ ist sagenhafte 22 Jahre (1956 bis 1978) im Dienst der Förster Wehr

 

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