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05.05.2026

30 Jahre gelebtes Engagement: "Arbeit-Leben-Zukunft" feiert Geburtstag


Dieter Greunig, Jenny Geier und Bernd Leifholz vor dem Sozialkaufhaus des ALZ in der Hauptstraße in Herzberg (von links)

Das Jubiläum des Fördervereins und der ALZ gGmbH zeigt, wie aus ehrenamtlichem Engagement eine tragende soziale Säule wurde.

von Herma Niemann

Herzberg. Wenn am 4. Juni der Förderverein „Arbeit-Leben-Zukunft“ und die ALZ gGmbH ihr 30-jähriges Bestehen feiern, geht es nicht nur um ein Jubiläum – es geht um eine kleine Erfolgsgeschichte, die zeigt, was gemeinschaftliches Engagement über Jahrzehnte hinweg bewirken kann. Aus kleinen Anfängen ist nämlich so eine feste Größe in Herzberg geworden, die heute aus dem sozialen Gefüge nicht mehr wegzudenken ist.

Im Gespräch mit unserer Zeitung blicken der Geschäftsführer Bernd Leifholz, Dieter Greunig (jahrelanger stellvertretender Vorsitzender) und Jenny Geier (Schriftführerin) auf diese Entwicklung zurück. Besonders Greunig hebt die Bedeutung des Ehrenamts hervor. "Ehrenamt ist nicht etwas, das belastet, sondern einem auch guttut – weil man Erfolge sieht", betont er. Gleichzeitig betont Greunig auch, dass genau dieses Engagement auch in Zukunft gebraucht werde, der Nachwuchs im Ehrenamt sei ein zentrales Thema.

Der Förderverein zählt rund 40 Mitglieder, von denen etwa zehn aktiv eingebunden sind. Und die ALZ gGmbH entwickelte sich zu einem eigenständigen, sozial ausgerichteten Unternehmen mit inzwischen rund 30 Beschäftigten.

Die Wurzeln reichen bis ins Jahr 1996 zurück. Mit Unterstützung des Landes Niedersachsen und der Europäischen Union begann die Arbeit damals mit nur fünf Mitarbeitern und einem Möbelshop. Damals richtete sich das Angebot vor allem an Sozialhilfeempfänger, die über Gutscheine Möbel und Haushaltswaren erhalten konnten. Im Laufe der Jahre wurde das Angebot stetig erweitert und professionalisiert.

Einen Einschnitt stellte die Hartz-IV-Reform im Jahr 2005 dar. „Das war eine Phase, von der wir uns erst einmal erholen mussten“, erinnert sich Leifholz. Die Hartz-IV-Reform bedeutete für Sozialhilfeempfänger eine Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zur Grundsicherung (ALG II) auf niedrigerem Niveau und geänderten Empfängerbedingungen.

Doch die Organisation des ALZ stellte sich neu auf und entwickelte ihre Angebote weiter. Bereits 2001 war nämlich schon mit Unterstützung der Bingo-Stiftung der Hauswirtschaftsdienst entstanden – ein Meilenstein, der sich heute als unverzichtbar und im Nachhinein auch als zukunftsweisend erwiesen hat. Denn durch die Reform der Pflegekassen änderten sich auch die Leistungen, die Menschen mit einem Pflegegrad in Anspruch nehmen können. Der ALZ-Betrieb ist zertifiziert, sodass die erbrachten Leitungen mit den Pflegekassen abgerechnet werden können. Ein entscheidender Schritt, um wirtschaftlich bestehen zu können.

Im Zentrum der Arbeit steht bis heute der Mensch. Besonders die Unterstützung von Seniorinnen und Senioren hat sich zu einem Schwerpunkt entwickelt. Viele möchten so lange wie möglich selbstbestimmt in ihrem eigenen Zuhause leben – und genau das ermöglicht ALZ mit dem umfassenden Angebot.

Der Hauswirtschaftsdienst betreut mittlerweile über 300 Kundinnen und Kunden. Die Leistungen reichen von klassischen Aufgaben wie Putzen, Wäschewaschen oder Bügeln bis hin zu Einkäufen und Begleitungen zu Arztterminen. Auch Garten- und Objektservice gehören dazu. Doch mindestens genauso wichtig ist die menschliche Komponente: Zeit für Gespräche, ein offenes Ohr und persönliche Nähe.

Jenny Geier, die selbst rund 25 Haushalte betreut, beschreibt diese Arbeit als Herzensangelegenheit. Viele der betreuten Menschen hätten sonst kaum soziale Kontakte. Die Mitarbeiter seien daher nicht selten auch wichtige Bezugspersonen im Alltag – ein Schutz vor Vereinsamung und ein Stück Lebensqualität. Ein besonderes Merkmal des ALZ ist die Verbindung von sozialer Hilfe und beruflicher Integration. Menschen, die wieder in den Arbeitsmarkt einsteigen möchten, finden hier eine sinnstiftende Aufgabe und werden qualifiziert. Voraussetzungen sind unter anderem ein Erste-Hilfe-Kurs, ein Führungszeugnis und eine Schulung. So entsteht eine Win-win-Situation: Unterstützung für die einen, neue Perspektiven für die anderen.

Neben dem Hauswirtschaftsdienst ist das Sozialkaufhaus ein weiterer zentraler Baustein. Hier können Kundinnen und Kunden gebrauchte Möbel, Haushaltsgegenstände und inzwischen auch Neuwaren erwerben – oft sogar komplette Einrichtungen. Ergänzt wird das Angebot durch Haushaltsauflösungen und Umzüge. Seit 2019 gehört zudem eine Postagentur zum Leistungsspektrum.

Auch räumlich entwickelte sich der ALZ weiter: 2011 erfolgte der Umzug in die Hauptstraße – zunächst zur Miete, später wurde der Standort erworben. Heute stehen dort rund 1.000 Quadratmeter zur Verfügung. Ein Ort, der sichtbar ist, offen für alle und an dem Hilfe ganz konkret wird.

Dass sich aus einem ehrenamtlich getragenen Verein ein solch vielfältiges Unternehmen entwickeln konnte, ist für Dieter Greunig ein starkes Zeichen: "Der Förderverein ist ein gutes Beispiel dafür, dass Ehrenamt Früchte trägt". Gleichzeitig betont er die gesellschaftliche Bedeutung: Ohne freiwilliges Engagement könne ein funktionierendes Miteinander kaum bestehen. „Gleichgültigkeit und Bequemlichkeit reichen nicht aus“, so Greunig. Es brauche Menschen, die Verantwortung übernehmen und sich aktiv einbringen. Der Vorstand des Fördervereins besteht aus der Vorsitzenden Bärbel Pulst, den stellvertretenden Vorsitzenden Michael Dietrich und Bernd Leifholz, der Schatzmeisterin Sandra Tschierske und der Schriftführerin Jenny Geier. Beisitzer sind Dieter Greunig, Waltraud Nerlich, Michael Reimann Cathrin Lühring.

Beim ALZ kann man sich engagieren, Informationen und Kontakt über die Telefonnummer 05521-72782 und per Mail info@alz-herzberg.de.

 

BU

Dieter Greunig, Jenny Geier und Bernd Leifholz vor dem Sozialkaufhaus des ALZ in der Hauptstraße in Herzberg (von links).

Im Kaufhaus gibt es gebrauchte und neue Möbel, Haushaltsgegenstände, Kleidung und auch ganz besondere Dinge zu erwerben.

Fotos Herma Niemann


Im Kaufhaus gibt es gebrauchte und neue Möbel, Haushaltsgegenstände, Kleidung und auch ganz besondere Dinge zu erwerben

 

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