27.05.2026
Exkursion zu den „Eremiten“ in der Gemäldesammlung der Universität Göttingen

Grafiken von Albrecht Dürer und anderen Künstlern
...Volker Wilch
Eine Exkursion zur Sonderausstellung "Eremiten" in der Gemäldesammlung der Universität Göttingen unternahm die Interessengemeinschaft Kunstkreis Osterode e. V.. Jasmin Kuntze hatte wieder die Verbindung zum Kunsthistoriker Herrn Rudolf Krüger geknüpft und eine Führung für die Gruppe organisiert. Herr Krüger begann zunächst die Führung mit den Ölgemälden im Eingangsbereich. Dabei handelt es sich um rund 20 Porträts von Professoren der Universität Göttingen aus dem Jahr 1773 und älter. Eines der Gemälde stach dabei besonders hervor: Es war größer als die übrigen Bilder, anders gerahmt und zeigte im Hintergrund ein Büro. Die dargestellte Person sitzt an einem Schreibtisch und hält eine Notiz in der Hand. Darauf befindet sich das chinesische Schriftzeichen für „Wort“.
Die Eremiten
Nachdem Herr Krüger mit den Gästen vom Kunstkreis die Galerie der Professoren passiert hatte, besuchten sie die Ausstellung „Die Eremiten“, eine kleinere Sonderausstellung innerhalb der Kunstsammlung. Sie ist noch bis zum 19.07.2026 zu sehen und besonders empfehlenswert für alle, die sich für die Techniken Holzschnitt, Kaltnadel, Kupferstich und Radierung interessieren.
Die Werke erzählen faszinierende Geschichten und regen zum Nachdenken an. Beeindruckend ist dabei, wie eine ganze Welt auf einer Fläche von nur etwa 10 × 10 Zentimetern dargestellt wird.
Besprochen wurde unter anderem Albrecht Dürers Werk „Der Heilige Antonius vor der Stadt“, ein Kupferstich. Antonius gilt als frühchristlicher Begründer des Einsiedlertums. Das Werk thematisiert die asketische Rückbesinnung auf das Eremitentum und bildet zugleich einen Kontrast zum Prunk und Übermaß der damaligen Kirche.
Wer genau hinschaut, entdeckt außerdem Dürers Initialen – eine frühe Form der Signatur, mit der Künstlerinnen und Künstler ihre Werke von da an vor dem Abkupfern schützen wollten, wie Herr Krüger treffend erklärte.
Er machte zudem darauf aufmerksam, dass die größten Auftraggebenden der damaligen Zeit vor allem Kirche und Adel waren. Daher verwundert es kaum, dass viele Werke christliche Motive aufgreifen – manchmal jedoch eher als Vorwand, wie Herr Krüger ergänzte.
Dies zeigt sich auch in einem der anschließend betrachteten Werke. Zu sehen ist eine sogenannte Weltlandschaft, in der verschiedene Landschaftsformen gleichzeitig dargestellt werden. Erst bei genauerem Hinsehen entdeckt man in einer kleinen Ecke rechts unten die Figur eines Heiligen.
Danach kamen die Gruppe zu Herrn Krügers persönlichem Lieblingswerk: dem Holzschnitt „Die Versuchung des Heiligen Antonius“ von Lucas Cranach dem Älteren.
Das Bild wirkt äußerst imposant. Besonders beeindruckend sind die starken Kontraste sowie das Zusammenspiel aus großen freien Flächen und tiefen Schattenbereichen, das sehr angenehm auf das Auge wirkt. Anfangs fiel es uns schwer, das Gesicht der Figur zu erkennen. Es befindet sich im oberen Bereich des Bildes, der Blick ist nach links oben gerichtet.
Erstaunlich sind außerdem die feinen Details, die trotz der anspruchsvollen Technik herausgearbeitet wurden.
Anschließend betrachteten wir das Werk „Heiliger Albert, Weggefährte des Heiligen Wilhelm“. Herr Krüger machte uns dabei auf einen Knick in der Mitte aufmerksam und erklärte, dass es sich vermutlich um einen Probedruck handelt.
Interessant war außerdem die Information, dass viele Kunstschaffende ihre Druckplatten nach einer bestimmten Auflage zerstörten, um die Anzahl der Drucke zu begrenzen und den Wert ihrer Werke zu erhalten.
Eine Teilnehmerin stellte beim Betrachten eines der Werke die Frage, ob die verwendete Technik tatsächlich mit der auf dem Schild angegebenen Einordnung übereinstimme. Herr Krüger erklärte daraufhin, dass die Zuordnung der Techniken durch Fachleute der Universität Göttingen vorgenommen werde.
