15.04.2026
An der Wallbox kostet das Benzin nur 76 Cent pro Liter

KI-generiertes Symbolbild
von Jörg Hüddersen
Benzin aus der Wallbox? Was wie ein wirrer Satz aus einer Pressekonferenz von Donald Trump klingt, ist in Wahrheit ein interessantes Gedankenexperiment: Wie hoch dürfte der Benzinpreis maximal sein, damit ein Verbrenner genauso günstig fährt wie ein Elektroauto?
Der Umstieg auf ein Elektrofahrzeug gilt vielen als zu teuer und unrentabel. Doch ein nüchterner Kostenvergleich am Beispiel des Citroën C4 – den es sowohl als reines Elektroauto als auch mit Verbrennungsmotor gibt – zeichnet ein überraschendes Bild.
Stromkosten schlagen Benzinkosten deutlich
Grundlage der Rechnung ist der Tarif Harz Energie ökoStrom 26-01 mit einem Preis von 28,8 Cent pro Kilowattstunde, wie er beim Laden an einer Wallbox mit regulärem Haushaltsstrom anfällt. Der vollelektrische eC4 kommt laut Hersteller auf einen Verbrauch von bis zu 15,5 kWh pro 100 Kilometer – das entspricht Stromkosten von 4,46 Euro pro 100 km.
Zum Vergleich: Damit ein Verbrenner-C4 mit einem Verbrauch von 5,9 Litern auf 100 Kilometern (Herstellerangabe) genauso günstig fährt, dürfte der Liter Benzin gerade einmal 76 Cent kosten (4,46 € / 5,9 l) – also etwas mehr als ein Drittel des aktuellen Preises von rund 2,14 Euro.
Öffentliche Schnellladung: Teurer, aber immer noch vorteilhaft
Wer nicht über eine eigene Wallbox verfügt und auf öffentliche Schnellladesäulen angewiesen ist, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen. Bei einem Strompreis von 59 Cent pro Kilowattstunde steigen die Kosten spürbar – der rechnerische Vergleichspreis für Benzin läge dann bei rund 1,55 Euro pro Liter. Trotzdem fährt das Elektroauto auch an der Schnellladesäule noch günstiger als der Verbrenner – selbst im Vergleich zu dem Preisniveau als die Straße von Hormus noch offen war.
Höherer Kaufpreis: Wann ist der Break-even erreicht?
Ein häufig genanntes Gegenargument ist der höhere Anschaffungspreis des Elektrofahrzeugs. Tatsächlich kostet der eC4 in der Basisausstattung 32.050 Euro, während der Verbrenner-C4 bereits ab 24.140 Euro erhältlich ist – ein Aufpreis von 7.910 Euro. Doch auch dieser Unterschied relativiert sich: Bei einem Benzinpreis von 2,14 Euro und der beschriebenen Ersparnis im Fahrbetrieb wäre der Mehrpreis nach rund 97.150 Kilometern wieder eingespielt.
Wer zusätzlich staatliche Förderungen für Elektrofahrzeuge in Anspruch nehmen kann, erreicht diesen Break-even-Punkt deutlich früher – je nach Förderhöhe bereits nach 23.458 bis 60.304 Kilometern.
Das Gesamtbild: Mehr Faktoren als nur der Sprit
Eine vollständige Wirtschaftlichkeitsbetrachtung muss freilich weitere Aspekte einbeziehen: die einmaligen Investitionskosten für Anschaffung und Installation einer Wallbox, Einsparungen bei Kraftfahrzeugsteuer und Wartung sowie unterschiedliche Versicherungstarife. Diese Faktoren können das Bild je nach individueller Situation sowohl verbessern als auch verschlechtern.
Unberücksichtigt bleibt bei dieser Betrachtung auch das Laden mit Strom aus der eigenen Solaranlage. Dann ist der Strom zwar zunächst kostenlos, aber die Anschaffung der Anlage muss gegengerechnet werden.
Fazit: Klarer Vorteil für Wallbox-Besitzer
Die entscheidende Frage lautet nicht mehr, ob Elektroautos günstiger sind – sondern ab wann. Wer zu Hause laden kann, profitiert am stärksten. Das Laden an öffentlichen Ladesäulen ist deutlich teurer und schmälert den wirtschaftlichen Vorteil erheblich – ganz abgesehen vom praktischen Nachteil, das Fahrzeug dort nicht einfach über Nacht stehenlassen zu können, ohne eine Blockiergebühr zu riskieren.
Länder wie Norwegen machen vor, wie es besser gehen kann: Dort sind reihenweise Wallboxen in Parkhäusern und sogar an Straßenrandparkplätzen weit verbreitet. Deutschland hat in dieser Hinsicht noch erheblichen Nachholbedarf.