Im Detailbild lasse sich anhand der Umrandung erkennen, dass es sich um einen Tiefdruck handelt. Eine Teilnehmerin merkte jedoch an, dass die Linien bei dieser Technik normalerweise deutlich stärkere „kraterartige“ Abschlüsse an den Enden aufweisen müssten. Vermutlich sei dies jedoch ein Hinweis darauf, dass der Künstler besonders präzise und sorgfältig gearbeitet habe.
Im darauffolgenden Werk „Versuchung Christi“ stellte Lucas van Leyden gleich drei Versuchungen innerhalb eines einzigen Bildes dar. Das Werk ist äußerst detailreich und erschließt sich oft erst bei genauer Betrachtung.
Insgesamt war es erneut ein gelungener Ausflug in die Göttinger Kunstsammlung. Herr Krüger begeisterte mit seinem außergewöhnlich umfassenden Wissen über die Werke, die Kunstschaffenden und die Interpretationen hinter den Bildern.
Der Kunstkreis Osterode freut sich bereits auf einen weiteren Besuch im kommenden Jahr und bedankte sich herzlich für diese bereichernde und inspirierende Führung.
Hier können Sie einen weiteren Bericht zu einem Besuch in der Kunstsammlung der Universität Göttingen lesen: 2025 - Exkursion zur Gemäldesammlung der Universität Göttingen.
Wer ist der Kunstkreis Osterode?
Die Interessengemeinschaft Kunstkreis Osterode e. V. ist gemäß Satzung ein Verein zum Zwecke der Pflege und Förderung der Kunst. Die Förderung der Kunst soll erreicht werden durch die Heranführung des Menschen zur Kunst, dem Menschen Möglichkeiten zu eigener künstlerischer Betätigung zu geben oder einzelne Künstler selbst zu fördern, z. B. durch künstlerische Veranstaltungen.
Dies soll insbesondere verwirklicht werden durch:
- Kunstausstellungen
- Führungen
- Vorträge und Seminare
- Herausgabe von Katalogen
- Kontakte zu anderen kulturellen Verbänden des In- und Auslandes zu pflegen
- Hinführung der Jugend zur Kunst
Über Jahrzehnte war Kunstlehrer Gerhard Häfner 1. Vorsitzender des Vereins und hat die Entwicklung entscheidend geprägt. Seit 2025 ist Jasmin Kuntze 1. Vorsitzende.
Was macht der Kunstkreis?
Es gibt einen Kreis von »aktiven« Mitgliedern, die sich zweimal im Monat zur künstlicheren Arbeit und zum Austausch treffen. Man kann sich auch »passiv« engagieren und den Verein mit dem Mitgliedsbeitrag unterstützen.
Zu den Aktivitäten gehören Besuche von kulturellen Veranstaltungen und Einrichtungen. 2019 wurde das UNESCO-Welterbe Fagus-Werk in Alfeld besucht, einem Ensemble, das als erstes Werk des Architekten und Bauhaus-Gründers Walter Gropius gilt. Im Jahre 2022 wurde die documenta fifteen in Kassel besucht und kurz danach das Museum Barberini des Kunstmäzens Hasso Plattner in Potsdam.
Im Jahr 2023 wurde im Ratssaal der Stadt Osterode am Harz eine Kunstausstellung der auswärtigen Künstler Barbara Klix aus Bockenem und Oskar Müller aus Duderstadt über mehrere Wochen gezeigt. Ebenso wurde eine Exkursion in das Museum Lyonel Feininger in Quedlinburg unternommen, um die Ausstellung »Die Ungemalten Bilder« mit Werken von Emilde Nolde zu sehen.
Im September 2024 gab es ein aufwändiges Projekt - eine ganze Veranstaltungsreihe - zum Thema »200 Jahre Heinrich Heine Harzreise«.
Die Veranstaltungsreihe wurde organisiert und gefördert von:
- Interessengemeinschaft Kunstkreis Osterode e. V.
- Heimat- u. Geschichtsverein Osterode und Umgebung e. V.
- Lyrik lebt e.V.
- Landkreis Göttingen
- Sparkasse Osterode am Harz
- Loge «Zum Tempel der Eintracht»
- Buchhandlung Thalia
- Allianz Osterode: Generalvertretung Tim Launhardt
- Verein Tourismus und Marketing Osterode am Harz e. V.
- Harzklub Osterode/Lerbach e.V.
- Stadt Osterode am Harz
- … und von engagierten Osteroder Bürgerinnen und Bürgern.
Mal sehen, was der Kunstkreis in Zukunft auf die Beine stellt.
Die folgenden Bilder können Sie vergrößern, wenn Sie ein Eseltreiber-Abo haben:

Das Porträt mit dem chinesischem Schriftzeichen für 'Wort'

Albrecht Dürer - Der Heilige Antonius vor der Stadt

Text zu "Der Heilige Antonius vor der Stadt"

Weltlandschaft - rechts unten die Figur eines Heiligen

Lucas Cranach der Ältere - Die Versuchung des Heiligen Antonius

Text zu "Die Versuchung des Heiligen Antonius"

Heiliger Albert, Weggefährte des Heiligen Wilhelm

Text zu "Heiliger Albert, Weggefährte des Heiligen Wilhelm"

Lucas van Leyden - Versuchung Christi

Text zu "Versuchung Christi"

